Wie «Homophobie» etwas Gutes sein kann

15.09.2008 von Salim Spohr

Der kürzlich von mir auf Islam Press eingestellte Beitrag Warum der Islam nie modern sein kann fand neben mehrheitlicher Zustimmung auch eine freundliche Kritik.

So bringt Big Berta – as-salamu alaikum, Dr. Maryam – unter dem Titel islamische Homophobie als Dauerbrenner die Passage eines Textes von Georg Klauda in Stellung, von dem sie glaubt, er formuliere eine «Gegenposition» zu meinem Islam Press-Beitrag.

DIE VERMEINTLICHE «GEGENPOSITION»

«Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung Homosexueller immer wieder in den Blickpunkt der westlichen Medien, die solche Vorfälle gern als Zeichen kultureller Rückständigkeit interpretieren. Einige Bundesländer schlugen deshalb vor, Muslime im Einbürgerungsverfahren nach ihrer Einstellung zu Homosexuellen zu befragen. Zeigen sich deklassierte Halbstarke aus Migrantenfamilien aggressiv gegenüber Schwulen, werden reflexhaft religiöse Motive unterstellt.

Dabei beschworen Homosexuelle die Kultur des “Orient” noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts als ein tolerantes Gegenbeispiel zu den Jahrhunderten religiöser und säkularer Verfolgung in Europa. Die klassische arabische Liebeslyrik z.B. ist voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des “aufgeklärten” Abendlands vergeblich sucht. Man mag kaum glauben, dass sich die Lebensweise in islamischen Gesellschaften in einer so kurzen Zeitspanne auf so einschneidende Weise geändert haben soll. Doch gerade diejenigen, die mit dem Finger auf die Homophobie der islamischen Welt zeigen, gehen jeder Erklärung dieses Wandels aus dem Weg.

Anhand zahlreicher historischer und aktueller Quellen belegt der Autor, dass die Schwulenverfolgung in Ländern wie Iran und Ägypten weniger das Relikt einer vormodernen Vergangenheit ist. Vielmehr handelt es sich um das Resultat einer gewaltsamen Angleichung an die Denkformen ihrer ehemaligen Kolonialherren, die Homosexuelle im Prozess der Modernisierung erstmals identifiziert, benannt und zum Objekt staatlichen Handelns gemacht haben. Homophobie ist eine Erfindung des christlichen Westens, die im Zuge der Globalisierung in die entlegensten Winkel dieser Welt exportiert wird.»

DIE WIRKLICHE GEGENPOSITION

Nach sorgfältiger Lektüre dieser dem im Männerschwarm-Verlag erschienenen Buch Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt entnommenen Passagen kann ich indes nur sagen: So wenig man Äpfel mit Birnen vergleichen kann, so wenig stellt diese Textpassage von Georg Klauda zu meinem Text eine Gegenposition dar.

Denn daß orientalische Homosexuellenfeindlichkeit, die Klauda da mit einer, wie ich finde, gewissen Unredlichkeit (vgl. unten) unter den Begriff der «Homophobie» subsumiert, möglicherweise ein Produkt des Kolonialismus ist, steht zu meiner Position, daß nämlich der Islam wie alle abrahamitischen Religionen Homosexualität für eine Sünde, ein schlimmes Vergehen gegen die göttliche Ordung hält und ganz klar verbietet, in gar keinem Widerspruch.

War gesagt worden, daß Homosexualität im Islam verboten ist, dann müßte die reklamierte Gegenposition lauten, daß es nicht wahr ist, daß Homosexualität im Islam verboten ist. Das wäre die wirkliche Gegenposition. Die aber ist unhaltbar weil sachlich falsch. Wer das bezweifelt, kann im folgenden Klarheit finden:

HOMOSEXUALITÄT WIRD VON DEN ABRAHAMITISCHEN RELIGIONEN ALS EIN GREUEL BETRACHTET

Wie in Nuh Ha Mim Kellers «Reliance of the Traveller. A Classic Manual of Islamic Sacred Law» (p. 664) nachzulesen ist , «erzählt uns Allah subhanahu wa taala an mehr als einer Stelle im Heiligen Koran die Geschichte der Leute Lots und wie Er sie wegen ihrer verderbten Praxis vernichtet hat. Es besteht Übereinstimmung unter Muslimen und den Gläubigen in allen anderen Religionen, daß Homosexualität (sodomy) eine Ungeheuerlichkeit (enormity) ist und sogar abscheulicher und schmutziger als der Ehebruch.» Im heiligen Koran heißt es zum Beispiel: «Wie könnt ihr denn zu den Männern unter den Weltbewohnern gehen und vernachlässigen, was euch euer Herr an Gattinnnen geschaffen hat! Doch ihr seid Leute, die Übertretungen begehen.» (26:165 f.) Und der Prophet, der Friede sei auf ihm, hat gesagt: «Tötet den, der eine homosexuelle Handlung ausübt, und den, der sie an sich geschehen läßt!» und «Möge Allah den bestrafen, der tut, was Lots Volk tat!»

Entsprechendes findet sich auch im Alten Testament, beispielsweise bei Moses, der Friede sei auf ihm, wo es heißt: «Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Greuel ist, und sollen beide des Todes sterben. Blutschuld lastet auf ihnen.» (3. Buch Mose, 20, 13)

KEIN RECHT OHNE BARMHERZIGKEIT

Man könnte einwenden, das Alte Testament sei ja nicht das Neue Testament, und Jesus – der Friede sei auf ihm – vertrete die Liebe und die Vergebung der Sünden, wie auch Sayyidina Muhammad, der Prophet der Barmherzigkeit – Segen und Frieden sende Allah auf ihn und seine Leute – immer wieder unter Tränen bei Allah um Vergebung für seine Gemeinde gebetet und deutlich gezeigt hat, daß ihm die Vergebung der Sünden das Wichtigste ist.

Grundsätzlich gilt, daß es ohne Barmherzigkeit keine Gerechtigkeit und kein Recht geben kann. Sehr beeindruckend finde ich, wie unser Prophet, der Friede sei auf ihm, eine Ehebrecherin, die bereut hat und durch Steinigung hat bestraft werden wollen, wie er die vertröstet und vertröstet – erst müsse sie das Kind zur Welt bringen, dann dem Kind eine Mustter sein usw. – und schließlich dazu bringt, zu akzeptieren, daß ihre Sünde schon längst verziehen worden ist.

WIE SOLLTE VERZIEHEN WERDEN KÖNNEN, WAS NICHT EINMAL BEREUT WIRD

Die sogenannten Had-Strafen wie die Steinigung führen unter Europäern stereotyp zur Ablehnung der gesamten Scharia, ohne daß ihnen klar geworden wäre, daß es eine wichtige Aufgabe dieser Gesetzgebung ist, den öffentlichen Raum vor solchen Verstößen zu schützen. So hat es in den vielen Jahren des Bestehens des Osmanischen Reiches bei seiner riesigen Ausdehnung insgesamt nur eine wundersam geringe Handvoll solcher Steinigungs-Urteile wegen Ehebruchs gegeben. Abgesehen davon, daß der Nachweis des Ehebruchs – da müßten schon viere unter die Decke gegriffen haben – so gut wie nicht zu führen ist, zeigt sich hier einmal mehr, daß die Hauptaufgabe dieser Gesetzgebung ist, durch drakonische Strafandrohung den öffentlichen Raum zu schützen. Was hinter den Mauern im Privaten bleibt, scheint dem Zugriff des Rechts mehr oder weniger entzogen. Es stellt sich dann nur noch die Frage des Moralischen.

Wie für alles, was als Verstoß gegen die Moral betrachtet werden kann, so gilt auch für so verstandene Homosexualität, daß das, was als Verstoß gegen die himmlische Ordnung gesehen wird, schon aus logischen Gründen allerdings gar nicht verziehen werden kann, wenn es nicht bereut, ja gar nicht als Sünde eingesehen, sondern im Gegenteil als erstrebenswerter Lebensstil gar propagiert, für ihn öffentlich geworben wird. Und das ist ein wichtiger Punkt.

GAY-MOSLEMS?

In seinem DML Rundbrief für Mitglieder und Freunde der Deutschen Muslim-Liga e.V., Hamburg, Nummer 02/98 wirf Scheich Abdullah Borek einen bestechend klaren Blick auf das Problem:

«Da hing doch kürzlich am Schwarzen Brett des Schwulenreferats der ASTA der Universität Hamburg ein Aushang, der über eine private Initiative die Gründung einer Gruppe “Moslems & Schwul” beziehungsweise “Gay-Moslems” vorschlug. Wenn das so weitergeht, dann können wir damit rechnen, daß demnächst ein Stammtisch für Muslime eingerichtet wird, wo man sich regelmäßig zum Verzehr von Schweinshaxen und Bier trifft!

Spaß beiseite, die Position des Islam wie auch der beiden anderen abrahamitischen Religionen zur Homosexualität ist klar: Sie widerspricht deren Moralvorstellungen. Die islamische Haltung ist aber im Gegensatz zur Praxis von Juden und Christen konsequent; es wird also niemals zu homosexuellen “Trauungen” kommen. Wenn wir die Gebote und Verbote GOTTES ernst nehmen wollen, können wir Muslime in unserer konsequenten Haltung keine Konzessionen machen. Hinweise auf sogenannte Menschenrechte (in diesem spezifischen Zusammenhang) gehen ins Leere. Wir wissen, daß Homosexuelle im Dritten Reich verfolgt wurden, aber das darf uns nicht zu geheucheltem “Wohlverhalten” verführen, nur um uns nicht einer Medienschelte oder gar Bezichtigungen der “Unmenschlichkeit” auszusetzen.

Schweigen sollten wir Muslime auf keinen Fall. Da die Position des Islam zur Homosexualität aufgrund koranischer Aussagen völlig klar ist, besteht keinerlei Anlaß dazu. Wer eine abweichende Auffassung propagiert, stellt klare koranische Aussagen infrage. Da der Koran GOTTES Offenbarung ist, kommt dies der Leugnung eines tragenden Elementes des islamischen Glaubens gleich und ist somit kufr, das heißt Unglaube.

Der Mensch ist von Natur aus heterosexuell, und eine andere geschlechtliche Orientierung stellt eine Abweichung von der Norm dar. Die Ehe gilt im Islam zwar nicht als “Sakrament”, aber als einzig legitimer Ort für die Entfaltung der Geschlechtlichkeit, zumal die Geschlechtlichkeit oder der Geschlechtstrieb auf die Erzielung von Nachkommenschaft und auf die Beherrschung dieses Triebes durch Lusterfüllung abgestellt ist. Wie auch in anderen Bereichen lehnt der Islam die Vergötterung des sich auf Kosten der Gemeinschaft grenzenlos selbstverwirklichenden Individuums ab. Alle Handlungen und Verhaltensweisen, die die Gemeinschaft direkt oder indirekt betreffen, sind nun mal keine Privatangelegenheit, sondern sind Sache der Gesellschaft und verlangen einen gewissen Konformismus, damit die Gesellschaft funktionieren kann. Letztlich ist auch das menschliche Individuum ein “Gesellschaftstier” und kann nicht allein und für sich existieren.

Ein “coming out” von Homosexuellen ist für eine islamische Gesellschaft nicht tragbar. Zwar ist nicht zu leugnen, daß es homosexuell veranlagte Menschen gibt, aber es geht eben darum, wie man damit umgeht. Schließlich zwingt niemand die Menschen ihre Homosexualitaet an die grosse Glocke zu hängen und damit auf die Straße zu gehen. Die immer wieder öffentlich auftretenden “Repräsentanten” der Homosexuellen polarisieren dieses gesellschaftliche Problem, indem sie für ihren “Lebensstil” einen normativen Charakter in Anspruch nehmen und dafür Rechte mit Verfassungsrang einfordern. Es kommt ihnen dabei nicht in den Sinn, daß sie damit die Toleranzfähigkeit der Gesellschaft überfordern.»

Und dies ist genau der Punkt. Daß eine Minderheit etwas nicht bloß praktiziert, das von großen Teilen der Gesellschaft als sündhaft oder der menschlichen Natur zuwiderlaufend abgelehnt wird, sondern damit sogar noch an die Öffentlichkeit geht und verlangt, daß es allgemein für gut gehalten wird, das geht ein gutes Stück zu weit. Denen, die so etwas als Verletzung ihres Schamgefühls erleben, wird noch eingeredet, sie seien nicht normal oder tolerant.

«HOMOPHOBIE», EIN SCHWUCHTELIGER WERBETRICK

Hatte schon bigberta ihren Autor Georg Klauda mit dem «Finger auf die Homophobie der islamischen Welt zeigen» lassen (siehe oben), so scheint dieses neue Wort so etwas wie ein Eckstein und Angelpunkt aktueller Propaganda der Interessensvertretungen Homosexueller zu sein. Dies zeigt sich auch daran, daß der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V für den „Tag der Offenen Moschee“ am 3. Oktober Lesben und Schwule dazu aufruft, «gemeinsam in die Berliner Sehitlik-Moschee zu gehen und dort den Dialog zum Thema Homophobie zu suchen.» Ziel sei es, mit Vertretern von DITIB, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, darüber ins Gespräch zu kommen, «wie man in Zukunft gemeinsam gegen Homophobie vorgehen» könne.

«Homophobie», so die berechtigte Frage, was ist denn das? – Bedeuten das griechische «homoios» so viel wie «gleich», «gleichartig», «ähnlich» und «phobos» u. a. «Flucht», «Furcht», «Schrecken», so bedeutet «Homophobie» Furcht vor dem Gleichen. Aber, so frage ich, wo gibt es einen Menschen auf der Welt, der Angst vor dem Gleichen, der Gleichung «1+2=3» beispielsweise hat? – Wer sollte vor so etwas wie einer Gleichung oder Gleichem Angst haben oder vor so etwas wie der binomischen Formel auf der Flucht sein? Der Punkt ist, diese Leute wollen, daß man mit diesem Wort nicht das meint, was es seinem sprachlichen Eigensinn nach bedeutet, sondern etwas anderes: «Homo…» soll nämlich wohl als Abkürzung für «Homosexualität» genommen und, mit «…phobie» zu «Homophobie» verbunden, «Furcht vor Homosexualität» bedeuten.

WIE «HOMOPHOBIE» ETWAS GUTES SEIN KANN

Jetzt ruft der Landesverband also die Schwulen auf, in die DITB Mosche zu gehen, um dort den Dialog zum Thema «Furcht vor Homosexualität» zu suchen und mit Muslimen darüber ins Gespräch zu kommen, wie man in Zukunft gemeinsam dagegen vorgehen könne.

Ich halte diesen Aufruf gleich in mehrfacher Hinsicht für infam. Denn zum einen setzen sie voraus, daß die Ablehnung des Schwulen oder ihre Verfolgung an sich selbst nurmehr Ausdruck einer Furcht vor dem Gleichgeschlechtlichen sei, die es («gemeinsam») zu überwinden gelte. Dabei wird stillschweigend vorausgesetzt, daß man Homosexualität nicht ablehnen könnte, ohne sie zu fürchten. Das ist ja gar nicht wahr, sondern ein Trick.

Zum anderen sollte man einmal klar sehen, daß die Furcht davor, in die Gefahr zu geraten, gegen das Göttliche Gesetz zu verstoßen, überhaupt nichts Schlechtes, sondern etwas Gutes ist.

Dabei gehen sie in dreistester Form darüber hinweg, daß diese verharmlosend «Gleichheit» genannte gleichgeschlechtliche Sexualpraktik vor Gott und in der Moral der Menschen im Abend- und im Morgenland ein Greuel ist, wie Sayyidina Moses – der Friede auf ihm – sich ausgedrückt hatte. Es ist ein unverschämter Trick, die auf Göttlichem Gesetz und guter Sitte und Anstand beruhende und vollkommen berechtigte Ablehnung des als sündhaft Empfundenen nun selbst als etwas erscheinen zu lassen, das nicht in Ordnung, krankhaft ist und nur als ein Ausdruck von Feigheit oder Furcht gesehen werden kann, die es zu überwinden gelte.

Homosexualität kann als eine Art Vergötterung des Eigenen, des Egos, des nafs, der Triebseele betrachtet werden, die als Verteter Shaitâns im Menschen gilt. Und der Prophet – der Friede sei auf ihm – hat immer gebetet, daß Allah ihn nicht in der Hand seines Egos lassen möchte. Daß man vor Verbotenem zurückscheut und den Gefahren ausweicht, ist nur richtig und natürlich. So gesehen wäre «Homophobie» gerade etwa Richtiges und Wichtiges. In einer Variante könnte und wird wohl auch gemeint sein, man lehne Homosexualität deshalb heftig ab, weil man Angst hätte, seiner eigenen entsprechenden Neigungen gewahr zu werden bzw. sie auszuleben. Und auch diese Angst könnte also völlig berechtigt sein. Auch so verstanden wäre es nur gut, ihr zu folgen.

Und es kann gut sein, daß der Hodscha der DITIB-Moschee in Berlin seinen Besuchern, die mit ihm am 3. Oktober darüber diskutieren wollen, wie man «gemeinsam gegen Homophobie» angehe, definitiv erklären wird: «Bismillâhi r-rahmâni r-rahîm: Wie soll ich mit Ihnen gegen etwas angehen können wollen, das Muslime als richtig und fruchtbar ansehen müssen, sich von jenem, was sie als gravierenden Verstoß gegen die Göttliche Ordnung ansehen, nämlich in Furcht fernzuhalten.»

NÄHERN WIR UNS DEM ZUSTANDE DES VOLKES VON LOT?

Homosexualität kann mit Bezug auf die genannten Stellen von Christen und Muslimen zu Recht als eine schwere Sünde betrachtet und subjektiv auch als Verstoß gegen die göttliche Ordnung empfunden werden, der das persönliche Schamgefühl massiv verletzt. Daran ändert es auch nichts, daß manche dafür Verständnis zeigen. Und manche mögen glauben, es sei alles irgendwie erlaubt. Das ist der Wahn der Moderne, zu glauben, alles sei erlaubt. Hier kann nur gesagt werden: Es gibt Dinge, die verboten sind.

Das göttliche Gesetz, die Sharia, erklärt es zum Verbrechen. Wir sind nicht aufgerufen, darüber zu diskutieren, welche Meinung wir dazu hätten und ob Leute, die so etwas tun, einfach nur krank sind – hier gelte die kantische Einsicht, daß wir immerhin das können müssen (“du kannst, weil du sollst!”), was wir sollen – oder nicht, sondern nur, ob wir bereit sind, das Gesetz zu respektieren oder nicht. Es ist nicht der Fall, was einige, die für alles Verständnis haben, uns glauben machen wollen, daß nämlich alles erlaubt sei. Nein.

Homosexualität könnte, einmal näher besehen, als eine im Namen exzeßhafter Übersteigerung des Egos geschehende Art selbstvergötternden Entleerung seiner selbst von allem Guten betrachtet werden, das unser Schöpfer in uns gelegt hat, und als ein permanent geschehender und zunehmend selbstbewußter auftrumpfender Verstoß gegen heiliges Recht, der diesem Recht gemäß eines Tages auch bestraft werden könnte. Daß unsere neue Gesetzgebung das anders sieht, könnte man für einen Skandal, eine riesengroße Dummheit und ein Zeichen dafür halten, daß die menschliche Gesellschaft sich ihrem Ende nähert wie einst das Volk von Lot.

Es kann doch nicht wahr sein, daß sich eine Mehrheit von einer Minderheit, die sie als verdreht und gegen Grundregeln des Zusammenlebens verstoßend betrachtet, einreden läßt, das von ihr als Übel Empfundene wäre etwas Gutes und man hätte zumindest die Vepflichtung, das als Verstoß gegen die guten Sitten Angesehene zu tolerieren. Wenn so etwas im stillen Kämmerlein geschieht, sollte das eine Sache für sich sein. Und es mag in gewissen Grenzen jeder machen können, was er will. Wir sind nicht Richter und nicht Kläger. Wenn man uns aber zwingen will, etwas, das wir als abstoßend und ekelhaft und als ein Sakrileg empfinden, als supertoll zu preisen, ist das Maß bei weitem wirklich überschritten.

ISLAM IST NICHT MODERN, PROGRESSIV, LINKS, GRÜN, ROT ODER ROSA

Wir sollten uns, liebe Big Berta, davor hüten, es zu unserem Lebensstil zu machen, alles und jedes vor allem deshalb zu tolerieren oder gar zu fördern, weil es gegen den Mainstream und rechte Anfeindung des Islam und der Muslime gerichtet ist. Ein solches Freund-Feind-Denken – es ist ja nicht wahr, daß der Feind meines Feindes unbedingt mein Freund sein muß – würde der Vielfalt und Differenziertheit des wirklichen Geschehens nicht gerecht.

So verführerisch es für einen mainstreamkritisch eingestellten Muslim wäre, sich mit jedem `modern´ oder `progressiv´ oder `links´ oder `grün´ oder `rot´ oder `rosa´ auftretenden Anti-Mainstreamler zu verbrüdern und sich den Islam eben als modern oder progressiv und links und grün und rot und rosa vorzustellen oder zu wünschen, so wichtig ist es, sich klarzumachen, daß das nicht gutgehen kann. Aber nicht weil der Islam unmodern oder unprogressiv usw. wäre, sondern weil er, wie schon an anderer Stelle ausgeführt, als höchst ehrenwertes Geschenk des Herrn der Universen diesem Schema nicht unterworfen ist.

Im übrigen scheint der Anti-Mainstream in der akuten Gefahr zu schweben, eine neue Art von Mainstream niederer Ordnung auszubilden, der auf seine Art ebenso rechthaberisch auftritt wie der erste.

Wir sollten uns bescheiden. Was wissen wir denn wirklich vom Lauf der Welt! Was wissen wir denn von seinen und unseren Zwecken! Wir Muslime sind aufgerufen, zu hören und zu gehorchen, weil wir Diener unseres Herrn sind. Jeder Tag ist neu. Allah macht keine Photokopien. Es kann noch Überraschungen geben. Statt sich mit Begeisterung in den Tagesstreit der Meinungen und Aktionen zu stürzen, wäre es sicher besser, sich die letzten zehn Tage des Ramadan ins Ittikaf – eine Art Klausur – zurückzuziehen und den spirituellen Fortschritt zu suchen. Wenn uns klar wird, daß wir nur für kurze Zeit auf diesem Planeten sind, werden wir bereit sein, uns um wichtigeres als irgendwelche Schwulenaktionen zu bekümmern. Alle Propheten haben die Welt verachtet und in ihrem Herzen nur Platz für den Herrn der Welten gehabt. Und der spricht zu uns: «O Mein Diener, Ich habe die Welt für dich gemacht, daß sie dich erquickt und dir dient, dich aber habe ich für Mich gemacht!»

QUELLEN

Warum der Islam nie modern sein kann

islamische Homophobie als Dauerbrenner





Kommentare

  1. chromaticSeptember 16, 2008 @ 11:47 AM

    Sehr geehrter Herr Spohr,

    ihre im Artikel vertreteten Auffassungen respektiere ich in vollem Umfang. Das Grundgesetz ist mir immer Leitlinie und deshalb dürfen sie auch ihre Meinung äussern und vertreten.

    Der Punkt, wo ich ihnen aber entschieden entgegentreten muss, ist ihre Verteidigung der Scharia. Seit der Staatsgründung der Türkei 1923 durch Kemal Atatürk ist diese ein säkularer Staat. Die Religionsausübung ist nichts weiter als private Angelegenheit. Dass eine vernünftige öffentliche Ordnung eingehalten werden muss, ist unbestritten. Jedoch unterliegt die Ansicht, welches Verhalten in der Öffentlichkeit zu tolerieren ist dem Wandel der Gesellschaft. Moderne Frauen zeigen sich in Istanbul wie es in anderen Teilen des Landes als unschicklich gilt, ganz zu schweigen von den Sitten in arabischen Staaten.
    In arabischen Staaten und auch in der Türkei sind körperbetonter Umgang zwischen Freunden oft zeichen der Freundschaft, die umgekehrt in westlichen Ländern völlig misinterpretiert werden.

    Beide Religionen, der Islam wie das Christentum nehmen sich in der Verfolgung unerwünschten Verhalten nichts und schrecken weder vor unterdrück, noch vor Mord zurück.

    Eine aufgeklärte Gesellschaft darf das nicht mehr zulassen, denn die Würde des Menschen ist unantastbar. Wer von seiner religiösen Überzeugung her nun glaubt, sich moralisch entrüsten zu müssen, kann dies im privaten Bereich tun. In der Öffentlichkeit aber würde das eben gerade die viel beschworene Ordnung stören.

    Auch wenn sie glauben, dass der Mensch von Natur aus nur heterosexuell ausgerichtet sei ist das ihre Privatansicht und wird durch ebenso viele andere Untersuchungen widerlegt.
    die Verdammung des homosexuellen Verhaltens entspringt dem Gedanken des Machterhalts der familien und Dynastien, da ja nur durch Einheirat und Erbfolger die Machtfülle angereichert und gesichert werden konnte. Da sind sich wieder der Islam und das Christentum recht ähnlich.

    Ich glaube auch an die Unsterblichkeit der Seele und fühle aber die Verantwortung auch im Irdischen den Menschen kein Leid zufügen zu dürfen.

    Wenn sie nicht sehen, dass ein Grossteil der islamischen Lyrik auch durch mann-männliche Erotik geprägt ist, oder sie das für falsch halten, dürfen sie das gerne glauben, aber daraus eben keine allgemein gültigen Verhaltensregeln ableiten.

    die Menschheit wird sich nicht weiterentwickeln, wenn wir uns weiter unsere Verschiedenheit vorwerfen. Sondern wir müssen lernen, die Unterschiedlichkeit der Menschen nicht nur zu tolerieren, sondern zu akzeptieren. Andere Verhaltensweisen schüren nur Unfriede und führen letzlich wieder zu Krieg und Elend.
    Und dass in westlichen Ländern, die sogenannten Schwulen sogar Paraden wie CSD´s abhalten, mag viele irritieren, aber dies ist eben auch eine Reaktion auf die reaktionäre Haltung des Staates, der sich früher und leider auch heute noch in den persönlichen Bereich der menschen einmischt.

    Vielleicht sind sie auch nicht wirklich informiert, in wie grossem Maße gerade auch in islamischen Staaten homosexuelles Verhalten tatsächlich vorkommt. Auf Grund des Verbotes geschieht dies dann eher im Verborgenen. Doch seien sie versichert, dass auch in der westlichen Hemisphäre derartige Begegnungen auch fast immer im Verborgenen statt finden.

    zur Frage des Ekels, denn sie sagten ja, dass ihnen alleien der Gedanke an 2 Männer ekelerregend vorkommt, möchte ich abschliessend anmerken, dass mir der anblick von zwei sich küssenden Männern erheblich weniger Ekel verursacht als der Anblick von Männern, die sich erschiessen.
    Meine Aufgabe sehe ich darin Brücken zu bauen. Bei ihnen bin ich mir noch nicht sicher, ob sie nicht neue gräben ziehen wollen.

    Mit Besten Grüssen

    chromatic

  2. Klaus HeckSeptember 16, 2008 @ 03:04 PM

    Ein ausgezeichneter Artikel! Ich bin begeistert und schreibe schon wieder einen Kommentar, obwohl ich hier ja als Heide und Matriarchatsanhänger eigentlich nicht hingehöre. Ich bitte auch dringend darum, mich (freundlich bitte) aufzufordern, meine Kommentare hier einzustellen, falls sie nicht erwünscht sind.

    Ich möchte ein paar Ergänzungen machen:
    Der Jude Paul Goodman gilt als Vorkämpfer der Schwulenbewegung. Er war Begründer der Gestalttherapie. Aber er ist in der heutigen Schwulenbewegung in Ungnade gefallen, da er (selbst bisexuell) verlangt hat, dass sich Schwule gefälligst behandeln lassen müssten, da dies nicht natürlich sei, sich der Frau zu verweigern.
    Ein anderer bekannter Schwulenbekenner, Michael Foucault, hat sich ähnlich wie Du geäußert: er kritisiert sehr stark eine Schwulenbewegung, die sich an der “egoistischen” Begierde festmacht. Er leugnet, dass man der “Stimme seines Herzens” folgen dürfe, da diese nur die falsche kranke Stimme des verkümmerten Menschen im Westen darstellt. Er sagt dagegen (was vom Islam SO nicht geteilt werden kann): Mann soll “schwul” werden, jeder Mann und meint natürlich wiederum, wie Paul Goodman nicht, dass alle Männer nun keine Frauen mehr lieben sollen. FÜR MICH heisst seine Forderung: liebe Westmänner, legt ihr eure Schwulenphopie ab und eure Laster, werdet eher so wie Männer im Orient. ICH unterscheide also Homosexualität und Homoerotik. Unter letzterer verstehe ich die Fähigkeit, Liebe und Nähe und herzliche Gefühle auch zwischen Männern zu erlernen.
    Hier fehlt in UNSERER Mainstreamgesellschaft jeder Zugang. Das zeigt sich auch sehr eindrucksvoll an der Hetze gegen die s.g. Kinderhochzeiten, wie z.B. hier:

    http://kheck.info/archives/114

    Ich (als Heide wohlgemerkt) sehe überhaupt kein Problem in der Erotik zwischen Männern und zwischen Erwachsenen und Kindern. Kommt es aber zum Sex, so ist dies m.M.n. oft nicht, weil zu viel Erotik gelebt wird, sondern im Gegenteil: zu wenig!
    Die Meisten bei uns können sich überhaupt nicht vorstellen, dass es möglich ist zu lieben, zärtlich zu sein, tief zu empfinden OHNE den Anderen als Gier-Objekt zu missbrauchen. Solcher Sex, wie er kunstlos und traurig wohl an der Tagesordnung ist, stellt immer, auch zwischen heterosexuellen Erwachsenen einen Missbrauch dar.
    Ich habe die Nähe, von der ich spreche, zum ersten Mal bei einem muslimischen Familienoberhaupt kennen gelernt, in dessen Familie ich eingeladen war. Er setzte sich immer dicht neben mich, fasste mich an, nahm mich beim Einkaufen an die Hand. DABEI unangenehme Gefühle zu haben, würde ich allerdings heute “Homophobie” nennen und damals WAR ich “homophob”. Ich habe also ausgerechnet von einem traditionellen muslimischen Mann gelernt, meine “Homophobie” zu erkennen und zu überwinden.
    Noch ein Wort vielleicht zu meiner Religion: Sie ist am weitesten entfernt vom Atheismus, dann vom herrschenden Christentum. Näher ist ihr schon das Judentum und am nahesten der Islam. Das klingt vielleicht verrückt. Aber – auch das habe ich in der ersten muslimischen Familie gelernt, die ich näher kennen gelernt hatte: das Patriarchat ist am stärksten ausgeprägt in der heutigen westlich atheistischen Gesellschaft. Die Frau, die Mutter, die Schwester: in traditionell orientalischen Familien hat sie viel mehr Wertschätzung UND Macht. Heute ist die alleinerziehende “Mutter” immer mehr vorherrschend, die ihr Kind in die Krippe gibt und sich selbstverwirklichen MUSS. DAS ist Frauenverachtung und der letzte Schrei: Gender Mainstreaming zielt ja gar offen auf die VERNICHTUNG der Frau als Frau.

    Jedenfalls noch mal: der Artikel ist das beste, was ich seit langem zum Thema gelesen habe.

  3. Rudolf Reshad SteinmetzSeptember 17, 2008 @ 02:34 AM

    Die Homoerotisierung ist eine Vernichtung der Freiheit. Denn die so oft beschworene Freiheit des aufgeklärten, modernen Menschen (welcher im Abendland erfunden, nunmehr zum globalen Standard mutiert) führt in ihrer fundamentalen Bindungslosigkeit zur Vernichtung derselbigen. Denn Freiheit setzt Wahlmöglichkeit voraus, und deren Grundbedingung ist eine Spannung zwischen zwei Polen. In der homoerotischen Beziehung verschwindet diese Polarität zwischen Mann und Frau, und damit auch der natürliche Wachstumsimpuls für die personale Entwicklung. Weil nun aber diese Homo-Erotisierung – ebenso wie die Entblössung des weiblichen Körpers – vor allem in den Großstädten geradezu als Ausweis der Moderne gilt, in deren Arealen traditionelle Einstellungen als rückständig gebrandmarkt werden, nimmt es – wie alle Projekte der Moderne – einen totalitären Charakter an, um letztendlich die Kontrolle über Sexualität, Zeugung und Geburt einer staatlichen Qualitätskontrolle zu unterwerfen. Die dazu nötigen Einzelprojekte sind weit gediehen: künstliche Befruchtung, Präimplantationsdiagnostik, Samenbanken bis hin zur künstlichen Gebärmutter (www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/bericht-7653.html). Auf der sozialen Ebene wird dies befördert u.a. durch Kindergrippen, zunehmende Frauenberufstätigkeit (lesenswert: www.sankt-ulrichverlag.
    de/index.php/buecher/titel_von_a_bis_z/d/dein_kind_will_dich) sowie Männerarbeitslosigkeit nebst einer chronische Krise der Männlichkeit.

  4. Klaus HeckSeptember 17, 2008 @ 06:27 AM

    @ Chromatic

    Genau genommen ist jedenfalls in Deutschland die Religions"freiheit" eine auf christlich/jüdischer “Aufklärung” beruhende Freiheit: die Trennung von Religion und Staat ist nicht einfach nur “Fortschritt”, sondern eigentlich Aussage einer christlichen “Scharia”. Sie legt historisch christliche Regeln fest, nach denen andere Religionen dann “frei” ausgeübt werden dürfen. Mit Islam (und vielen anderen heidnischen Religionen auch) ist diese Trennung nicht vereinbar. Nimmt man die Scharia aus dem Koran heraus, hat man keinen Koran mehr, was übrig bliebe, wäre ein Lifestyle-Angebot mehr aus dem Supermarkt der Esoterik-Spielereien. Der Unterschied in der Argumentation zur islamischen Scharia ist der, dass mit “Aufklärung” und “Menschenrechten” als westlicher Scharia unterstellt wird, dass hier KEINE Religion, sondern universal gültige Wahrheit vermittelt wird. Im Islam wird zwar auch universal gültige Wahrheit behauptet, aber immerhin wird diese immer auf Religion zurückgebunden und die Scharia kennt wenigstens Regeln für den Umgang mit Menschen und Gruppen, die die universale Wahrheit des Islam nicht teilen können/wollen. Die westliche “Scharia” dagegen tut einfah so, als ob ihr fremde Auffassungen schlicht überholt, nicht mehr modern, falsch wären. Da ist mir die Scharia lieber, als diese Aufklärung mit ihrer falschen Toleranzrhetorik.

  5. Klaus HeckSeptember 17, 2008 @ 08:07 AM

    Im Linkvon Herrn Steinmetz fehlt ein Bindestrich, richtig ist er:
    http://www.sankt-ulrich-verlag.de/index.php/buecher/titel_von_a_bis_z/d/dein_kind_will_dich

    Ich verstehe unter Erotik etwas anderes als Sex. Selbst das Pellen einer Orange kann erotisch sein. Ich habe keine Angst eine Orange anzufassen, aber einen Mann? Das wäre dann was ich als Homophobie bezeichnen würde.

    Was Arbeitslosigkeit, Krippen usw. angeht stimme ich voll zu.

  6. Rudolf Reshad SteinmSeptember 20, 2008 @ 08:48 PM

    Hat man da noch Worte:
    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat an die bosnischen Behörden appelliert für einen reibungslosen Ablauf der ersten Gay-Pride-Veranstaltung in Sarajewo zu sorgen, die vom 24. bis zum 27. September stattfindet. Zuvor war es zu heftigen seitens der Muslime zu heftigen Protesten gekommen.
    www.queer.de/drucken.php?article_id=9362

    Der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck fordert die muslimischen Verbände in Deutschland auf, sich offensiv gegen Homophobie (Diskriminierung von Homos) auszusprechen.
    www.queer.de/drucken.php?article_id=9359

  7. lysisSeptember 20, 2008 @ 10:57 PM

    Lieber Salim S.,

    dass die islamische Rechtswissenschaft Analverkehr erlaube, habe ich nun tatsächlich nie behauptet. Allerdings ging sie, anders als Sie, nicht davon aus, dass gleichgeschlechtliches Begehren deshalb “unnatürlich” sei. Ein vielzitierter Hadith schreibt sogar Mohammed zu, dass er einen Jüngling beim Beten hinter sich platzierte, um nicht von seiner Schönheit in Versuchung geführt zu werden.

    Der bekannte Sufi Abd al-Ghani al-Nabalusi berief sich um 1700 zur Rechtfertigung seiner Liebe zu jungen Männern ebenfalls auf den Propheten, “der es zum Teil seiner Tradition machte, die Anmut zu lieben, und es erlaubte, Schönheit zu gewahren, so dass dies zum Bestandteil moralischer Vortrefflichkeit wurde”. Mohammed selbst habe mehreren jungen Gefährten, etwa dem mit 18 zum Islam konvertierten und wegen seiner Schönheit bekannten Mu’adh ibn Dschabal, seine Liebe gestanden. Wer aber diejenigen kritisiere, so al-Nabalusi, die dem Leitbild Mohammeds folgten, sei ein Ungläubiger (kuffar).

    Imam al-Schafi’i, der Begründer der schafi’itischen Rechtsschule, gehörte zu den vielen frommen Juristen, die gleichgeschlechtliche Liebesgedichte verfassten und öffentlich rezitierten. Eines davon lautet:

    “Haltet jene Gazelle (arab. männl.) verantwortlich für den Verlust meines Lebens, / Denn er erschoss mich mit den Pfeilen seiner Augen und mit Absicht. / Aber tötet ihn nicht, denn ich bin sein Sklave, / Und gemäß meiner Schule wird ein freier Mann nicht hingerichtet wegen (Tötung) eines Sklaven!”

    Imam al-Schafi’i konnte nicht ahnen, dass ein Konvertit wie Sie die Selbstverständlichkeit, sich in Personen des gleichen Geschlechts zu verlieben und dies auch öffentlich zu bekunden, ein Jahrtausend später unter missbräuchlicher Berufung auf seine Tradition als etwas Schlechtes, Unnatürliches, ja sogar Unislamisches darstellen würde. Er hätte sich dagegen sicher gewehrt.

    Ähnlich der ultraorthodoxe hanbalitische Jurist Ibn al-Dschauzi, der im 12. Jahrhundert u.Z. schrieb: “Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet [wenn er schöne junge Männer sieht], ist ein Lügner, und wenn wir ihm glauben könnten, wäre er ein Tier, nicht ein menschliches Wesen.”

    So argumentierte die klassische islamische Rechtswissenschaft. Es ist offenkundig, dass Sie völlig anders vorgehen, wenn Sie mit den christlichen Begriffen von “natürlich” und “widernatürlich” hantieren, die der islamischen Tradition völlig fremd sind. Sie importieren Ihre moderne, westlich geprägte Homophobie in den Islam, um sie auf diese Weise religiös zu legitimieren. Das ist meine These, mehr nicht.

    Dafür, Herr Spohr, hätte al-Schafi’i Sie des Missbrauchs der Schari’a gezeiht, al-Dschauzi hätte Sie öffentlich als Lügner gebrandmarkt, und al-Nabalusi hätte Sie sogar des Unglaubens (kufr) angeklagt.

    Wie können Sie, Herr Spohr, sich hinstellen und so tun, als ob Sie mit Ihrer Homophobie aus der “authentischen” Tradition des Islam sprächen und liberale Muslime nicht? Wer sind Sie denn, dass Sie glauben, anderen Muslimen vorschreiben zu können, wie sie den Koran auszulegen hätten? Wir leben hier nicht in Saudiarabien, und jeder Muslim kann seine eigenen Schlüsse aus der Religion ziehen, ohne auf Ihre falschen Ratschläge angewiesen zu sein.

    Mit freundlichen Grüßen
    Georg K.

    —————————————————————————————————

    Direkte Kommentierung von Salim

    Sie outen sich, Herr Lysis, nun als der Autor jenes Buches, das Big Berta auf Duckhome zum Thema gemacht hatte. Also, Herr Klauda, das ist ja erfreulich, daß Sie jetzt mit richtigem Namen ansprechbar sind und sich nicht hinter einem Pseudo- Krypto- oder Homo-Nym (kleiner Scherz am Rande) verstecken.

    Zur Logik der Widerlegung

    Da Sie Ihr Pamphletchen, das mich so erschrecken soll, gleich an drei Stellen gepostet haben, hatte ich gezögert, die vorwiegend islamische Leserschaft von Islam Press mit Ihren verstiegenen und beleidigenden Deutungen zu belästigen, zumal es in der Logik einer Widerlegung liegt, daß das zu Widerlegende wenigstens zuvor einmal genannt werden muß, der Dreck einer beleidigenden Behauptung in ihrer ordentlichen Widerlegung also durch bloße Erwähnung nurmehr verstärkt wird. Dennoch habe ich mich entschlossen, Ihre abgestiegene Deutung mit einem direkt angeschlossenen Kommentar von mir freizuschalten, weil seine pünktliche Widerlegung für uns paradigmatischen Wert hat. Und nun zur Sache:

    Bloßes Begehren war nie Thema gewesen

    Sie unterstellen mir, daß ich gleichgeschlechtliches Begehren für «unnatürlich» erklärt hätte. Das ist eine Lüge oder ein Irrtum Ihrerseits. Zum einen habe ich mich nie auf ein bloßes Begehren bezogen. Das war nirgends auch nur im Ansatz bei mir ein Thema gewesen. Zum anderen kommt das Wort «unnatürlich» in meinem Beitrag gar nicht vor. Nicht wörtlich, und wo es der Sache nach vorkommt, ist es nicht etwas, das ich behaupt hätte, sondern etwas, das von mir als von einer Mehrheit in Deutschland so empfunden beschrieben wird. Sie sollten schon etwas genauer sein.

    Was von Ihren «vielzitierten Hadith» übrigbleibt

    Sie sagen: «Ein vielzitierter Hadith schreibt sogar Mohammed zu, dass er einen Jüngling beim Beten hinter sich platzierte, um nicht von seiner Schönheit in Versuchung geführt zu werden.»

    Auf den ersten Blick erkennt der Muslim, daß mit diesem angeblichen Hadith etwas nicht stimmen kann. Denn welchen Sinn würde es machen, einen Jüngling «beim Beten» hinter sich zu setzen, wenn der Jüngling doch gar nicht der Vorbeter gewesen wäre, also ohnehin beim Gebet hinter dem Propheten stehen würde, auf dem der Friede sei, der das Gebet leitet. Nichtmuslimen sei erklärt, daß der Vorbeter beim Gebet mehrere Schritte vor der Gemeinde steht und in einer der Gemeinde genau entgegengesetzten Richtung (qibla) steht und blickt, also gar niemanden von denen sieht, die, in derselben Weise ausgerichtet, hinter ihm beten. Weil die Gemeinde zwar den Vorbeter beim Beten sehen kan, dieser aber nicht die Gemeinde, kann es der Sache nach mit Ihrem «vielzitierten Hadith» nicht stimmen.

    Tatsächlich gibt es eine Überlieferung, die aber zum einen nicht vielzitiert und zum anderen zweifelhaft ist. In ihr es geht gar nicht um die Situation eines Gebetes, sondern darum, daß, als eine Delegation vom Stamme der Abdul Qais zu Besuch gekommen war, unter der sich ein Junge mit sehr schönem Gesicht befand, der Prophet – Allah sende Frieden auf ihn und seine Leute und Segen – diesen angeblich hinter sich hat setzen lassen. Am Ende soll gemäß dieser zweifelhaften Überlieferung der Prophet mit Blick auf den Jungen gesagt haben: “Denn die Sünde Davids war vom Blick”. Dieser Satz aber zeigt, daß das ganze nicht stimmen kann, weil der Prophet Muhammad niemals über einen anderen Propheten hätte sagen können oder gesagt hätte, daß er ein Sünder gewesen war. So etwas findet man nur in der Bibel, aber nicht in islamischer Tradition. Das kann nicht sein, weil die Propheten saubere Menschen waren, die die Menschen den Weg zu Gott geführt haben. Der letzte Satz gilt unter Hadithgelehrten als ein Indiz dafür, daß es sich hier nicht um eine authentische Überlieferungt handelt. Der große Hadithgelehrte Ibn Taimiya hat diese angebliche Überlieferung entsprechend als munkar, nicht haltbar, qualifiziert.

    Ein unerquickliches «etwa»

    Dann sagen Sie: «Mohammed selbst habe mehreren jungen Gefährten, etwa dem mit 18 zum Islam konvertierten und wegen seiner Schönheit bekannten Mu’adh ibn Dschabal, seine Liebe gestanden.»

    Jedem, der Erfahrung mit Texten hat, dreht sich hier der Magen um, wenn er von «mehreren» jungen Gefährten liest und an die Stelle kommt, wo es heißt «etwa dem mit 18 zum Islam konvertierten und wegen seiner Schönheit bekannten Mu’adh ibn Dschabal». Was Sie vor jeder inhaltlichern Auseinandersetzung schon deutlich disqualifiziert, ist dieses eigenartige «etwa …». Wieso »etwa»? – Dieses, ich möchte fast sagen, schwuchtelige «etwa» verrät den Betrüger. Einen, der eine Anzahl gleichgelagerter Fälle suggeriert, da es doch nur den einen Fall des Mu’adh ibn Dschabal gibt, der durch ein zu einer erlogenen Anzahl anderer durch jenes hinterhältige «etwa» zum Grund für eine Vielzahl werden soll. Doch den Fall des Mu’adh ibn Dschabal gibt es selbst nur in einer pervertierten Phantasie.

    Mu’adh ibn Dschabal

    Mu’adh ibn Dschabal – möge Allah mit ihm zufrieden sein – war seiner stupenden Kenntnis der Sunnah des Propheten, auf dem der Friede sei, und der Hadithe und seiner wundersamen Weisheit wegen unter allen Mitgliedern der Gemeinde sehr geschätzt und geliebt. Und er wurde vom Gesandten Allahs, auf dem der Friede sei, einst mit dem Richteramt betraut. Und einmal, als er in einer Versammlung alle Fragen des Gesandten Allahs – Frieden und Segen seien auf ihm und seinen Gefährten – zu der Art und Weise, wie er denn unter bestimmten Bedingungen eines Mangels an Wissen sein Richteramt ausüben würde, in so wunderbarer Klarheit und Weisheit beantwortete, daß der Propheten begeistert war, lobte dieser ihn und sprach: «إني أحبك في الله» («Ich liebe dich um Allahs willen»). So war das.

    Ein furchtbares gesellschaftzersetzendes Gif

    Und da ist überhaupt nichts dabei, was Anlaß zu homophilen Phantasien geben könnte. Es gilt hier vielmehr das berühmte: «honni soit qui mal y pense». Und Sie mit Ihren Gesinnungsgenossen sind hier der Schuft, der Übles denkt. Vielleicht können Sie ja nicht anders, als jede herzlich freundliche Geste zwischen Männern im Sinne Ihrer abgestiegenen Sicht als Ausdruck von Homophilie zu deuten. Damit versprühen Sie ein furchtbares gesellschaftzersetzendes Gift, das geeignet ist, aller unschuldigen Freundlichkeit zwischen Männern, jeder Kameradschaft ihren ehrenwerten Sinn zu nehmen und jede Grundlage gleichgeschlechtlicher Mitmenschlichkeit zu zerstören. Und genau das wäre einer der guten Gründe, Sie und Ihr verfluchtes Gift aus der Gemeinschaft ehrenwerter Leute zu entfernen, zumal wenn Sie Ihr Gift so öffentlich und aggressiv versprühen, wie es in diesen Tagen immer wieder geschieht.

    Ihr Verwirrspiel um Imam asch-Schâfi’i


    Sie schreiben: «Imam al-Schafi’i, der Begründer der schafi’itischen Rechtsschule, gehörte zu den vielen frommen Juristen, die gleichgeschlechtliche Liebesgedichte verfassten und öffentlich rezitierten. Eines davon lautet: “Haltet jene Gazelle (arab. männl.) verantwortlich für den Verlust meines Lebens, / Denn er erschoss mich mit den Pfeilen seiner Augen und mit Absicht. / Aber tötet ihn nicht, denn ich bin sein Sklave, / Und gemäß meiner Schule wird ein freier Mann nicht hingerichtet wegen (Tötung) eines Sklaven!”»

    Das Gedicht stammt gar nicht von Imam asch-Schafi’i

    Das Gedicht stammt von jemand anderem. Es findet sich nicht im ديوان الإمام الشافعي dem Diwan des Imam asch-Schafi’i, der im übrigen vom Grundduktus ganz anders geartet ist, da diese Poesie sich nicht Liebschaften, sondern Grundfragen der menschlichen Existenz widmet und eher etwas Philosophisches hat. Die erwähnte Passage kommt in juristischer Diskussion über die Tötung eines Sklaven zur Sprache.

    Das Wort غزال (ghazâl) «Gazelle» wird in der arabischen Poesie durchgehend für eine Frau gebraucht

    Das arabische Wort غزال (ghazâl) bedeutet Gazelle. Es ist zwar grammatisch männlich, wie Sie richtig schreiben, es wird in der arabischen Poesie durchgehend aber nicht deshalb für einen Mann gebraucht, wie Sie sagen, sondern eine Frau. Wer das grammatische Geschlecht dieses Worte zum Anlaß nimmt, es statt auf Frauen auf Männer zu beziehen, der hat einfach keine Ahnung von den Traditionen des arabischen Sprachgebrauchs bzw. der arabischen Poesie.

    Ihr Ibn al-Dschauzi-Betrug oder: die rosorote Brille

    Sie scheiben, der hanbalitische Jurist Ibn al-Dschauzi hätte gesagt: «Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet <wenn er schöne junge Männer sieht>, ist ein Lügner, und wenn wir ihm glauben könnten, wäre er ein Tier, nicht ein menschliches Wesen.» Und hier wird deutlich, welche eigenartig rosarot gefärbte Brille es ist, die Sie tragen, und die Sie alles in rosaroten Farben sehen läßt. Ja Mensch, merken Sie nicht, daß in Ihrem Ibn al-Dschauzi-Zitat der entscheidende Teil gerade nicht ursprünglich dort steht, sondern von Ihnen mit einer gewissen rosaroten Penetranz dort einfach eingesetzt wurde? Der Gelehrte spricht in Ihrem Zitat über die Begierde an sich. Sie aber setzen einfach ein <wenn er schöne junge Männer sieht>. Das ist aber nicht gemeint. Da ist es nicht möglich, einfach alles einzusetzen, was auf dieser Welt von irgendwo Abgedehten als Begierde empfunden wird. Sonst könnte ich genau so gut die folgende Klammer einsetzen: «Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet <wenn er Gelegenheit hat, bei Vollmond eine nackte Frau zu würgen>, ist ein Lügner …» – Verstehen Sie: Ihre in eckigen Klammern stehende Einfügung ist ein Betrug.

    Ein Konvertit ist unter Muslimen hochgeachtet

    Sie schreiben: «Imam al-Schafi’i konnte nicht ahnen, dass ein Konvertit wie Sie …» Da möchte ich gleich unterbrechen: Erstens können Sie sich, wie oben gezeigt, nicht auf Imam asch-Schâfii berufen, und zweitens ist es nicht nur keine Schande, Konvertit zu sein, sondern eine große Ehre. Sayyidina Abu Bakr, Sayyidina Umar, Sayyidina Uthman, Sayyidina Ali, sie alle, mit denen Allah zufrieden sei, die vorzüglichen und höchst Geehrten unter den Gefährten unseres Propheten – Allah schicke Frieden auf ihn und seine Leute und Segen – waren Konvertiten. Und im Islam ist der neu Hinzugekommene den schon dort Seienden in keiner Weise nachgeordnet. Im Gegenteil schätzen und lieben geborene Muslime gerade solche, die neu zum Glauben finden oder besser: von im gefunden wurden. Und sie sehen solche Personen als vom Herrn der Welten besonders gesegnet an. Wenn Sie, Herr Klauda, das Wort «Konvertit» indes in pejorativem oder gar lästerndem Gebrauche und mit intriganter Absicht führen, so beweisen Sie doch dadurch nur einmal mehr, daß sie nichts verstehen.

    Die umfassende Quelle

    Abschließend empfehle ich Ihnen die Lektüre einer Schrift, die grundlegend alle Aspekte der von Ihnen propagierten Sache aus muslimischer Sicht entfaltet, den «kitab thamm al-liwat», كتاب ذم اللواط


    Schlußwort

    Abschließend möchte ich Sie wissen lassen, daß alle Positionen ausreichend zur Sprache kamen und ich denke, daß es damit genug ist. Ich sehe keinen Grund, das Gespräch mit Ihnen noch länger fortzusetzen. Als mir soeben bewußt wurde, welch gesellschaftzerstörendes Gift es ist, das Sie durch Ihre homophile Umdeutung eines normalen herzlichen Verhaltens zwischen Männern versprühen, habe ich doch einen kleinen Schreck gekriegt. Und mir ist klargeworden, daß man die Gesellschaft vor Leuten wie Ihnen schützen muß und es nicht ohne Grund war, daß der Gesandte Allahs, auf dem der Friede sei, solche Leute wie sie verflucht hat.


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  8. Rudolf Reshad SteinmetzSeptember 21, 2008 @ 09:12 AM

    Interessante Aspekte zum Thema:
    Den Homo-Ideologen kochen die Hormone über – Die deutsche Medienindustrie ist gegenwärtig dabei, sich auf die katholische Regensburger Fürstin Gloria von Thurn und Taxis einzuschießen. www.kreuz.net/article.7858.htm

  9. chromaticSeptember 21, 2008 @ 06:57 PM

    @ beide Kommentatoren zuvor

    aus ihrer sicht haben sie völlig Recht. Wenn man aus dem Islam die Sharia herausnehmen würde, bliebe eine Lifestyle Anordnung übrig und auch das Christentum wird ein zahnloser Tiger, wenn der Katechismus nicht mehr befolgt werden soll.

    Allerdings beurteile ich im Gegensatz zu ihnen dies als einen gravierenden Fortschritt.

    Die Ausführungen des Herrn Steinmetz zur notwendigen Bipolarität der erotischen Anziehung kann derart unwissenschaftlich hier nicht erörtert werden. Darüber wurde bereits viel geschrieben und es ist noch nicht zu Ende. Der Diskurs ist weiterhin offen und könnte höchstens durch faschistisches Gedankengut beendet werden, was hoffentlich niemand will.
    Und wenn sie , Herr Heck, keinen Mann anfassen wollen, dann ist das voll in Ordnung oder zwingt sie jemand? Ich glaube eher nicht.

    Für das erfolgreiche Zusammenleben einer Gesellschaft trägt für mich der kategorische Imperativ con Immanuel Kant besser als die Vorgaben jedweder Religion.

    Es gibt Grundrechte, die im deutschen Grundgesetz recht gut formuliert wurden. Leider wird es zunehmend durch Regierungen unterminiert. Dies schmälert allerdings nicht seinen Wert.

    Die Würde des Menschen ist unantastbar, er hat ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit und ich füge hinzu, auch auf Schutz vor psychischer und körperlicher Bedrohung.

    Diese Bedingungen scheinen sie beide nicht zu akzeptieren und befinden sich in recht zahlreicher Gesellschaft.

    Solange Menschen anderen Menschen mit Gewalt ihre Überzeugungen überstülpen wollen, so lange wird es keinen Frieden geben. Keine Weltreligion ist in der Lage, wirklich Frieden zu den Menschen zu bringen. Sie führen zwar das Wort unablässig im Munde aber es stimmt nicht- denn sie müssten immer dazusagen: Zu unseren Bedingungen.
    die Erde ist nicht mehr wüst und leer wie zu Urzeiten sondern stark überbevölkert. Heute gelten andere Ziele. Wir müssen für viele Menschen erstmal menschliche Bedingungen schaffen. Hunger, Seuchen und elend müssen überwunden werden. Weder die Kirche noch die saudischen Herrscher beteiligen sich nennenswert an diesen Aufgaben, sondern horten unvorstellbare Reichtümer, für die sie Jesus und auch der Prophet sich in die jeweilige Hökke befördern würden.

  10. Klaus HeckSeptember 22, 2008 @ 09:13 AM

    @ chromatic. “Wenn man aus dem Islam die Sharia herausnehmen würde, bliebe eine Lifestyle-Anordnung übrig.” Dass Sie das erkennen, weist Sie als informiert und dass Sie das begrüßen, als mutig und ehrlich aus. Denn genau hier heucheln die Mainstreammedien Religions-Freiheit vor, während in diesem Name die Freiheit von Religion betrieben wird.

    ICH wäre ja gegen Kants Imperativ, da ich gerade NICHT will, dass aus meinem Handeln noch eine weitere heilige Schrift entstehen könnte ;-) - Aber das müssen/können wir hier nicht vertiefen. Wichtiger ist mir die Frage zu Zwang und Anfassen, die Sie stellen: Es ist immer schon ein gewisser Zwang, wenn mir jmd. “zu” nahe kommt. In orientalischen Ländern sollen Westler schon von Bänken gefallen sein, weil Einheimische zu dicht an sie heranrutschten und sie dann immer weiter weg, bis eben die Bank zuende war. Ich finde es NICHT “voll in Ordnung”, wenn wir aufgeklärten Europäer zwar Schwulenparaden “voll in Ordnung” finden, aber nichtmal die körperliche Nähe eines Menschen ertragen können. In Kenia – ich damals noch voller Vorurteile – setzte sich in einem Matatu (Kleinbus) mal eine voll verschleierte Frau auf meinen Schoß und redete mit mir gelassen während der Fahrt. Das war auch so ein widersprüchlicher Moment: Wir Westler sind an (obszöne) Entblößung gewöhnt, aber die harmloseste körperliche Nähe macht uns schon Angst. Deshalb grob gesagt, finde ich den Islam, wie er in traditionellen Gemeinschaften gelebt wird, lebensbejahender, als die üblichen Lebensstile von uns “letzten Menschen” in der Großstadt.

  11. Alfred WörlingSeptember 24, 2008 @ 05:37 PM

    Hrn. Spohrs Argumente beruhen auf Glaubenssätzen

    Vorbemerkung

    Wie man sieht, ist man sich in Kommentatorenkreisen schnell einig. Es brauchte gar nicht viel: je mehr sie von ihren Erfahrungen berichteten, desto eher war eine Einigung erzielt. Aber in diesem Prozess schlossen sie Eines von vornherein aus: dass es neben ihrem eigenen Lebensstil aktuell vielfältige andere Lebensentwürfe gibt. Sie verfehlten überdies alle ein wesentliches Element des Beitrags von Hrn. Spohr. Seine Begründung für eine gesunde Ablehnung von Homosexualität wurde von keinem kritisch bedacht!

    Lebensentwürfe zu entwickeln ist ein gutes Recht!

    In den Kommentaren wurde das Thema der Körpernähe unter Fremden aufgegriffen. Jeder in Deutschland aufgewachsene Mensch weiß, welches Tabu es darstellt, Fremde zu berühren. Wenn Sie nicht der Meinung sein sollten, dass dieses Problem typisch für die gesittete deutsche Gesellschaft ist, ist das in Ordnung. Allenfalls könnten sie Gegenbeispiele geben, aber eine wirkliche Widerlegung können sie nicht liefern. Die dumpfe Intuition, dass es neben ihrer Auffassung eine derselben Widersprechende gibt, wird Sie daran hindern. Auch dass Körpernähe unter Bekannten ein Problem ist, zumindest insofern sie sich nicht lieben, dürfte unbestritten der Fall sein. Und damit komme ich zum eigentlichen Thema, welches den Beitrag von Hrn. Spohr durchzog, zurück. Die Zuneigung unter gleichgeschlechtlichen Personen ist sehr verbreitet. Sie verhält sich wie die Zuneigung zwischen Mann und Frau, im besten Fall sogar wie die positiv besetzte Zuneigung zwischen Freunden. Sie ist das, was gemeinhin Liebe genannt wird.
    Das Problematische an dieser Zuneigung, das Verbotene, das tabuisierte daran, das, was es sanktionierbar macht, ist von Menschen gemacht. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Sowohl in der politischen als auch in der moralischen Hinsicht. Das hat seine Quellen in grundlegenden Funktionen des menschlichen Zusammenlebens. In einer Gemeinschaft lebende Menschen treffen Entscheidungen, welche einen solchen Grad an Öffentlichkeit haben, dass anderen Menschen zu ihnen Stellung nehmen. Das, was in der Gemeinschaft prinzipiell anerkannt wird, wird alle Mitglieder oft dazu anhalten, demselben Sachverhalt mit denselben Stellungnahmen oder Bewertungen zu begegnen. Die nachfolgenden, möglichen Alternativen erstrecken sich über das ganze Spektrum gesellschaftlicher Prozesse. Das heißt die Stellungnahmen können privat oder gesetzlich in die Lebenspraxis eingehen. Bekannte Beispiele für die erste Art insbesondere wenn man das Stellung-Nehmen gegenüber gleichgeschlechtlicher Zuneigung betrachtet, sind Ignoranz, Toleranz, begründete Ablehnung, Aggressivität, Tötung (um gemischte Formen zu schildern) u. dgl. m. Einige Beispiele für die zweite sind, dass die Stellungnahme neues Recht wird, oder dass der Sachverhalt nach geltendem Recht bestraft wird etc.
    Der aufgezeigte soziale Prozess der gesellschaftlichen Bewertung eines Sachverhalts ist komplex und vielschichtig. Er umfasst sowohl die soziale Tradition, d. i. die Geteilte Überzeugung bezüglich der Lebenspraxis, und mit ihr die Werte, als auch das Rechtsystem einer Gemeinschaft. Dieser Komplex ist aber bei nicht so engmaschig, dass er keine Freiheit böte. Denn die Bewertung bzw. die Stellungnahme zum beobachteten Sachverhalt und die Existenz des Sachverhalts sind indifferent, d. h. sie sind zeitlich und qualitativ voneinander zu unterscheiden. Das Bestehende ist hinsichtlich der Bewertung primär, die Bewertung ist in jeder Hinsicht sekundär. Das Urteil, welches Gutes oder Schlechtes über den Sachverhalt aussagt, ist dem Sachverhalt nachgeordnet. Eine Ausnahme bietet selbstverständlich die Moral, weil sie neue Sachverhalte schafft, aber davon unter mehr.
    Zunächst ist mit Hinblick auf den genannten Sachverhalt, dass zu bewertenden Sachverhalt und Bewertung desselben nicht derselbe Sachverhalt sind, festzuhalten, dass die Möglichkeit der Bewertung gesetzlich festgeschrieben ist, und grob umrissen die politische Freiheit einer Person genannt werden darf. Sie wird durch eine Grundrecht garantiert. Hinzu treten in unserer heutigen Lage eine ganze Liste weiterer Grundrechte, deren Katalog Verfassung genannt wird. Die damit ausgegebene Handlungsfreiheiten und Handlungseinschränkungen sind universell. Einander ergänzend ermöglichen sie einen legitimen Besitzstand von Freiheit und ermöglichen überdies eine Vielfalt von legitimen Lebensentwürfen. Für den gleichgeschlechtlich Liebenden und für seine Kritiker gilt demnach dasselbe. Beide haben kraft der Universalität der Verfassung die Freiheit innerhalb der Gesetze zu handeln und im Rahmen der Gesetze Stellung zu beziehen. Bewertungen, die nicht den Maßgaben der Verfassung gehorchen sind demnach so illegitim wie erklärte Verbrechen. Prima facie kann darin ein Mangel gesehen werden; mit Blick auf die Verfassung jedoch wird klar, dass eine größtmögliche Varianz an Meinungen und Handlungen damit erzielt wird. Dieser rechtlich gesicherte Pluralismus kann als Errungenschaft gefeiert werden.
    Wir wissen alle, dass jene Gesetze eine eigene Geschichte haben, und es war ein Meilenstein für die von Ihnen sog. Ideologen, dass der §137 aus dem StGB gestrichen wurde, und das Gesetz damit reformiert wurde. Die angestaubte und menschenunwürdige kaiserreichsdeutsche Mannesvorstellung war damit zumindest juristisch getilgt. Endlich war die Verfassung in sich selbst stimmig. Freilich will dieses Dokument selbst heutzutage hie und da ausgebaut und verfeinert werden, und das dürfte nur durch Entschlossenheit und der Einsicht gelingen, dass politische Freiheit kein dauerhaftes Gut ist, sondern stets neu erreicht werden muss. Was jedenfalls den § 137 anbetrifft, so war der Gegensatz von Menschenwürde und Bestrafung der Sexualität ausgemerzt.

    Die natürliche Würde und nicht Offenbarung sind die wahren Quellen der Bewertung

    Das Recht auf Selbstentfaltung und die lebensweltliche Wahl der Sexualität sind miteinander verknüpft. Niemand wird ein glückliches und erfülltes Leben führen, dem es verwährt bleibt, seine Interessen, Anlagen, Neigungen und Talente auszuleben. Und die Sexualität ist ein solcher Habitus. Sie selbst ist nicht auferlegt, sondern ist eine spontane, d. h. nicht auf andere Umstände zurückführbare Neigung. Das zu besprechen gehört nämlich in den Bereich dessen, was Hr. Spohr unter göttlichem Gesetz und Moral thematisiert. Denn die Aufklärung der Rolle der Bewertung in sozialen Prozessen und ihres verfassungsmäßigen Fundaments sind bei weitem nicht dazu geeignet in das Problemniveau der Position von Hrn. Spohrs Beitrag einzutauchen. Vielmehr muss zwischen meiner bisherigen Argumentation und die des Hrn. Spohr das Wesen der Würde des Menschen zum Thema gemacht werden.
    Ich habe argumentiert, dass die Wahl und das Ausleben der Sexualität politisch freiheitlich begründet sind. Hinzufügen möchte ich etwas, was ich als die Quelle des oben angesprochenen Habitus der Sexualität ansehe. Doch zunächst sollte man sich noch einmal die Position von Hrn. Spohr in das Gedächtnis rufen. Er argumentiert, dass Homosexualität etwas unnatürliches ist, da diese Lebensweise erstens gegen die der Schöpfung inhärenten ethischen Regeln verstößt (ethische Praktiken, die Gott der Schöpfer vorsah). Daran anschließend argumentiert er, dass Homosexualität nicht mit den überlieferten Maßregeln der Rechtsquellen der Sharia kohärent ist. Das bedeutet, dass diese Lebensweise nicht mit der Offenbarung Gottes (resp. Koran) bzw. nicht den Äußerungen seines Willens an die Propheten (resp. Aussprüche und Handlungen der Propheten) zusammenpasst.
    Freilich, diese Argumente haben einen rationalen Kern, jedoch ist ganz offensichtlich, dass sie ihre überzeugende Kraft erst aus dem Glauben schöpfen. Ich denke, dass Hr. Spohr nicht allzu schnell derartige Angriffe auf seine Position, welche er für repräsentativ hält, mit dem Vorwurf zu entkräften sucht, dass er es mit einem Ungläubigen zu tun hat. Diese Infamie wird er sicherlich nicht zulassen. Wenn nicht mit dem Glauben, so wollen wir doch sehen, was diese Argumente rational hergeben. Ganz im Sinne übrigens des von Hrn. Spohr angeführten I. Kants.
    Unter dem Gesichtspunkt von Rationalität als dem Inbegriff der Quelle weltlichen Wissens kommt wohl zuallervorderst das erste Argument in Betracht, ohne den Rekurs auf Glaubenssätze zuzutreffen. Es müsste also etwa wie folgt lauten. Männer (oder Frauen), die Personen ihres eigenen Geschlechts lieben, widersprechen der Naturordnung, welche vorgibt, dass die Art (derer sie angehören) nur durch weib-männliche Liebe weiterbesteht (o. ä.). Den einzigen Reim, den ich mir auf den Kern dieses Arguments machen kann, ist, dass die Rolle und das sittliche Verhalten einer Person mit Rekurs auf die biologischen Gesetze der Fortpflanzung bewertet wird. Diese biologischen Gesetze sind freilich ein Teil der Schöpfung. So betrachtet, fallen sie unter die vorherbestimmte, weise Ordnung des Schöpfers.
    Allerdings ist der Sprung von der einen Sichtweise auf die Dinge auf die andere Sichtweise gewagt. Denn es wird von der Einrichtung der Natur auf den transzendenten Grund dieser Einrichtung geschlossen. Dieser natürlich Theologie ist problematisch. Die Probleme, welche dieser Schluss mit sich bringt, dürften dem Gelehrten bekannt sein (es handelt sich um das Problem des physikotheologischen Gottesbeweises). Eine Begründung des göttlichen Willens anhand der aktuellen Einrichtung aber wäre widersprüchlich, da es doch aktuell gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen gibt (was den Voraussetzungen widersprechen würde). Der Fehler in der Ordnung muss also dem Menschen selbst angelastet werden. Dies aber ist eine Stellungnahme zu den Tatsachen, und stellt mitnichten die Aufklärung der göttlichen Ordnung dar. Vielmehr muss die göttliche Ordnung wiederum bewiesen werden.
    Es sieht demnach alles danach aussieht, als ob die Menschen selbstbestimmt handeln. Wäre das nämlich nicht der Fall bzw. wäre das nicht zugegeben, würde die göttliche Ordnung, welche der Welt unterstellt wird, das gleichgeschlechtliche Lieben umfassen. Da dies offenbar nicht in dem Sinne der Argumentation des Hrn. Spohr war, bleibt zu fragen übrig, welches die eigentlichen Gründe sind, in der Einrichtung der Welt ein der Welt inhärentes, bei der Schöpfung hinzugegebenes notwendiges (Sitten-)Gesetz zu erkennen.
    Da nun die aktuell schwul oder lesbisch lebenden Menschen selbstbestimmt diesen Lebensentwurf gewählt haben, haben sie die biologische Ordnung umgangen. Pragmatisch betrachtet bedeutet das, dass sie sich nicht fortpflanzen werden. Nur aus diesem Umstand wären also ein Kriterium zu gewinnen, welches Aussagen darüber erlaubt, ob ihr Lebensentwurf gut oder schlecht, sittlich oder anstößig, richtig oder falsch ist. Wenn ein Mensch sich aufgrund seiner Anlagen gegen die Einrichtungen der biologischen bzw. physischen Welt stellt, ist das m. E. eine Kulturleistung. Denn Kultur ist der Inbegriff aller menschlichen Produkte. Der gleichgeschlechtliche Lebensentwurf ist als eine Kulturleistung nur mit anderen Kulturleistungen zu bewerten, da er durch die Einrichtung der Natur nicht bewertet werden kann. Die Moral oder das Recht stellen für diese Aufgabe gangbare Kulturleitungen dar. Rechtens ist es legitim, das habe ich oben zu zeigen versucht. Recht ist zudem eine nicht standhafte Instanz, da es mit dem politischen System einer Gemeinschaft wechseln kann. Die Moral hat hingegen einen Charme der unbestechlichen, vernünftigen Bewertungsinstanz.
    Der einzig moralisch tadelnswerte Umstand an der gleichgeschlechtlichen Liebe ist m. E. die Konsequenz aus derselben, dass kein neues Leben einer solcher Beziehung entspringt. M. a. W. Homosexuelle haben keine Kinder (die Frage nach dem Recht auf Adoption ist eine andere Frage). Denn was sonst könnte den Menschen moralisch anzulasten, die Personen des eigenen Geschlechts lieben und sich zärtlich ihnen nähern, sie respektvoll behandeln und mit ihnen den Alltag durchstehen wollen? Es ist erwiesen, dass es Homosexualität in jeder gesellschaftlichen Klasse gibt. Sexualität ist eine Privatsache, und der Aspekt der Homosexualität lässt keine Schlüsse auf Kriminalitätspotential, Intelligenz etc. zu. Damit dürfte deutlich gemacht sein, dass nur die Kinderlosigkeit angeprangert werden kann.
    Freilich gestehe ich zu, dass es schwer ist, Lebenspraktiken zu tolerieren, die den eigenen Vorlieben und Prinzipien zuwider laufen. Allerdings darf das kein Grund für ein Verbot sein, da ansonsten die Rechtsordnung und -sprechung des Gemeinwesen auf die Despotie und die persönlichen Vorlieben der Mächtigen zulaufen würde, was jedem schaden würde, der nicht die Überzeugung der Herrschenden teilt.
    Hr. Spohr und seine Kommentatoren sprachen von I. Kant und seiner Ethik. Nach der Formel des kategorischen Imperativ geurteilt, ist die gleichgeschlechtliche Liebe durchaus nicht zu beanstanden. Denn Homosexuelle setzen ihre Handlungs-Maximen in die Liebe und den liebevollen Umgang mit ihrem Partner. Ich sehe nicht, wie diese Maxime kein Prinzip für eine allgemeingültige Gesetzgebung sein sollte. Denn der allgemeine respektvolle Umgang wird doch in jeder Gesellschaft geschätzt. Was die logische Beziehung zwischen Sollen und Können anbelangt auf die Hr. Spohr hinweist, so hat diese keine Relevanz für die Erörterung der moralischen Integrität der homosexuellen Partnerschaft. Sie ist überhaupt nur eine Logelei, ein Spiel mit Begriffen und die Ergebnisse, die aus dem Spiel entstehen, werfen mehr Fragen auf als sie beantworten (Soll jede Handlung, die ermöglicht ist, durchgeführt werden? Kann jede Handlung, die getan werden soll, getan werden? Welches sind die Kriterien dafür, dass eine Handlung möglich ist? Welches die Kriterien dafür, dass eine Handlung ausgeführt werden muss?). Hr. Spohr verwickelt sich in schwierige Probleme, wenn er sagt, dass homosexuell nicht gelebt werden darf. Die Rechtfertigung dafür ist nur auf schmaler Basis gegeben. Freilich, die Probleme stellen sich ihm nicht oder nur mittelbar. Denn schließlich weiß er ein Kriterium für die Güte einer Handlung: die Weisung Gottes und die natürliche Ordnung sind ihm Anzeichen genug.
    Wenn nicht in der letzten Offenbarung Gottes an die Menschen, so werden Aussprüche diverser Propheten angeführt, um infrage stehende Lebensweise zu tadeln. Es werden sogar anempfohlene Todesstrafen für Homosexuelle rezitiert. Ich möchte dem Grundsatz universaler Toleranz nicht gegen das gute menschliche Mitgefühl einlösen! Die Absurdität und Anstößlichkeit solcher Argumentation liegt daran, dass eine würdevolle Existenz aufgrund ihrer habituellen Neigung ausgelöscht werden soll.
    Auch wenn die nachfolgenden Wörter verletzend sein können, versichere ich, dass die Aneignung derselben Bedeutung nicht den unmittelbaren Eintritt in die Verdammnis, sondern in ein das Denken als Mittel benutzendes Leben ermöglichen.
    Die Tradition, sich auf überlieferte Schriften zu beziehen, um alltägliche Dinge zu bewerten, Verhalten zu kanalisieren, und Tradition am Leben zu erhalten, hat einen prinzipiellen Mangel. Alle Handlungen beruhen letztlich auf dem Glauben in die Echtheit der Schrift. Dabei ist doch eines wohl am meisten denkwürdig. Der Mensch ist von Grund auf ein mit Verstand ausgestattetes Wesen, das irren kann. Der Irrtum ist nicht wegzudenken. Ebensowenig kann er jemals vollkommenes Wissen haben. Er ist, d. h. wir sind, Personen, die nur über einen beschränkten Bereich etwas wissen können. Sollte also der Schöpfer höchst selbst die überlieferten Anweisungen gegeben haben, wie ist es gesichert, dass die überlieferten Anweisungen eindeutig den Willen des Schöpfers entsprechen. Es ist ein zu naives Bild, dass die überlieferten Auslegungen und Wörter nicht durch menschliche Interessen und persönliche Präferenzen verunreinigt sind. Was außer der Glaube beweist also die Echtheit der Anweisungen?
    Selbst mit Rekurs auf die Vernunft ist es vertretbar, Homosexuelle als gleichgestellte Menschen anzuerkennen. Mitnichten müssen ihre Vorlieben geteilt werden. Die Aktivistengruppen, welche zahlenmäßig zu denen nicht an die Öffentlichkeit sich wendenden homosexuell lebenden Personen sehr klein ist, setzen sich für Öffentlichkeitsarbeit und Gleichstellung ein. Wenn ein Dialog mit anderen Kulturen, Kulturen, in denen Leben und Glauben tief und eng miteinander verwebt sind, gesucht wird, geschieht das aus Interessen der Missionierung einerseits und aus dem politischen Auftrag der Interessensvertretung andererseits. Denn wie Sie und ich hat jeder Mensch das Interesse, ein friedliches und erfülltes Leben zu führen. Einige Menschen suchen es sich in den Regeln der heiligen Bücher. Andere nicht. Die Selbstbestimmung leitet diese Leute zu neuen, außergewöhnlichen Lebensformen. Es wäre ungerecht, ihnen die Würde der Selbstbestimmung zu nehmen.
    Sie selbst sind keine Egoisten wie behauptet wird. Was sie dabei verwechseln ist das Eigene, was den Charakter betrifft und das Eigene, was die Natur betrifft. Menschen, die ihre Interessen über andere Interessen stellen, und insofern ihren eigenen Charakter lieben, sind Egoisten. Menschen, die Personen ihres eigenen Geschlechts lieben, sind homosexuell. Wenn sie in dem Sinne des Egoisten ihr Geschlecht liebten, würden sie Masturbieren. Das Geschlecht ist nicht privates, im Gegenteil: es ist überindividuell. Homosexuelle empfinden Zuneigungen gegenüber einer Person, welche vom selben Geschlecht ist. Wie in jeder Liebesbeziehung gibt es in diesen Beziehungen ein Ego und ein Alter.
    „Unter Homophobie versteht man die irrationale, weil sachlich durch nichts zu begründende Angst vor homosexuellen Menschen und ihren Lebensweisen.“ [http://www.wien.gv.at/queerwien/phob.htm] In dieser Definition ist der Kern dessen ausgesprochen, was ich mit meiner Kritik an ihren Argumenten versucht habe zu zeigen. Sicherlich wird die Homosexualität gerade in Menschenrechtsdiskursen politisch instrumentalisiert, um einige Länder oder Kulturen oder Gruppen zu schelten. Ihre Kritik an diesen Verfahrensweisen der Diskreditierung ist berechtigt. Sie führt die Grundrechtslage der Meinungsfreiheit ad absurdum, insofern mit ihr die Meinung der angegriffenen Gruppe von vornherein als minderwertig bewertet wird.
    Um aber bei der Sache zu bleiben und nicht politisch zu werden möchte ich festhalten, dass ihre Ausführungen, welche ich als paradigmatisch für eine große Menge von Menschen erachte, auf einer quasi-rationalen Herleitung der Unsittlichkeit beruhen, die mit der Prämisse arbeitet, dass Homosexualität gegen eine vorgegebene Ordnung verstoßen würde. Das irrationale Argument darin ist, dass sie nachweisbar belegen müssten, was diese Ordnung ist. Es ist eine grundsätzliche Frage, ob ihnen derartige rationale Begründung überhaupt gelingen kann.
    Homosexualität wie ich sie verstehe, ist eine kulturelle Leistung, welche per se keine moralisch noch sozialen, ökonomisch etc. bedenklichen Folgen hat. Die Wahl des Lebensentwurfs beruht auf der Selbstbestimmung, welches der Kern der menschlichen Würde ist. Würde bedeutet, dass es keinen bisher erkennbaren Grund für die Existenz der Selbstbestimmung gibt, und es deshalb untersagt ist, diese würdevolle Existenz zu misshandeln. Die menschliche Würde verbietet Gewalteinwirkung. Jedwede Repression gegen Homosexualität ist ein Vergehen gegen die Würde des Opfers.
    Zum Schluss möchte ich politisch werden und kundtun, dass Verstöße gegen das Toleranzgebot (das ist die Achtung der Freiheiten des Fremden) bestraft werden müssen. Das betrifft viele Facetten des gesellschaftlichen Lebens, aber eben auch das soziale Phänomen der Homophobie.

  12. chromaticSeptember 24, 2008 @ 09:24 PM

    @Klaus-Heck,
    zuerst was zu Kant. Ich denke, das haben sie falsch gesehen. Ich möchte ebenso wenig, das aus meinem Handeln Gebote abgeleitet werden sollen. Aber so ist der kategorische Imperativ auch nicht gemeint. Er stellt vielmehr die Aufforderung da, das eigene Handeln darauf zu prüfen, ob es eine Gemeinschaft stört oder nicht.

    Dass der Lebensstil in traditionellen Gemeinschaften im Islam wesentlich menschlicher ist, als in den westlichen Hemisphären ist unter aufgeklärten Menschen kaum umstritten. Und CSD´s in islamische Länder importieren zu wollen ist auch nur eine sehr dumme Art von Kolonialismus. Das führt grotesker Weise dazu, dass bei Imigranten, die eigentlich noch eine traditionell freundliche Art des Umgangs untereinander haben, dies auch langsam abnimmt, da ihre freundschaftliche Körperlichkeit in den Augen der Westler eine übertrieben sexuelle Deutung erhält, sodass die Betroffenen sich dann abgrenzen wollen und müssen.
    Sie haben Recht, dass der menschliche Umgang hierzulande keinesfalls mehr stimmt und dass Nähe fast immer missdeutet wird. Dies wird meiner Meinung nach genauso von der Industrie gesteuert.Diese Situation wird sich auf lange Zeit nicht entschärfen, denn sämtliche Medien, die ich für wesentlich gleichgeschaltet halte, entfachen permanent das Obszöne Moment und haben keinerlei Interesse an Aufklärung.
    Kluge Menschen, die zwischen den Kulturen vermitteln könnten, sind nicht in Sicht oder haben keinerlei Foren.

  13. Rudolf Reshad SteinmetzSeptember 27, 2008 @ 07:26 AM

    Das obszöne Element in Bosnien abgewehrt:

    26.09.08 10:32
    Bosnien: Meute stürmt lesbischwules Festival- Veranstalter sagen viertägige Veranstaltung ab – Das erste lesbischwule Festival in Sarajevo musste abgebrochen werden, nachdem eine wütende Meute die Teilnehmer bei der Eröffnungsveranstaltung attackiert hat. Bei der Verantaltung waren 250 Menschen in der Kunstakademie von Sarajevo zusammengekommen, als eine Gruppe von 70 Leuten begann, Steine durch eine Scheibe auf die Teilnehmer zu werfen und “Tod den Schwulen” zu schreien.

    Die Polizei konnte die Demonstranten zunächst zurückdrängen. Als die Teilnehmer zu ihren Autos gehen wollen, lauerte die Meute ihnen aber auf um sie zu verprügeln. Einige Leute wurden dabei aus ihren Autos gezerrt.

    Iwww.ggg.at/index.php?id=62&tx_ttnews5Btt_news5D=1246&cHash=c8b4369d6bG

  14. chromaticSeptember 28, 2008 @ 12:28 PM

    @Steinmetz

    Eine wütende Menge, die andere Menschen töten möchte, findet ihren Beifall? Ich denke, sie befinden sich bereits ausserhalb der Gemeinschaft der Menschen- trotzdem, Friede sei mit Ihnen

    @ Alfred Wöhrling

    Ihr ausführlicher Artikel zeigt alle Aspekten mit Relevanz auf.
    Trotzdem möchte ich eine kleine Ergänzung anfügen, die sie möglicherweise übersehen haben.

    Die Verteilung der Neigungen auf der gedachten Strecke von Hetero- bis Homosexuell sind selten entweder oder und eben nicht schwarz weiss.

    Der genaue Blick in die Geschichte zeigt, dass beide Formen der Zuneigung (Liebe) nebeneinander in unterschiedlicher Ausprägung existieren. Den volkommenen Heterosexuellen dürfte es kaum geben, wie auch den ausschliesslich Homosexuellen. Was dann im Lauf des Lebens die Überhand gewinnt, wird durch gesellschaftliche Prägung und persönliche Veranlagung sich ausdifferenzieren.

    Das tatsächliche Ausmaß der weltweit sich ergebenden Neigungen unter gleichgeschlechtlichen Personen zeigt keinesfall eine Minderheit – wie es der ansonsten kluge Präsident ahmadineschad erklärt – sondern stellt eher einen Normalfall dar.

    Als ein Beispiel sei hier der Besuch verheirateter türkischer Männer, die öffentlich als heterosexuell eingestuft werden, bei Transvestiten im berühmten Nachtviertel von Istanbul genannt. Wobei noch auffällt, dass gerade jene Transvestiten, die noch nicht operiert sind, also ein funktionierendes männliches genital haben, weitaus häufiger frequentiert werden, als die Operierten und selbst diese einen höheren Besuch haben, als die echten Damen des Gewerbes. (Quelle: arte doku)-

    Auch in westlichen Ländern ist festzustellen, dass den Löwenanteil der Dienste sogenannter Callboys von verheirateten Männern in Anspruch genommen wird.

    Google zeigt in seinen Statistiken, dass gerade Männer aus islamischen Ländern überdurchscnittlich häufig auf Sex seiten surfen.

    Nun könnte Herr Spohr einreden, dass dies ja alles im Verborgenen passiert und deshalb die öffentliche Ordnung und Moral nicht tangiert- wie auch der iranische Präsident gerne betont, dass im Privatbereich des eigenen Hauses niemand nachschaut oder kontrolliert.

    Das wäre aber doch etwas zuviel an Doppelmoral und gerade im Iran würde ich mich als Betroffener nicht auf die Verschwiegenheit meiner Besucher verlassen.

    Ich gebe gerne zu, dass die westlichen Gesellschaften sich bei der Darstellung des Körperlichen und des Sex pervers verhalten. aber nicht, weil sie den Sex herbeireden oder herbeifilmen, sondern indem sie ihn einer gewinnmaximierten Industrie überlassen haben, die sich keinesfalls um das Glück der Menschen kümmert, sondern nur ihre fetten Gewinne einfahren möchte.

    Jedes Kind kann heute im deutschen TV ab 23 Uhr – ein Schelm, der glaubt, dass die Kleinen dann fest schlafen – eine Hausfrau oder gar Oma sehen, die zu seltsamen Sexpraktikwn aufruft- aber andereseits wird tatenlos zugesehen, wenn Lieblosigkeit im Alltag und bereits im Kindergarten und der schule überhand nehmen.

    In meiner Jugend bin ich noch mit meinen Freunden im Pausenhof unbefangen spazieren gegangen und wir hatten uns entweder untergehakt oder einen Arm auf der schulter des Freundes. Das war ein Zeichen von Freundschaft und Zuneigung. Heute wird dies nicht mehr zu beobachten sein, denn der Jugendliche, der seinen Freund dergestalt anfasst, wird sofort als Schwuler denunziert. insoweit hat die Vergnügungsindustrie und die am Tropf hängenden Politiker das Klima gründlich vergiftet. In islamischen Ländern gibt es zum glück diese zeichen der Freundschaft noch. Leider werden in Deutschland lebende Migranten zunehmend von diesem leibfeindlichen virus infiziert und geben sich auch betont cool und unnahbar, denn sie möchten nicht ins Gerede kommen. Wie soll Friede unter den Menschen entstehen, wenn sie sich nicht mehr nah sein dürfen ?

    Die weise göttliche Ordnung geht weit über unseren Verstand hinaus und hält unendliche viele Nuancen bereits, das Leben zu erhalten. Die gleichgeschlechtliche anziehung, ob sie nun sexuel, erotisch oder rein freundschftlich geprägt daher kommt, bildet einen notwendigen Kit für das Zusammenleben in der Gemeinschaft.

    Fehlt dieser Zusammenhalt so erhalten die Familien eine Art Festungscharakter und die Gesellschaft zerbröckelt. Auch die erotischen Anziehungen zwischen Frauen untereinander und Männern untereinander bieten erst die Gewähr, dass wir überleben können und zwar in einer noch zu aufzubauenden Welt, wie sie dem Plan des Schöpfers sicherlich näher kommt.

    Jeder erforsche seine Gefühle und mache sein Herz nicht zu einer Mördergrube-

  15. ius_gladisOctober 09, 2008 @ 08:02 PM

    Richtig ,es ist nicht zu leugnen,dass es homosexuell veranlagte Menschen gibt. Das steht oben zu lesen in Ihren Ausführungen. Wenn diese Veranlagung also vorhanden ist ,wie können Sie dann sagen ,das Homosexualität nicht der menschlichen Natur entspricht? Argumentum ad absurdum. Gott (Allah oder JWH , je nach Belieben) hat die Schöpfung mit Vielfalt gesegnet hat ,es dem Menschen in seiner VERANLAGUNG mitgegeben sich verschieden zu entwickeln denn varatio deletact . Wie kann ein gläubiger Mensch diese wunderbare Vielfalt der Dinge, der Welt an sich kritisieren? Wo diese Vielfalt unserer Veranlagung entspricht? Einer Veranlagung die der Gestaltung durch den Herrn zugrunde liegt. Varatio deletact.

  16. MynonusMarch 01, 2009 @ 09:17 AM

    Guten Tag allerseits,

    beim Lesen des obigen Artikels ist mir – ja – kalt geworden. Ich habe mich erschrocken über die mittelalterliche Weltsicht, die noch heute so stark vertreten wird. Ist es dem Menschen nicht seine Freiheit, wie er lebt und liebt? Eine sogenannte “Abänderung der Norm” ist die Bezeichnung für Homosexualität aus dem Munde eines Menschen, der im dritten Reich gut Karriere hätte machen können.

    Wie kann man so denken? Nun gut, es ist nicht so, dass ich diesen Ansichten intolerant gegenüberstehe. Ich weiß darum und muss es hinnehmen. Aber ich kann es wahrhaft nicht nachvollziehen. Das Schwert des Rechtes ist da, wie ich lese, weitaus fortschrittlicher gesinnt.

    Ich habe nichts gegen einen gesunden Verstand, aber etwas gegen nicht vorhandenen solchen. Toleranz ist ein hoher Charakterwert, auch im Islam? Ich weiß es nicht, somit ist die Frage nicht rhetorischer Natur. Toleranz gegenüber jeder Gruppe der Bevölkerung macht einen Menschen doch erst zu einem mit klarem Kopf.

    Soviel dazu. Ich hoffe, mein Kommentar wird nicht zu sehr beleidigend aufgefasst, sondern vielmehr als Anregung, über diesen Aspekt vielleicht einmal mehr nachzudenken.

    Mit freundlichem Gruß,

    Mynonus

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