“Hinweise offenbar derart verdichtet” – niedersächsisches Terrormanagement mit kleinen Fehlern

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Der Karnevalsumzug in Braunschweig war wegen angeblicher Terrorgefahr abgesagt worden. Nehmen wir die Aussagen der Verantwortlichen einmal genauer in den Blick, dann zeigt sich in schöner Klarheit, daß die beschworene “konkrete Gefahr” indes offenbar gar nicht bestanden hatte, das ganze vielmehr eine (zum Teil mißlungene) Übung in unbegründetem Schüren von Ängsten zu beliebigen Zwecken gewesen war, das ist  “Terrormanagement”. Eine Analyse der Statements läßt dabei den Schluß zu, daß die niedersächsischen Sicherheitsbehörden in der Vorführung eines Gebildes aus Lug und Trug aber noch nicht geübt genug sind, als daß ihre Terrorwarnung nicht als bloßes Hirngespinst hätte erkannt werden können. Sehen wir genauer hin:

Caren Mioska führte uns per Tagesthemen in die Zusammenhänge mit den Worten ein: “Daß die Polizei heute in Braunschweig ganz kurzfristig den größten Karnevalsumzug Norddeutschlands abgesagt hat, löste einen Schock und Aufatmen zugleich aus. Aufatmen deshalb, weil sowohl eine konkrete Gefahr für bis zu 250tausend erwartete Besucher abgewehrt wurde, und Schock, weil sich die Hinweise auf ein radikal-islamisch motiviertes Attentat in der vergangenen Nacht offenbar derart verdichtet hatten, daß am Ende Polizei und Politik entschieden, ein jahrzehntelang gepflegtes Brauchtum abzusagen. Ein geplanter Angriff auf die Meinungs- und auch auf die Narrenfreiheit, der die Karnevalisten in Braunschweig zumindest auf der Straße heute verstummen ließ.”

Und wir hören vor Ort die kratzige Stimme des blechernen Armeelautsprechers tönen: “Der Karnevalsumzug ist abgesagt! Es gibt konkrete . . . Details auf einen Terroranschlag.” – Liegt es vielleicht an der Akustikanlage oder hat es einen anderen Grund, daß die Stimme nach “konkrete” abfällt und etwas verspätet sich ein norddeutsch artikuliertes “Details” zu Wort meldet? – Schließlich scheint mit beiden Wörtern auf dasselbe gezielt zu werden.

Ja, es ist schon merkwürdig, daß Michael Pientka, der Polizeipräsident Braunschweigs folgende Erklärung abgibt: “Sie wissen, daß wir hier eine islamistische Szene haben und innerhalb Niedersachsens durchaus ein Brennpunkt sind, hm, von dieser Art der Qualität ehm sind wir allerdings nicht ausgegangen, bislang …” Denn er sagt damit nichts anderes, als daß wir “bislang” jedenfalls von “dieser Art der Qualität” (von Gefahr, die einem islamistischen Brennpunkt entspräche) “nicht ausgegangen” sind.

Das bedeutet, daß zu einem Zeitpunkt, als der Karnevalsumzug schon wegen Terrorgefahr abgesagt war, der verantwortliche Polizeipräsident gar keine Gefahr erkennt. Aber der muß es doch wissen. Oder war er in die Pläne des Innenmisters (Innenminister sind ja für Terrormanagement verantwortlich), in Niedersachsen am Fall des Karnevalumzuges Terrormanagement zu üben, gar nicht eingeweiht gewesen?

“Die Absage des Umzugs sei absolut notwendig gewesen”, hieße es “aus der Politik”, wie Caren Mioska ankündigt. Boris Pistorius, Innenminister Niedersachsens, gibt uns indes ein Rätsel auf, wenn er jene beschworene Notwendigkeit mit den Worten begründet: “Es ist äh höchst bedenklich, und äh wir können uns damit nicht abfinden, daß offenbar bedenkenlose Terroristen Anschläge planen auf Menschen, die Karneval feiern wollen.” – Wo bleibt denn da die Nennung des Grundes dafür, daß jene ja so deutlich als “konkret” beschworene Gefahr tatsächlich besteht oder bestand und jene Absage notwendig war?

Am nächsten Tag erfahren wir, bei den Ermittlungen zu den Hintergründen hätten sich “noch keine neuen Erkenntnisse” ergeben, so die Polizei. Ein Ermittlungsverfahren sei eingeleitet, Durchsuchungen oder Festnahmen gebe es bislang aber keine. – Wie bitte? Ein Ermittlungsverfahren wurde, ja gegen wen denn?, eingeleitet, aber keine Durchsuchungen? Keine Festnahmen? Was ist das für ein stümperhaftes Terrormanagement? So werden die Leute aber nicht in Angst und Schrecken versetzt!

Die Tagesschau erklärt, bislang machten die Behörden noch “keine Angaben, wie die Anschlagspläne konkret ausgesehen haben sollen. Es sei aber mehr als eine anonyme Drohung gewesen.” Wir müssen uns fragen, wie es sein kann, daß keine Durchsuchungen stattgefunden haben und niemand verhaftet worden war, wenn es doch “mehr als eine anonyme Drohung” gewesen war. – Heißt “mehr als anonym” so viel wie “nicht anonym”, also so viel, daß ein Name bekannt wurde? Und vor allem: Wie hatte denn die Drohung gelautet? Wir müssen klar sehen, daß es keine Drohung ohne einen Wortlaut gibt, da jede Drohung unter Zuhilfenahme der Sprache geschieht. Es muß, wenn es überhaupt eine Drohung gegeben hatte, gesagt werden können, wie sie gelautet hatte.

Da versucht Boris Pistorius die Scharte des unpassend gewesenen Statements vom vorangegangenen Tag auszuwetzen, indem er, sich nun richtig ins Zeug legend, verkündet, es seien “sehr, sehr belastbare, vertrauenswürdige Informationen”, so der Innenminister, “nach deren Auswertung die Sicherheitsbehörden sehr eindeutig zu dem Ergebnis gekommen sind, daß die konkrete Gefahr vorliegt und man deshalb den Karnevalsumzug – so schwer es allen Beteiligten gefallen ist – zum Schutz der Menschen in Braunschweig absagen mußte.”

Was fällt hier auf? – ein geradezu ekstatischer, tiefengrammatisch aber unhaltbarer Gebrauch des Wörtchens “sehr”, da er “sehr, sehr belastbare Informationen” ins Spiel bringt, nach deren Auswertung man “sehr eindeutig” – wie eindeutig mögen Sie es denn? da fragt die Frau hinter der Wursttheke: “darf es auch etwas mehr sein?” – zu dem Ergebnis gekommen sei, daß eine “konkrete Gefahr” vorgelegen habe. Hier kann vermutet werden, daß der Bundesinnenminister angesichts eines eher unbefriedigenden Terrormanagements auf Landesebene mit einer Sprachregelung geholfen hat, die allerdings wie alles bislang Verlautbarte einfach nicht verstehen läßt, worin das Konkrete der “konkreten Gefahr” denn nun eigentlich bestanden hat.

Was eine potentielle Gefahr ist, habe ich gelernt, als bei einer Versammlung der Studienstiftler im schönen Alpbach zu Fragen der Gefahr von Gentechnologie einst der Philosoph Kambartel das Podium betrat und erklärte: “Es wird hier immer von seiten der Gentechnologie (verharmlosend) von einer “potentiellen Gefahr” gesprochen. Ich mache Sie darauf aufmerksam: Es folgt schon aus der Semantik des Wortes “Gefahr”, daß eine “potentielle Gefahr” nichts anderes ist als eine Gefahr”. – War diese Einsicht in einem wahren Sturm der Begeisterung von uns allen heftig gefeiert worden, so fragt sich mit Blick auf die Sache in Braunschweig, was denn im Vergleich zu jener “potentiellen” die hier so sehr beschworene “konkrete Gefahr” anderes sei könne als eine Gefahr? Und wenn sie das ist, warum tritt dann das offenbar unnötige “konkret” hinzu? Das wird mir nicht anders plausibel denn als eine Art Überschwang des Lügners, der immer glaubt, Zweiflern entgegentreten zu müssen.

Es sind die Überbetonung von “konkreter” Gefahr (Mioska, Pistorius) und “konkreten Details” (Lautsprecherstimme), die als “Hendiadyoin” auftreten, in Verbindung gerade mit der Vagheit angeblich “verdichteter” Hinweise in einer “mehr als anonymen” Drohung, die unseren Argwohn erregt. Das Problem ist nur, daß Polizei und Geheimdienst jede Sache aus angeblichen Sicherheitsgründen einfach für “geheim” erklären können, ohne daß wir dagegen irgendeine Handhabe hätten, es sei denn, sie würden sich so ungeschickt anstellen, daß die Wahrheit zumindest begründet geahnt werden kann. In diesem Fall scheint der Innenminister es nicht für nötig gehalten zu haben, den lokalen Polizeichef zu informieren. Oder hat es zwischen beiden Streit gegeben? Diese Frage wäre aber entschieden, sofern es heißt: “Die Staatsanwaltschaft Hannover wird die Ermittlungen nun übernehmen.”

Das ganze Theaterspiel war aber gründlich mißlungen, und viele werden dem Jeck aus Menden im Sauerland zustimmen, der gemeint hatte: “Passieren kann überall was, egal, wo man is, und warum soll man auch so eine Veranstaltung deshalb auch absagen.”

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Da hilft es auch nicht viel, wenn die ARD ihre Frau Mioska, elegant überleitend, erklären läßt: “Wie schnell es gehen kann, daß aus einer eher diffus erscheinenden Bedrohung eine reale Terrorattacke wird, das machten uns gestern und in der Nacht zwei Anschläge in unserem Nachbarland Dänemark in grausamer Weise bewußt.”

Ja, das war’s, eine “eher diffus erscheinende Bedrohung” – und dafür wurden 250tausend potentielle Besucher vergrätzt? – Ein Grund mehr, auf alle Muselmanen noch ein Stückchen wütender zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

Comments (4)

  1. bobo

    Der letzte tatsächlige islamisch bzw. antiamerikanisch motivierte Terroranschlag war in Berlin-Schöneberg die Diskothek La Belle vor ca. 28 Jahren. Danach gab es keinen mehr. Hier wird mit grossem Aufwand eine Kriminalität bekämpft, die es in Deutschland offensichtlich garnicht gibt. Im Flugverkehr gab es dagegen eine ganze Reihe fingierter Anschläge und in Deutschland öfter mal Terrorverdächtige, wobei die Ermittlungen normalerweise im Sande cerliefen nachdem sie von der Presse ausgeschlachtet wurden.

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  2. matthias

    Phase 2 für den Weltfrieden – Verbreitet diese Botschaft !

    Wenn genug Staatsangehörige in allen Ländern den Frieden und den Friedensvertrag für den Weltfrieden fordern, dann wir er auch kommen.

    Phase 1 war das bekanntmachen des Friedensvertrages für den ersten Weltkrieg durch deutsche Staatsangehörige. Nach dem SHAEF-Vertrag der Alliierten von 1944 sind alle Völker in Europa, im nahen und mittleren Osten, einschließlich der Ukraine nur im Waffenstillstand. Dieser Waffenstillstand wird laufend in verschiedenen Ländern wie Libyen und der Ukaine nur unterbrochen. Wir brauchen den Weltfrieden.

    Der sogenannte zweite Weltkrieg war die Fortsetzung des ersten Weltkrieges da nur ein Waffenstillstand mit den westlichen Alliierten besteht. Mit Russland besteht der Friedensvertrag von Brest-Litowski der in den Jahren 1917 / 1918 abgeschlossen wurde.

    Die Haupt-Alliierten des WK I sind demnach Frankreich, Großbritannien und die USA. Diese Länder sind – nach dem Völkerrecht – nach fast 100 Jahren verpflichtet den Friedensvertrag anzubieten – wenn die Staatsangehörigen der deutschen Völker / Bundesstaaten diesen Friedensvertrag erbitten.

    Alle Staatsangehörige der Bundesstaaten wie das Königreich Bayern, Königreich Sachsen, Königreich Thüringen, Königreich Preußen usw. sind aufgefordert bei den Botschaften dieser Länder den Friedensvertrag für den WK I zu fordern. Nur wenn dieser Krieg beendet wird, sind wir wieder frei und können über unser souveränes Land selbst bestimmen.

    Alle Regierungen nach dem Jahr 1918 waren fremdbestimmt und haben die Saat für neue Kriege gelegt.

    Eine kleine Gruppe kann den Anstoß für den Frieden einleiten. Wenn die kritische Masse der Wissenden erreicht wird, kann diese neue Erkenntnis von Bewußtsein zu Bewußtsein vermittelt werden.

    Der japanische Affe, macaca fuscata, wurde in der Wildnis während einer Zeitspanne von über 30 Jahren beobachtet. Im Jahr 1952 versorgten Wissenschaftler auf der Insel Koshima die Affen mit Süßkartoffeln, die sie in den Sand fallen ließen. Die Affen liebten den Geschmack, der rohen Süßkartoffel, empfanden aber den Dreck als unangenehm.

    Zwischen 1952 und 1958 lernten alle jungen Affen die sandigen, aber süßen Kartoffeln zu waschen, um sie appetitlicher zu machen, viele Erwachsenen aßen jedoch weiterhin ihre schmutzigen Kartoffeln. Dann im Herbst des Jahres 1958 ereignete sich etwas sehr überraschendes.
    Aber die überraschendste Sache, welche die Wissenschaftler beobachteten, war jedoch die, daß die Gewohnheit des Waschens der Süßkartoffeln spontan über das Meer sprang. Kolonien von Affen auf anderen Inseln und die Affenherde auf dem Festland von Takasalyama begannen ihre süßen Kartoffeln zu waschen.
    Wenn daher eine bestimmte, entscheidende Anzahl eine Erkenntnis verwirklicht, kann diese neue Erkenntnis von Bewußtsein zu Bewußtsein vermittelt werden.

    https://www.youtube.com/watch?v=y4lm6d7oxFM

    Eine Botschaft der freien Gemeinde Neuhaus in Westfalen

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  3. ben

    geh heim ist z.B. bei crimmineller intelligenz immer angesagt.
    zumindest geben sie vor – sehr – gedacht zhaben.
    aber es war wohl ein test. Motto: …wir tun was!

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