Barnabas-Evangelium als authentisches Zeugnis rekonstruiert

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Anhand einer Analyse exegetischer und historischer Zusammenhänge rekonstruiert Raimundus Lullus das dem Apostel Barnabas zugeschriebene Werk plausibel als ein „Vermächtnis der Nazaräer“ und benennt gewichtige Zeugen dafür, daß es nicht nur keine Fälschung überkommener christlicher Texte oder als ganzes eine einzige Erfindung wäre, sondern umgekehrt sogar kanonische Schriften selbst sich ihm gegenüber als dem offenbar ursprünglicheren Text noch rechtfertigen müssen.

Mit Blick auf die einmal fällig werdende dritte Auflage des Barnabas-Evangeliums hatte der Spohr Verlag den Spezialisten für die Zeit des frühesten Christentums gebeten, die gegen das Werk erhobenen Fälschungsvorwürfe doch einmal auf den Prüfstand zu stellen und dabei der Frage nachzugehen, was es mit diesem dem Apostel Barnabas zugeschriebenen Evangelium denn nun tatsächlich auf sich habe. Das Ergebnis der erstklassigen Arbeit eines begnadeten Forschers ist geeignet, ein Erdbeben auszulösen, das nicht bloß den akademischen Lehrkörper der Bibelwissenschaften vibrieren zu lassen vermag, das stolze Dogma-Gebäude des paulinischen Christentums vielmehr insgesamt deutlich ins Wanken bringt.

Die in einer Kurzform in der neuen Ausgabe erstmals veröffentlichte Würdigung der frühchristlichen Zeit, ihrer Schriften, Strömungen und wirkmächtigen Kräfte, eröffnet eine bislang nahezu verboten gewesene Einsicht in den hohen Rang und die Authentizität dieses Evangeliums nach Barnabas.

Jedem aber, der die ursprüngliche Lehre Jesu und eine wahrheitsgetreue Darstellung seines Lebens und seiner Gefährten sucht, würden sich widrigste Umstände entgegenstellen, die sich dazu verschworen zu haben scheinen, seine Suche in die Irre laufen zu lassen: Einem Dickicht manipulierter oder ganz erfundener Schriften gegenüber, würde er es zutiefst bedauern, daß die allerersten grundlegenden und vielfach bezeugten Dokumente vernichtet worden sind, und wie ein Detektiv die berühmte Frage stellen „cui bono?“. Wer hat den Nutzen jener Vernichtung von Dokumenten, der Manipulation von Texten, Evangelien oder Apostelbriefen? – Sind es in dogmatischer Hinsicht die eigenwilligen Ideen des Paulus gewesen, in dessen Sinn jene Fälschungen geschahen, so ist, ad personam gesprochen, die ungerechtfertigte Hervorhebung der Bedeutung des Paulus zulasten der anderen Apostel, insbesondere seines Mentors Barnabas und auch des Petrus, zu nennen, welche den wahren Verhältnissen und Begebenheiten sicher nicht gerecht wird.

Alles spricht für die wohlbegründete Möglichkeit, daß es sich beim Barnabas-Evangelium um einen späten Nachfahren jenes berühmten Zeugnisses des Lebens Jesu handelt, das unter dem Namen „Nazaräer-Evangelium“ bekannt und hochgeschätzt wurde, aber gemeinsam mit in ihm fußenden oder es bezeugenden Schriften von mächtigen Kräften aus dem Verkehr gezogen worden war und so bis heute darauf wartet, wiederentdeckt zu werden. Daß eine solche Wiederentdeckung den Schriften eines paulinisch orientierten Christentums indessen nicht einfach entnommen werden kann, sondern in kriminalistischer Feinarbeit geradezu abgetrotzt werden muß, zeigt Raimundus Lullus in schöner Klarheit am Beispiel des Gleichnisses von der Sünderin. Hinterläßt es uns mit dem Satz: „Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde“ in der überkommenen Form biblischer Überlieferung bis heute ein Rätsel – was sollte es bedeuten, daß Jesus da etwas auf den Boden schreibt? –, so erklärt uns das Barnabas-Evangelium (Kap. 201), Jesus habe mit dem Finger einen Spiegel auf dem Boden gemacht, in dem „ein jeder seine eigenen Verfehlungen erkannte“.

Jetzt erhalten Jesu Finger auf dem Boden und der dann folgende berühmte Satz „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ und damit das ganze Gleichnis erst ihren vollen Sinn. Und es zeigt sich hier beispielhaft, wie das Barnabas-Evangelium nicht nur die kanonischen Texte der Gegenwart, sondern älteste Quellentexte an Genauigkeit und Plausibilität übertrifft, was für die Ursprünglichkeit des Werkes, seine Abstammung aus dem Hebräer-Evangelium und dafür spricht, daß wir es mit einem wahrhaftigen Zeugnis des Lebens Jesu, einem heiligen Text also, zu tun haben.

Daß Christen beunruhigt sein könnten, wenn sie im Barnabas-Evangelium lesen, Judas Iskariot sei an Jesu Stelle gekreuzigt worden, dafür kann man Verständnis haben, da sie im Glauben aufgewachsen sind, Jesus habe die Welt durch sein Kreuzesopfer erlöst. Wer diese Lehre indes als eine Erfindung des Paulus begreift, dem könnte das Barnabas-Evangelium ein besonderer Grund zur Freude darüber sein, daß der Herr der Welten Seinen geliebten Diener Jesus, auf dem der Friede sei, vor der Kreuzigung gerade bewahrte. Hatte Johann Wolfgang von Goethe gegen die Kreuzigung mit den Worten gewettert: „Mir willst du zum Gotte machen solch ein Jammerbild am Holze!“ –, das Zeugnis des Apostels Barnabas, hätte ihn sicher zutiefst beglückt.

Quellen:

Vorwort des Verlages zur 3. Auflage des Barnabas-Evangeliums.

Einleitung: “Vermächtnis der Nazaräer“. Eine textanalytische und historische Würdigung des Barnabas-Evangeliums” von Raimundus Lullus

Schaut doch einmal auf jener Weseite über das Barnabasevangelium vorbei: http://www.barnabas-evangelium.de

Wer das Buch als e-Book oder den schönen Festband erweben will, kann das hier tun.

 

Comments (23)

  1. Avraham Daniel

    Schaut doch einmal auf unserer Weseite über das Barnabasevangelium vorbei: http://www.barnabas-evangelium.de

    Ein Video über die scheinbare Kreuzigung Jesu ist auch bereits vorhanden:

    https://www.youtube.com/watch?v=pq42JEvQtGk

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    1. Salim Spohr (Post author)

      Danke, Sheikh Avraham, habe die beiden Links in den Haupttext des Artikels übernommen.

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      1. Avraham Daniel

        VIelen Dank, Scheich Salim!

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  2. Christian

    Liebe Leute

    hätte da gerne ein paar fragen gestellt?

    In sure 83 steht da etwas von einem Buch illium. Haben sie da die quelle dazu, was ist das genau?

    Ebenfalls ist irgendwo die rede, dass da zwei Männer in weißen kleiden gekommen sind und mohamed operiert haben, haben sie dazu auch näheres?

    Und wo finde ich die stelle im barnebasevangelium, wo Engel dem Jesus ein Buch übergeben haben

    danke ihnen im voraus für ihre bemuehungen,

    viele Gruesse Christian

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  3. Salim Spohr (Post author)

    786 – AUSETZUNG DER DISKUSSION – Weil zu viele Leute sich an der Diskussion um die Authentizität des Barnabas-Evangeliums mit der Beschreibung längst widerlegter Thesen beteiligen, ohne die neuen Forschungen der Einleitung zur neuen Ausgabe des Werkes also zu berücksichtigen, oder auch nur inzwischen überholte Auffassungen anderer nachbeten, die unseren Beitrag noch gar nicht kennen, gebe ich den Disputanten durch die Feststellung einer Pause hiermit die Möglichkeit, sich zu besinnen bzw. sachkundig zu machen. Das Werk selbst ist zur Zeit im Druck und soll noch vor Weihnachten ausgeliefert werden. Die Diskussion kann im Neuen Jahr fortgesetzt werden, wenn die neue Einleitung auch dem englischen Sprachraum vorliegt. Ich wünsche eine schöne Zeit. Pax vobiscum wa s-salam, Salim

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  4. Mustafa

    Salamun alaykum,

    danke lieber Salim Spohr für diesen aufschlussreichen Artikel des Herrn Lullus.

    Es spricht vieles dafür dass die Judenchristen die auch Ebioniten genannt wurden (dass die Ebioniten die Jungferngeburt ablehnen sollen ist nicht sicher) zahlreiches Schrifttum hinterliessen, von denen nur teilweise uns erhalten sind.
    Die “Schule der Radikalkritiker” ( http://www.radikalkritik.de )der christlichen Theologie liefert vieles was in Barnabasforschung relevant sein könnte. Aber auch die Qumranforschung.
    Bezüglich “Messias” sei erwähnt, dass die Qumran-Gemeinde zwei Mesiasse kannten einen überragenden königlichen und einen priesterlichen.
    Bei Gelegenheit schreibe ich hier weiter über das Thema.
    Ma salama
    Mustafa

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  5. Raimond

    Lieber Burhanuddin,

    Ihren Zitaten von Küng Butz und Tabor kann ich mich nur anschließen. Gerade weil wir heute wissen, daß es diese Nähe von Judenchristentum und Islam gibt, gerade weil wir durch die Nag hammadi schriften Einsicht in Facetten des frühen Christentums haben, die uns die Reichskirche ab Kaiser Theodosius mit ihren Bücherverbrennungen verwehren wollte, sollte uns ein Barnabasevangelium keinen Kummer mehr bereiten. Es ist nämlich abgesehen von der Kreuzigung des Judas gar nicht so unorthodox, enthält aber eine große Zahl von Geschichten und Lehren, die uns in anderen Quellen nicht erhalten geblieben sind. Sobald man sich einmal von den opus dei o.ä. geförderten Fälschungstheorien frei gemacht hat, erhebt sich unmittelbar die Frage: Woher kommt das alles? Die Voraussetzung aller Wissenschaft und Kunst, sagt Einstein, ist das Gefühl des Erstaunens. Auf unser Thema angewandt, beginnt alles damit, ein zunächst unerklärliches Phänomen zu sehen, statt mit billigen Fälschungsphantasien eine Mauer aufzubauen und sich damit selbst den Blick zu verbauen. Warum sollten sich angesehene Forscher wie zuletzt im Jahre 2010 Jan Joosten mit diesem Evangelium beschäftigen, wenn es nicht ein Rätsel wäre, das einer Lösung harrt!

    Irgendjemand hat Anfang des 14. Jhdts aus heute verschollenen Quellen einen altitalienischen Text übersetzt bzw. erstellt und die Frage ist doch: Wer könnte das gewesen sein und zu welchem Zweck? Die Antwort ist nicht schwer. Die italienische Schriftsprache wurde aus vorhandenen Dialekten von Gelehrten am Hof Kaiser Friedrichs II geschaffen. Sowohl Dantes Commedia als auch das EvB gehören zu den frühesten schriftlichen Zeugnissen in dieser Sprache.

    Diejenigen Teile, die wir mit bekannten Texten vergleichen können, weisen zahlreiche “diatessaronische” Lesarten auf. Das sind, wie W. S. Petersen irgendwo schreibt schlicht alte Lesarten, weil nämlich Tatian als er um 173 n. Chr. das Diatessaron zusammenstellte auf noch ältere Texte zurückgriff, so z. B. auf Justins “Memoiren der Apostel” – vermutlich eine griechische Übersetzung des Hebräerevangeliums. Seit W.S Petersen vor 25 jahren diese Zusammenhänge erwiesen hat, ist klar, daß eine diatessaronische Lesart auch aus dem Hebräerevangelium stammen kann. Und die vielen unvergleichbaren Passagen des Barnabasevngeliums sind nicht einfach so dahingeschrieben, sondern darin wird den Jüngern eine Lehre vermittelt, die uns streng erscheint, die aber auch konsistent ist und eben so gar nicht mittelalterlich. Wie die geheimen Worte des Thomasevangeliums, oder das geheime Markusevangelium könnte in den nonkanonischen Anteilen ein weiteres Geheimevangelium vorliegen, vieleicht sogar jenes, das in der Antike unter dem Namen Barnabas- oder Matthiasevangelium erwähnt wurde.

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    1. Burhanuddin1

      Hallo Raimond, vielen Dank für die Antwort, bist du der Herr “Lullus”?

      Ich habe Jeffrey J. Butz übrigens gar nicht zitiert.

      Es bleibt leider unklar, welchen Anspruch Ihr eigentlich für das von euch veröffentlichte “Barnabas Evangelium” erhebt.
      Ist dieses Buch identisch mit einem vermuteten historischen “Original Evangelium”? Ist der Autor DER “Apostel Barnabas”?

      Ich habe diese Frage S. Spohr auch schon gestellt, eine Antwort blieb er schuldig.

      Oder handelt es sich hierbei um eine mittelalterliche Pseodoepigraphie – was meine Meinung ist und der Konsens der seriösen Gelehrtenschaft – auch der muslimischen. Wollt Ihr diesen Konsens leugnen, auch unter den Koryphäen, deren Forschungsergebnisse in den Dienst eurer spekulativen Apologetik stellen wollt?

      Der vollmundige Titel dieses Postings lautet: “Barnabas-Evangelium als authentisches Zeugnis rekonstruiert”

      Du schreibst: “…KÖNNTE in den nonkanonischen Anteilen ein weiteres Geheimevangelium vorliegen, VIELLEICHT sogar jenes, das in der Antike unter dem Namen Barnabas- oder Matthiasevangelium erwähnt wurde.” Die behauptete Rekonstruktion bleibt ihr schuldig und präsentiert in Wirklichkeit nichts als konstruierte Spekulation.

      Ich kann diese ganze “BE”-Hype für mich mit einem Wort zusammenfassen: Dubios.

      Dubioses Buch, dubioses Expertentum, dubiose Apologetik.

      Zur Sache würde ich gerne auch noch weitere Fragen stellen, ich hoffe du bleibst keine Antworten schuldig oder unterschlägst unliebsame Kommentare wie Spohr.

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      1. Salim Spohr (Post author)

        786 – Also also, der du dich Burhanuddin nennst. Ganz gleich, wie die ganze Frage der Sache nach ausfällt: als auffällig empfinde ich die Respektlosigkeit Deiner Einwürfe uns gegenüber. Das ist ein mieser Stil, den ich nicht akzeptiere. Dieses beleidigende Gezetere und Gemeckere findet indes schließlich ihren guten Sinn darin, daß Deine ganze “Argumentation”, so schwach, wie sie ist, immer wieder und letztlich darauf hinausläuft, daß berühmte Leute, seröse Wissenschaftler, das eben immer schon so gesehen hätten, wie Du es siehst. – Solch verkrochene argumenta ad verecundium lösen bei mir allerdings nur Ekel aus vor dem, der sich in seiner Großsprecherei doch nur darauf berufen kann, was bekannte und anerkannte Leute glauben. – So, als würde es nie neue Entdeckungen geben, es nie einen Fortschritt in den Wissenschaften geben können.

        Statt uns mit von Dir vergötterten Berühmtheiten zu kommen, solltest du mal lieber eine einfache Frage beantworten, auf die auch nur zu reagieren, du dich bislang geweigert hast. Sie lautet: Was sagst Du denn dazu, daß das Gleichnis von der Sünderin mit dem Satz: „Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde“ in der überkommenen Form biblischer Überlieferung bis heute ein Rätsel – was sollte es bedeuten, daß Jesus da etwas auf den Boden schreibt? – blieb, das uns erst das Barnabas-Evangelium (Kap. 201) verstehen läßt, wo es heißt, Jesus habe “mit dem Finger einen Spiegel auf dem Boden gemacht, in dem „ein jeder seine eigenen Verfehlungen erkannte“? – Was sagst du dazu? Gibst du zu, daß Jesu Finger auf dem Boden und der dann folgende berühmte Satz „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ und damit das ganze Gleichnis erst mit Blick auf das Barnabas-Evangelium ihren vollen Sinn erhalten, ja sich überhaupt erst richtig verstehen lassen? – Gibst Du das zu oder nicht? – Und ich möchte jetzt keine Ausflüchte hören, in denen du wieder auf berühmte Leute schlielst. Hier gilt nicht die Person, sondern die schlichte Sache.

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        1. Salim Spohr (Post author)

          Auf den vorangegangene Text hatte Burhanuddin [[sein Text war irrtümlich in WP gelöscht, dann aber noch in einer Mail gefunden worden]] mit folgenden Worten geantwortet:

          BURHANUDDIN: “Warum sollte ich mich an diesen Spekulationen zu der fragwürdigen pericopa adultera beteiligen? Meine Meinung: Der pseudonyme mittelalterliche Autor hat diesen Spiegel erfunden, um die ganze Sache abzurunden nach seiner Auffassung. Creative Writing unter einem Pseudonym, auch gängiger Usus im Literaturbetrieb “Erstellen von heiligen Schriften”. Wenn ich Euch richtig verstanden habe, gibt es für die “Spiegel-Story” keine Belege in antiken Textzeugen.”

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      2. Raimond

        786

        Mein lieber B.

        Mit Blick auf den von dir angeschlagenen Ton komme ich mir ein bißchen vor wie Luther in Worms beim Kreuzverhör der Inquisition. Und falls ich dir eine Antwort schuldig bleibe, droht mir dann auch der Scheiterhaufen? – Jedenfalls kann ich nicht anders als festzustellen: Die Reichskirche beging Verrat an unserem Herrn Jesus, indem sie ihn auf Konstantins Geheiß vergöttlichte, sich zugleich aber nicht mehr an das hielt, was er sagte. „Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr! Sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht? Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!” (Mt. 7,22f). Auch im Barnabas-Evangelium befolgt Jesus das Gesetz und fordert dazu auf.  

        Die Frage, ob das Barnabas-Evangelium das Evangelium schlechthin sei, beantwortet der Text selbst, wenn er berichtet, daß Jesus ein Buch gleich einem Spiegel ins Herz gesenkt wurde (Kap. 10), und das Prädikat, Evangelium Jesu schlechthin zu sein, gebührt sicher diesem inneren Buch. Das Barnabas-Evangelium aber gehört zur Kategorie der Jesusbiographien wie auch die kanonischen Evangelien, die bei Justin noch “Memoiren der Apostel” heißen. Wenn die Fälschungstheorie Geschichte ist – und Salim und ich gehen davon aus, daß beim heutigen Stand der Forschung sie niemand mehr rechtens vertreten kann –, dann ist es ein Gebot der Stunde, die überraschenden frühchristlichen Wurzeln dieser Schrift einmal ernsthaft zu untersuchen.

        Ob der Schüler Rabban Gamaliels und Tutor des Paulus der wahre Autor ist, fällt in die Kategorie des Glaubens, darin gleicht die Situation derjenigen der meisten Bücher des Neuen Testaments. Immerhin sagen die Barnabasakten des Markus, daß dieser Apostel ein Evangelium und andere Bücher mit sich führte und zwar vor 56 n. Chr. und damit vor Abfassung der kanonischen Evangelien.

        Falls es Gelehrte gibt, die das Barnabasevangelium bei Kenntnis der neueren Forschung immer noch als mittelalterliche Fälschung einstufen, so würde ich ihnen in der Tat energisch widersprechen. Christliche Gelehrte, die das behaupteten, würden sich dem Verdacht aussetzen, von ihren kirchlichen Geldgebern beeinflußt zu sein. Die islamische Welt hat m. W. nicht viel zur diesbezgl. Forschung beigetragen, sondern glaubt bislang den Resultaten anderer. Es reift aber gerade eine Generation heran, die in der Lage sein wird, sich ein eigenes Urteil zu bilden.  

        Dubios wäre meine Arbeit übrigens dann, wenn es nicht so wäre, daß ich Wörter wie “könnte” und “vielleicht” verwendete. Denn so lange die Geheimarchive des Vatikans kein antikes Barnabasevangelium hervorbringen, läßt sich aufrichtigerweise nicht mehr sagen. Genau so funktioniert Wissenschaft. Ich denke, die Diskussion der wirklichen Fragen hat gerade begonnen, und unser Evangelium bietet noch viel Stoff für die zukünftige Forschung.

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  6. Burhanuddin1

    Auf Seite 17 der Einleitung des “begnadeten Forschers” “Raimunds Lullus” lesen wir folgende Behauptung: “Es handelt sich dabei um das ursprüngliche aramäische Evangelium nach Matthäus, das Apostelschüler Papias 120 n. Chr. mit den Worten beschrieben hatte: „Matthäus schrieb als erster die Worte des Herrn in hebräischer Sprache“. Abgesehen davon, dass diese spekulative Behauptung unbelegt bleibt, frage ich mich, warum ihr eigentlich blauäugig diesem proto-orthodoxen Autor Papias Glauben schenken wollt? Weil er euch scheinbar sagt, was ihr hören wollt?

    Believing Papias When It’s Convenient

    Der folgende Artikel wurde gerade auf Professor Bart Ehrman’s blog veröfentlicht. In ihm kritisiert er konservative Neutestamentler, die Papias vertrauen wollen, weil er Ihnen sagt, was Sie hören wollen. Ein Lehrstück. Auch für begnadete Forscher und Spezialisten für die Zeit des frühesten Christentums.

    http://ehrmanblog.org/believing-papias-when-its-convenient/

    In my previous post I stressed that, contrary to what you sometimes may have heard or possibly will hear, Papias is not a *direct* witness to what the apostles of Jesus were saying. That is an important point because of the most important “testimony” that Papias gives, a testimony that is often taken as very strong evidence that the second Gospel of the NT was written by Mark, the companion of Peter, and that the first Gospel was really and truly written by Matthew, the disciple of Jesus. If these claims were right, they would be highly significant. Matthew would have been written by someone who was there to see these things happen; and Mark’s account would be based on arguably the most important witness to Jesus’ life..

    Here is what Papias says. Remember, when he indicates what “the elder” says, he is indicating what he has learned from a person who was allegedly “companion” of the elder; the elder was someone who allegedly knew the apostles.

    “And this is what the elder used to say,

    ‘When Mark was the interpreter [Or: translator] of Peter, he wrote down accurately everything that he recalled of the Lord’s words and deeds — but not in order. For he neither heard the Lord nor accompanied him; but later, as I indicated, he accompanied Peter, who used to adapt his teachings for the needs at hand, not arranging, as it were, an orderly composition of the Lord’s sayings. And so Mark did nothing wrong by writing some of the matters as he remembered them. For he was intent on just one purpose: to leave out nothing that he heard or to include any falsehood among them.’”

    This then is what Papias says about Mark.

    And this is what he says about Matthew:

    “And so Matthew composed the sayings in the Hebrew tongue, and each one interpreted [Or: translated] them to the best of his ability.”

    In addition to my general doubts about the reliability of oral traditions – that will be the subject of my next book – (and recall, these are fourth-hand accounts we’re hearing from Papias), I have two clear reasons for thinking that these comments of Papias are not convincing “proof” about the authorship of either Matthew or Mark. The first is that Papias can be shown not to preserve historically accurate information passed down from the apostles of Jesus. The second is that what Papias actually says about Matthew is not true of our Matthew, making it appear either that he doesn’t have accurate information or that he is referring to some book other than what came to be our Gospel of Matthew. And if he’s not right about Matthew, there’s no reason to think that he’s right about our Mark.

    I’ll deal with the first reason in this post. The short story, as I have mentioned in shorter order on the blog before, is that Papias is acknowledged by *everyone* — including the evangelical scholars who trust him with respect to Matthew and Mark – to preserve traditions that are *not* historically to be trusted.

    Papias gives two traditions connected with the Gospel accounts of Jesus. Neither one is considered by anyone I know as being anywhere near being accurate. First is an alleged saying of Jesus:

    Thus the elders who saw John, the disciple of the Lord, remembered hearing him say how the Lord used to teach about those times, saying:

    “The days are coming when vines will come forth, each with ten thousand boughs; and on a single bough will be ten thousand branches. And indeed, on a single branch will be ten thousand shoots and on every shoot ten thousand clusters; and in every cluster will be ten thousand grapes, and every grape, when pressed, will yield twenty-five measures of wine.

    And when any of the saints grabs hold of a cluster, another will cry out, ‘I am better, take me; bless the Lord through me.’ So too a grain of wheat will produce ten thousand heads and every head will have ten thousand grains and every grain will yield ten pounds of pure, exceptionally fine flour. So too the remaining fruits and seeds and vegetation will produce in similar proportions. And all the animals who eat this food drawn from the earth will come to be at peace and harmony with one another, yielding in complete submission to humans.”

    This is a very interesting claim about what Jesus taught. But no one thinks Jesus taught it. So what does that say about the reliability of Papias’s sources for the words of Jesus and the traditions of his apostles?

    The second tradition is even more interesting – fascinating even. So, do you wonder how Judas died? Here’s what Papias tells us, based on the “reliable” sources that he had at his disposal:

    But Judas went about in this world as a great model of impiety. He became so bloated in the flesh that he could not pass through a place that was easily wide enough for a wagon – not even his swollen head could fit. They say that his eyelids swelled to such an extent that he could not see the light at all; and a doctor could not see his eyes even with an optical device, so deeply sunken they were in the surrounding flesh. And his genitals became more disgusting and larger than anyone’s; simply by relieving himself, to his wanton shame, he emitted pus and worms that flowed through his entire body.

    And they say that after he suffered numerous torments and punishments, he died on his own land, and that land has been, until now, desolate and uninhabited because of the stench. Indeed, even to this day no one can pass by the place without holding their nose. This was how great an outpouring he made from his flesh on the ground.

    No one thinks this is what happened to Judas. Which means that the two traditions of Papias that can be critically examined are clearly recognized as legendary, not historical. Why then would anyone trust that Papias is reliable about something else he says – e.g., about Matthew and Mark? Papias has been trusted in these sayings, for example by conservative New Testament scholars, because these scholar want to trust him in these sayings, and for no other reason. They want to trust him because he tells them what they want to hear. And when he tells them something they don’t want to hear (in the other traditions he preserves) they choose not to trust him. This is not critical scholarship. It is uncritical scholarship. Or perhaps we should call it what it is, credulous scholarship.

    Reply
    1. Raimond

      Zur Glaubwürdigkeit des Papias, Herr Burhanuddin1, gibt es mehr zu sagen, als es dieser Blog hier zulässt. Kurz zusammengefasst:

      Das Urteil des Eusebius ist nicht objektiv, weil er im Unterschied zur großen Mehrheit der frühen Kirchenväter nicht an ein tausendjähriges Reich glaubte. Eusebius stand in Diensten Kaiser Konstantins, für den das tausendjährige Reich vor allem Konkurrenz für sein eigenes war! Viel gewichtiger ist da das Zeugnis des Irenäus von Lyon (202 n. Chr.), eines Schülers des Polykarp, der seinerseits wie Papias Schüler des Apostels Johannes von Ephesus war. Irenäus zitiert Papias nicht nur ausführlich und wohlwollend, er sieht ihn auch als den Schüler des letzten überlebenden Jüngers Johannes. Daß das erste Evangelium “in hebräischer Sprache” aufgeschrieben wurde, ist schon deshalb anzunehmen, weil die ersten Christen alle Israeliten waren und aramäisch sprachen (damals die Sprache der Hebräer). Das heutige Mt. ist dagegen griechisch verfasst und zeitlich spät, u. a. weil es das Markus-Evangelium benutzt.

      Papias mag also für den Exchristen und erklärten Atheisten Ehrman unglaubwürdig sein, wir schließen uns dennoch dem Konsens der Gelehrten der ersten drei jahrhunderte an, die diesen Apostelschüler für glaubwürdig hielten. Contra Ehrman geht es nicht darum, Papias zu glauben “when it is convenient”, sondern dann, wenn er durch andere bestätigt wird. Das Problem ist, daß wir keine Orginalschriften des Papias mehr haben, sondern nur Zitate aus mehr oder (zumeist) weniger zeitnahen Quellen.

      Die Perikope von der Sünderin ist ein Kronjuwel der Lehre Jesu (und des Barnabasevangeliums), weil er die Steinigung, der auf frischer Tat ertappten Ehebrecherin – entgegen dem Urteil der Schriftgelehrten – verhindert. Ohne das Zeugnis des Papias wäre sie vielleicht nie ins NT aufgenommen worden. Jesus a.s. läßt als erster Gnade vor Recht ergehen, und diese Lehre ist für unsere brutalisierte Welt sehr wichtig und heilsam.

      Vielleicht sollten wahre Christen und wahre Muslime, statt sich gegenseitig zu missionieren, gemeinsam für die ihnen gemeinsamen Werte streiten. Dazu wünsche ich Ihnen Gottes Segen.

      Reply
      1. erik

        ich sage nur mashAllah

        der letzte satz trifft den kern der sache.. ansonsten scheint mir die diskussion hier

        1. auf einem sehr hohen wissenschaftlichen niveau
        (zeitgleich)
        2. vielleicht zu wissenschaftlich

        denn: wer sich nicht auf sein gefühl und herz (auch) verlassen kann.. was hat dieser?

        grüße und frieden

        Reply
  7. Burhanuddin1

    Wie ich an anderer Stelle bereits sagte: Ein dubioses “Barnabasevangelium” zur “heiligen Schrift” zu erklären ist überflüssig wie ein Kropf. Es gibt, Gott sei Dank, genügend aufrichtige Gelehrte und wirklich begnadete Forscher, die sich nicht hinter Pseudonymen verstecken, die Übereinstimmungen in der Christologie zwischen Judenchristentum und Islam aufgrund EINDEUTIG authentischer unzweifelhafter Quellen belegen.

    Hier beispielhaft zwei Zitate von Hans Küng und James Tabor, leider nur auf englisch, aber es gibt die entsprechenden Quellen auch auf deutsch:

    ‘Lines lead from the very first Jewish Christianity to the seventh century, indeed to Islam…The analogies between the Qur’anic picture of Jesus and a Christology with a Jewish-Christian stamp are perplexing. These parallels are irrefutable and call for more intensive historical and systematic reflection.’

    Hans Kung, Islam, Past, Present and Future (2007, One World Publications, pp 37, 44)

    Fr Hans Küng is a professor emeritus of ecumenical theology at the University of Tübingen. He is considered by many a leading intellectual giant of the Roman Catholic Church.

    Recent studies have demonstrated the extraordinary convergence between the historical
    picture of Jesus produced by many biblical scholars and the Jesus of the Qur’an. This
    similarity has not gone unnoticed in two significant recent works by New Testament
    scholars which were published in the last few years. Both celebrate this remarkable
    correspondence.

    Jeffrey J. Butz, is Professor of World Religions at Penn State University
    and an ordained Lutheran Minister. His book is entitled The Brother of Jesus & the Lost
    Teachings of Christianity. I highly recommend this book.

    The other work is by James D Tabor, Professor of Religious Studies at the University of North Carolina. His book The
    Jesus Dynasty (published by HarperElement 2006) is a study of Jesus and the New Testament:

    ‘Muslims do not worship Jesus, who is known as Isa in Arabic, nor do they consider him
    divine, but they do believe that he was a prophet or messenger of God and he is called the
    Messiah in the Qur’an. However, by affirming Jesus as Messiah they are attesting to his
    messianic message, not his mission as a heavenly Christ.

    There are some rather striking connections between the research I have presented in The
    Jesus Dynasty and the traditional beliefs of Islam. The Muslim emphasis on Jesus as
    messianic prophet and teacher is quite parallel to what we find in the Q source, in the book
    of James, and in the Didache. To be the Messiah is to proclaim a message, but it is the
    same message as that proclaimed by Abraham, Moses and all the Prophets.

    Islam insists that neither Jesus nor Muhammad brought a new religion. Both sought to call
    people back to what might be called “Abrahamic faith.” This is precisely what we find
    emphasised in the book of James. Like Islam, the book of James, and the teaching of
    Jesus in Q, emphasise doing the will of God as a demonstration of one’s faith. Also, the
    dietary laws of Islam, as quoted in the Qur’an, echo the teaching of James in Acts 15
    almost word for word: “Abstain from swine flesh, blood, things offered to idols, and
    carrion” (Qur’an 2:172).

    The Christianity we know from the Q source, from the letter of James, from the Didache,
    and some of our other surviving Jewish-Christian sources, represents a version of the
    Jesus faith that can actually unite, rather than divide, Jews, Christians, and Muslims. If
    nothing else, the insights revealed through an understanding of the Jesus dynasty can
    open wide new and fruitful doors of dialogue and understanding among these three great
    traditions that have in the past considered their views of Jesus to be so sharply
    contradictory as to close off discussion.’ (pp. 287-288)

    Reply
    1. Salim Spohr (Post author)

      786 – Es ist im Literaturbetrieb weder besonders ungewöhnlich noch in irgendeiner Weise ehrenrührig, wenn ein Autor unter einem Pseudonym schreibt. Und als Verleger habe ich das zu respektieren. – Der Sache an sich des Dargestellten schadet es nicht, es verhindert eher sogar das Aufkommen von Vorurteilen im Sinne beispielsweise eines argumentum ad verecundiam. Der Leser wird nicht vom Namen beeinflußt, sondern hat nur die Sache selbst vor sich, um die es geht. Aus diesem Grunde werden Preisschriften ja auch ano- oder pseudonym vorgelegt, daß das Gremium nicht durch große Namen beeinflußt wird. – Das Barnabas-Evangelium – ich freue mich sehr darauf, die neue Ausgabe bald in Händen zu halten – wird nach dreißig Jahren unhaltbarer Niedermache durch eine erstklassige Arbeit endlich nicht nur rehabilitiert, sondern in seinem wahren Wert erkennbar. Al-hamdulillâh!

      Ich hatte gehofft, es würde eine Reaktion zur Sache, beispielsweise zur Rolle des Gleichnisses von der Sünderin, geben und nicht bloß ad personam geschwätzt und das abgeschmackte Spiel mit der Berühmtheit betrieben. Die in den Zitaten erwähnten Verbindungen zum Judenchristentum sind natürlich nicht von Küng entdeckt worden. Vor Schoeps gab es schon Tor Andrae in den zwanziger Jahren und wer will kann bis John Tolands Nazarenus (1718) zurückgehen, wo der Begriff mohammedanisches Christentum für das EvB geprägt wurde.

      Eigenartig ist der Vorwurf, das Barnabasevangelium würde spalten.* Aus islamischer Sicht könnte man mit größerem Recht sagen, daß die paulinische Lehre spaltet, denn ohne sie hätten wir (und auch das Judentum) mit den Christen einen breiten Konsens. Frau Schirrmacher hat seinerzeit in “Mit den Waffen des Gegners” (1992) Unterschiede zwischen Barnabasevangelium und NT aufgelistet. Mehr als 90% betrafen die Paulusbriefe. Wer fühlt sich eigentlich durch das Barnabasevangelium angegriffen? Wohl nur christliche Missionare, denen es ihre unrühmlichen Versuche Muslime zu konvertieren erschwert.

      Statt über Personen zu reden, sag doch mal etwas zur Sache, beispielsweise die folgende im Vorwort des Verlages zur Sprache gebrachte:

      “Hatte das Gleichnis von der Sünderin mit dem Satz: „Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde“ in der überkommenen Form biblischer Überlieferung bis heute ein Rätsel hinterlassen – was sollte es bedeuten, daß Jesus da etwas auf den Boden schreibt? –, so erklärt uns das Barnabas-Evangelium (Kap. 201), Jesus habe mit dem Finger einen Spiegel auf dem Boden gemacht, in dem „ein jeder seine eigenen Verfehlungen
      erkannte“. Jetzt erhalten Jesu Finger auf dem Boden und der dann folgende berühmte Satz „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ und damit das ganze Gleichnis erst ihren vollen Sinn. Und es zeigt sich hier beispielhaft, wie das Barnabas-Evangelium nicht nur die kanonischen Texte der Gegenwart, sondern älteste Quellentexte an Genauigkeit und Plausibilität übertrifft, was für die Ursprünglichkeit des Werkes, seine Abstammung aus dem Hebräer-Evangelium und dafür spricht, daß wir es mit einem wahrhaftigen Zeugnis des Lebens Jesu, einem heiligen Text also, zu tun haben. ” (a. a. O., S. 8 f.)

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      1. Burhanuddin1

        Zur Sache 1.
        Codex Etschmiadzin – datiert 989 n. Chr.
        Ferrar Handschriften – datiert 11. bis 15. Jrh.
        Der spekulative Spagat zum “Hebräerevang.” ist wirklich gewagt

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        1. Rimond

          786

          In Codex Bezae (kurz nach 400) gibt es ähnliche Zusätze (d. h. eigentlich Streichungen in “normalen” Handschriften), in denen Jesus zur Gesetzeserfüllung mahnt. Der Konsens der Forschung deutet solche Merkmale als judenchristlich. Warum soll es dann in einer armenischen Handschrift nicht judenchristlich sein, zumal die armenische Tradition vielfach von aramäischen Quellen abhängig ist?

          Bereits Harris führte die Ferrargruppe von Handschriften auf eine verlorene sehr alte Handschrift zurück. Während die PA ins Joh. durch einen Überleitungsvers eingepasst werden muß, überlappt sich der Text von Lk. mit dem Anfang der PA was schon Rendel Harris zu der Annahme führte, dies sei die richtige Stelle. Harris konnte nur noch nicht erklären, wieso ausgerechnet das Lk. die richtige Stelle bereithielt. Inzwischenn ist dies möglich: “Lukas” benutzte das Evangelium der Ebionäer d. h. eine der beiden Versionen des Hebräerevangeliums als Vorlage. Edwards NTS 48 Dez. 2002 S 570).

          Darüberhinaus lassen sich gewisse textuelle Besonderheiten des Lk. als ebionäisch erweisen. (unveröffentlicht).

          [PA = Perikope Adultera, die Geschichte von der Sünderin].

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      2. Burhanuddin1

        Zur Sache 2.
        Ferrar Handschriften: angeblich richtige Stelle im chronologischen Ablauf (Spekulation) – aber falsches Evangelium (Lukas – Fakt) 🙁

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  8. Burhanuddin1

    Cyril Glassé, begnadeter muslimischer Gelehrter: “As regards the “Gospel of Barnabas” itself, there is no question that it is a medieval forgery. … It contains anachronisms which can date only from the Middle Ages and not before, and shows a garbled comprehension of Islamic doctrines, calling the Prophet “the Messiah”, which Islam does not claim for him. Besides its farcical notion of sacred history, stylistically it is a mediocre parody of the Gospels, as the writings of Baha’Allah are of the Koran.

    The Concise Encyclopedia of Islam, Harper & Row, 1989, p. 64

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  9. Burhanuddin1

    Typo im Vorwort, Seite 10

    Lympia (Zypern),
    im Novmber 2014

    Reply
    1. Salim Spohr (Post author)

      Danke für den Hinweis. Der Fehler wurde korrigiert.

      Reply
  10. Burhanuddin1

    Zunächst mal vielen Dank für die Bereitstellung des Materials. “Raimunds Lullus” – wer ist das? Inwiefern ist er ein “begnadeter Forscher” “Spezialisten für die Zeit des frühesten Christentums”? Qualifikationen, Belege?
    Raimundus Lullus – gestorben 1316?

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