Gegen den Sprachchauvinismus schlecht Deutsch Sprechender
Weil das für Allah reservierte arabische al-quddûs mit »heilig« übersetzt werden kann, wollen deutschsprechende Muslime es (sich) verbieten, die auf arabisch so genannten awliyâ’, die »Freunde (Gottes)«, auf deutsch »Heilige« zu nennen. – Hier soll gezeigt werden, daß, wer jenem Vorschlag folgt, nicht frommer wird, sondern nur schlechteres Deutsch spricht, und es nur umgekehrt Sinn hätte, davor zu warnen, das arabische quddûs in allen Zusammenhängen zu gebrauchen, in denen das deutsche »heilig« einen guten Sinn bezeugt.
Spricht man unter Muslimen über »Heilige«, kommt sofort Kritik. Das Wort dürfe man nur für Allah verwenden: »Denn Heilig ist für mich«, so wird gesagt, »nur Allah. Wie einer seiner 99 Namen bestätigt. al-quddûs = Der Heiligste. Also, welcher Sterbliche will sich mit Allah auf eine Stufe stellen?« Derselben Meinung ist auch ein Bruder aus Trebbus, der meint: »Obwohl das Wort Weli immer wieder mit ,Heiliger‘, der ,Heilige‘, Auwliyah mit ,die Heiligen‘, übersetzt wird, ist diese Übersetzung zu verwerfen, zumal der Begriff eindeutig besetzt ist und sich der Vergleich mit den ,Heiligen‘ der kath. Kirche zwangsläufig ergiebt.«
So sehr der Vorschlag zur Regelung des Sprachgebrauchs auf den ersten Blick auch einleuchten möchte, habe ich mit ihm ein Problem, und viele in Deutschland lebende Muslime werden es mit mir teilen, besonders diejenigen, die Deutsch als Muttersprache sprechen und mit deren Vielschichtigkeit und Feinheiten vertraut sind. Denn, einmal näher besehen, erweist sich jener Versuch der Sprachregelung als unangemessen, irreführend und unbarmherzig. Wer könnte behaupten, daß, nur weil das für Allah reservierte quddûs im Deutschen zur Not mit »heilig« oder »am heiligsten« übersetzt wird, dieses umgekehrt mit quddûs gleichgesetzt und ansonsten aus deutsch-muslimischem Sprachgebrauch verbannt werden müßte?
Sieht man genauer hin, erweist sich das gerade Gegenteil als richtig: Es sollte davor gewarnt werden, das arabische »quddûs« in allen Zusammenhängen zu gebrauchen, in denen das deutsche »heilig« einen guten Sinn hat. Mehr nicht.
Vom Wort »heilig« im Deutschen gilt genau dasselbe, was der griechische Philosoph Aristoteles bei Untersuchungen der Bedeutung von Wörtern immer wieder für so viele festgestellt hatte, nämlich pollachos leggetai, es wird in »vielfacher Weise ausgesagt«. Wir kennen die »Heiligen drei Könige«, die »Heilige Mutter Maria«, die »Eisheiligen«, wir kennen die »Heiligen Bücher«, die »Heilige Schrift«. Einige haben noch ein »Heil Hitler!« im Ohr. Wir kennen die Regel des »Heiligen Benedikt von Nursia«, der vor der Zeit des Propheten Muhammad gelebt hat, auf dem der Friede sei, dessen Benediktiner-Orden, so verstanden, älter ist als der Islam. Wir kennen »Abraham von Sancta Clara«, Freunde von uns wohnen in »Sankt Blasien« im Schwarzwald. Nein, es ist völlig falsch, gewachsene Sprache im Sinne jenes oben erwähnten Verdikts so gravierend zu reglementieren, daß das Wort »heilig« nur mit Blick auf Allah verwendet werden darf. Wer diesem Vorschlag folgen will, kann das ja versuchen, er wird dabei aber kein besserer Muslim, er wird dadurch nicht frommer, er spricht dabei nur schlechteres Deutsch. Schlimmer noch, er entwindet in größter Brutalität dem deutschen Sprachgebrauch jenes Zeugnis des Numinosen, das so vielfältig ist. – Die Frage lautet, ob nicht umgekehrt das vielschichtige deutsche »heilig« vor dem arabischen quddûs geschützt werden muß.
Was die auf arabisch so genannten eben schon erwähnten awliyâ’, die »Freunde (Gottes)«, betrifft, die wir auf deutsch »Heilige«, auf englisch »saints« oder auf lateinisch »sancti« nennen, so hatte eine Rezensentin der muslimischen Frauenzeitschrift HUDA in der Besprechung des Buches von Hagar Spohr, Die Reise nach Mekka, einen solchen Sprachgebrauch gerügt: Es gäbe keine »Heiligen« im Islam, sondern nur awliyâ’, was »Freunde Gottes« bedeutete.
Da kann ich nur sagen: Ja Kinder, was ist denn das? Sollen wir als deutsche Muslime jetzt gezwungen werden, aufzuhören, Deutsch zu sprechen, wie es beispielsweise der Bruder Amir Zaidan – in seiner irreführender Weise tafsir genannten Koranübersetzung übernimmt er häufig einfach das arabische Wort, statt es ins Deutsche zu übersetzen – ja ausdrücklich vertritt? Und sind wir genötigt, anzufangen, Arabisch zu sprechen, bloß weil aus arabischen Ländern Leute zu uns kommen, die zwar Arabisch, aber nicht richtig Deutsch sprechen? – Als besonders schmerzhaft empfinde ich hier die Haltung einiger muttersprachlicher Deutscher unter den Muslimen, die die Sache nicht ordentlich durchschauen.
Natürlich gibt es Heilige, die auf arabisch »awliyâ’« genannt werden. Das Wort »Heilige« steht im Deutschen eben in ganz anderen Zusammenhängen als jenes quddûs oder qiddis oder kaddesch im Arabischen oder Hebräischen, zum Beispiel in schönem etymologischen Zusammenhang mit dem »Heil«, der »Heilung« und dem »Heilsamen«. Man sagt im Deutschen: »Das zerbrochene Spielzeug ist wieder heil!« Al-hamdu li-llah ist das zerbrochene Spielzeug wieder heil. Diese Konnotationen hat das Wort awliyâ’ als Plural von walî nicht, was ja »Freund« bedeutet. Aber es ist doch auch für Muslime eine wunderbare Bereicherung, wenn die deutschsprachigen awliyâ’, nämlich die so genannten »Heiligen«, sich in der Sprachfamilie des Gegenteils von »zerbrochen« oder »kaputt« aufhalten. Das ist doch wahr und gut und schön!
Welch unbarmherziger Mensch, der uns den Gebrauch der deutschen Sprache verzichten machen wollte, die so segensreich das »Heilende« und »Heilsame« konnotiert, wenn sie von jenen wunderbaren Menschen spricht, die der Araber awliyâ’ nennt! Jener Vorschlag, auf die Verwendung des Wortes »heilig« zu verzichten, weil »heilig« gleichbedeutend mit quddûs (qiddis) wäre und das nur für Allah gelte, erweist sich, näher besehen, als unsinnig und läuft in der Halsstarrigkeit, mit der er vertreten wird, auf eine Art von Sprachfaschismus hinaus.
Nein, es ist falsch und dumm, das Wort »heilig« im Sinne des arabischen quddûs zu verkürzen, da es in vielfachem Gebrauch der deutschen Sprache seinen Segen, sein »Heil« entfaltet. Statt eine Vokabelbedeutung von quddûs, nämlich »heilig« zu nehmen und seinen Gebrauch im Sinne von quddûs zu beschränken, ohne den lebendig gewachsenen vielfältigen Gebrauch des Wortes »heilig« zu respektieren, gelte es, das arabische Wort quddûs in seiner Etymologie einmal aufzuschließen und im Rahmen seiner Familienähnlichkeiten näher zu bestimmen. So wäre es richtig. Gerade weil al-quddûs einer der 99 Schönen Namen Allâhs ist, sollte man besonders sorgfältig prüfen, ob das vielschichtige »heilig« überhaupt das rechte deutsche Wort für es ist, – daran sind deutliche Zweifel angebracht – und im übrigen davor warnen, in bezug auf die Heiligen oder die Heiligen Schriften oder in bezug auf sonst alles mit dem Wort »heilig« Bezeichnete das Wort quddûs zu verwenden. Mehr aber darf, unter Brüdern (und Schwestern), wohl nicht erlaubt sein.
Amir Zaidan hat viel für ein Verständnis des Islam in deutscher Sprache getan. Es ist nicht sinnvoll, alle Begriffe zu übersetzen. Din bleibt eben Din, nur dass wir eben wissen, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Warum sollte Din Religion sein? Es geht nicht.
Ich bin der Meinung, dass es keine “Heiligen” im Islam gibt. Wir alle sind nur Menschen, Geschöpfe Allahs.
Das Problem dabei ist doch: das Christliche Verständniss von Heiligen stellt sich Wunder wirkende Menschen vor, die irgendwie mehr Macht haben über die Schöpfung als andere…was dem Islam völlig zuwieder läuft. Einen Heiligen als jemanden anzusehen, der Wunder mit Hilfe, Erlaubniss und vor allem im Auftrag Gottes bewirkt hingegen ist unbedenklich…Gott versorgt wen er will, womit er will…
” ... der Wunder mit Hilfe, Erlaubniss und vor allem im Auftrag Gottes bewirkt hingegen ist unbedenklich…Gott versorgt wen er will, womit er will…”
Das halte ich jedoch schon für bedenklich.
Inwiefern? Solange einer nicht Behauptet:”Ich habe ein Wunder bewirkt…” sondern :”Gott hat dieses Wunder bewirkt, ich bin sein Diener…”, ist doch alles in Ordnung… mit Mohammed (saw) hat Gott viele Wunder Bewirkt.
@ Zahiruddin
Klar, hat Amir Zaidan viel für den Islam getan, ich kenne ihn gut, und ich schätze ihn, und wir haben einige Fragen privat und auch öffentlich kontrovers diskutuiert, und wir habenin diesem Punkt eben haben wir völlig unterschiedliche Ansätze, wa sja kein Beinbruch zu sein hat. Und wenn ich mir seine Übersetzung von beispielsweise suratu l-ikhlâs ansehe, kann ich als Verleger und Textbegeisterter nur sagen: Es tut mir leid, aber dafür, anstelle von Übersetzungen nur das arabische Wort stehenzulassen, habe ich kein Verständnis, und zwar nicht weil ich es nicht verstünde, sondern gerade weil ich es verstehe. Das arabische Wort brauchen wir nicht auch noch im deutschen Text, denn wir haben es ja schon im arabischen Text. Es gibt sehr schöne Übersetzungen dieser kleinen Sure. Selbstverständlich ist eine Übersetzung eben nur eine Übersetzung. Wir wissen, daß der Koran auf arabisch geoffenbart wurde, was in ihm selbst ja auch gesagt wird. Das heißt, es gibt nur einen Koran, den arabischer Sprache. Und wenn es wahr ist, daß jeder einzelne Vers unendlich viele Bedeutungen hat – und ich glaube dem, der das gesagt hat -, dann sollen wir als Übersetzer dieses Wunderwerks nicht so tun, als wären es nur bestimmte Ausdrücke, die wir nicht ins Deutsche übersetzen könnten und deshalb in der arabischen Fassung stehen lassen müßten, während die anderen alle genau treffend wären. Nein. Nicht nur ist jede Art von Übersetzung immer auch ein Wagnis, zu dem Mut und besondere Kenntnis der Sprache verlangt wird, in die hinein übersetzt wird, sondern der Koran ist auch noch einmal ein ganz besonderes Buch. Pflegen wir im Verlag das eherne Prinzip, daß nur jemand aus irgend fremden Sprache ins Deutsche übersetzen sollte, wenn Deutsch seine Muttersprache ist, so gilt das selbstverständlich auch für den Koran. Amir Zaidan wäre aus diesem Grund schon bei einem Normaltext als Übersetzer ins Deutsche abzulehnen, weil Deutsch nicht seine Muttersprache ist.
Und was dein Beispiel angeht: Innerhalb eines deutschen Texten plötzlich vom “Din” zu sprechen, den es zu beachten gelte, halte ich nachgerade für affig, zumal in diesem Falle der Verdacht besteht, die Ablehnung des Wortes “Religion” sei etwas voreilig gewesen, da man vielleicht gar nicht einmal so genau weiß, was es in seinem etymologischen Umfeld eigentlich bedeute. Eines muß man hier beachten: Dasselbe analytische Verfahren, mit dem man die Bedeutungsvielfalt von din entfaltet, sollte gerechterweise auch dem Wort zugute kommen, das wir bislang im Abendland für “Din” verwendet haben, nämlich “Religion”. So lange das nicht geschehen ist – und es ist nicht geschehen! -, muß jene Substitution von “din” für “Religion” zumindest voreilig sein.
Und wenn du sagst, da seiest der Meinung, es gebe keine “Heiligen” im Islam, so kann ein jeder, dem solche sehr wohl schon einmal begegnet sind – daß wir alle Geschöpfe sind ist ist ja schon trivialerweise wahr – , sagen: “Mein Lieber, was willst du das Gegenteil von dem glauben, was ich weiß!”
Beim Übersetzen von Begriffen, die so bedeutungsschwer sind wie “Din” ist die Problematik doch, das es mit dem Wort “Religion” zwar gemeinsame Schnittmengen hat, aber eben nicht deckungsgleich ist. Ebenso wie das Arabische Glauben, ein festes Wissen miteinbezieht, wärend in Europa der Glauben dort beginnt, wo das Wissen endet.
Lieber Hamza, ich will mich – as-salamu alaikum – ja gar nicht darauf festlegen, ob »Religion« das passende Wort ist, mit dem din wiederzugeben wäre, ich will nur die Aufmerksamkeit darauf lenken, daß die im deutschen bzw. europäischen Sprachraum benutzten Wörter ein Recht darauf haben, mit derselben Sorgfalt behandelt zu werden wie die arabischen. Vielleicht ist ja das passende Wort das deutsche »Glaube«, von dem wir in oberflächlicher Weise vielleicht annehmen, wir kennten es. – Anold Wadler hatte gemeint, es sei etymologisch eng mit mit dem arabischen Wort für »Herz«, nämlich qalb verwandt, ein Zusammenhang der ja beispielsweise im Lateinischen mit »cor, cordis« (Herz) und »credo« (glauben) in einer und derselben Sprache waltet. – Versteht ihr, daß ich den Eindruck habe, wir würden die Schätze, die in unserer eigenen Sprache liegen, aus Nachlässigkeit oder weil wir glauben, wir wüßten schon, was es mit ihnen auf sich hätte, gering schätzen. – Unser Prophet hat gesagt, die Liebe zur Heimat sei ein Zeichen des Glaubens. Ich bin sicher, das gilt auch für die Heimat im Sprachlichen. Vielleicht wäre ja »Glaube« recht als eine Herzenssache verstanden, wo auch eine bestimmte Form von Gewißheit bzw. eine schöne Form von Bestimmtheit nicht fern zu sein brauchte, das passende deutsche Wort für das arabische din. – Ich glaub, das sollten wir bei passender Gelegenheit einmal genauer untersuchen.
@ Salim
Asallam Aleikum
Mir ist aufgefallen, je mehr Sprachen einer beherrscht, desto leichter tut er sich damit die Wörter der einzelnen Sprachen von ihrem Bedeutungsfeld her zu erkennen. Ich mache gerne Werbung dafür, Leute lernt so viele verschiedene Sprachen wie ihr eben nur könnt, das hilft euch vor allem die eigene Sprache besser zu verstehen…und zu benutzen.
Und es hilft enorm, in die Denkstruckturen anderer Menschen einzusteigen, denn die Sprache bestimmt, wie wir denken.
@ Salim as-salamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuh
Ein “Heiliger” ist das Produkt unserer Vorstellungen. Diese Vorstellungen entstammen einem volkstümlichen Verständnis des Islam bzw. entsteht aus diversen Richtungen des tasawwuf.
Sicher, es gibt Autoritäten unter den Gelehrten, die eine Ausstrahlung auf die anderen Muslime ausstrahlen. In diesem Zusammenhang von “Heiligen” zu sprechen halte ich jedoch für überzogen.
Glaube und diin sind mir dann schließlich doch zu unterschiedlich, als dass sie ein Begriffspaar bilden könnten. Glaube passt doch eher zum Imaan, oder?
wa s-salamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuh
Zahiruddin
@Zahiruddin
Ja, damit ist aber der innere Glaube, quasi die “Festund des Geistes” gemeint. Wenn einer sagt, mein Glaube ist das Christentum, dann passt Diin eher als Übersetzung…wie gesagt, die Bedeutungen sind nicht Deckungsgleich.
Zahiruddin, as-salamu alaikum, In dem Sinne, in dem ein »Heiliger« etwas ist, an dem wir durch unsere Vorstellungen al Mitproduzenten beteiligt sind, gilt das für alles und jedes, das wir zum Gegenstand der Erkenntnis gewinnen und worüber wir sprechen können. Zugleich gilt: Ein “Heiliger” ist kein bloßes Produkt unserer Vorstellungen, wenn es ihn wirklich gibt.
Gerade wollte ich das noch einmal dir sagen, wovon ich geglaubt hatte, es einem anderen schon gesagt zu haben, nämlich – »Und wenn du sagst, da seiest der Meinung, es gebe keine “Heiligen” im Islam, so kann ein jeder, dem solche sehr wohl schon einmal begegnet sind – daß wir alle Geschöpfe sind ist ist ja schon trivialerweise wahr – , sagen: “Mein Lieber, was willst du das Gegenteil von dem glauben, was ich weiß!”« -, doch stelle ich fest, daß du es warst, dem ich das oben schon gesagt hatte. – Das aber ist eine Enttäuschung: Was sollte es für einen Sinn haben, dir etwas zu sagen, von dem ich annehmen muß, daß es gar nicht bei dir ankommt?? – Nichts für Ungut.
wa alaikum as-salam Wenn die besagten awliyaa nun besonders gottesfürchtige Leute sind, verstehe ich nicht, warum wir hierfür die Bezeichnung ‘Heilige’ benötigen. Der Begriff des Heiligen rückt jemanden, der damit bezeichnet oder ausgezeichnet wird, in eine Nähe, die es so nicht geben kann. Letztendlich sind wir Menschen es, die jemanden zum Heiligen machen.
Du redest wie ein Blinder von der Farbe. Unser Sheikh besuchte, wenn er durch die Schweiz fuhr, zumeist das Grab des Nikolaus von Flüheli, der, wie er sagte, ihn gebeten hatte, ihn zu besuchen. Ich nehme an, daß du, protestantisch erzogen, jetzt irgendwelchen Salafis in die Hände gefallen bist. Das paßt ja gut. Es sieht so aus, daß du weder die Heiligen des Christentums noch die des Islams verstehst. Du sschreibst, du verstehst nicht, warum wir “benötigten”. Ich sage: Ja, du verstehst nicht, du verstehst nicht einmal, daß von “benötigen” nirgendwo die Rede war. Ich sage: Der Gebrauch von “Heiliger” oder “saints” ist mit Blick auf die Auliyya berechtigt und schön. Es besteht keine Notwendigkeit, auf diese Wörter zu verzichten. Aber was sage ich; wenn du den Hauptartikel nicht einmal gelesen hast, wirst du das hier auch nicht richtig lesen.
Ich bin weder protestantisch erzogen noch in die Hände der Salafis gefallen. Ich bin ganz einfach nur ‘Abd ALLAHS. Ich komme aus der DDR und dort gab es so etwas wie Kirche und Religion kaum. Ich bin ALLAH dankbar, dass er mir den Weg zum ISLAm gezeigt hat. Das Konzept der “heiligen” Menschen lehne ich ab. Ich beziehe mich in meinen Handlungen nur auf ALLAH subhana wa ta’ala und auf das Vorbild seines letzten Gesandten salla ALLAHU alihi wa salam. Sicherlich gibt es im Islam, Personen, die durch besondere taqwa, durch ihr Wissen usw. einen bedeutenden Platz im Gedächtnis der Menschen einnehmen, aber sie sogleich zu “Heiligen” zu erklären, halte ich für eine uns nicht zustehende Anmaßung. Das Konzept des Heiligen entstammt dem Christentum und ist durch menschliche Aktion entstanden, da man etwas brauchte, was die Religion nicht bieten konnte. Im Islam kann jeder selbst aktiv werden und über die Intensität und Qualität seiner Ibadaat seinen Imaan stärken. Wir brauchen keine lokalen Heiligen, so wie wir dies im katholischen Christentum häufig finden.
V. Zum Christlichen Sanctus:
1. Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr! Heilig, heilig, heilig, heilig ist nur Er, Er, der nie begonnen, Er der immer war, ewig ist und waltet, sein wird immer dar. 2. Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr! Heilig, heilig, heilig, heilig ist nur Er. Allmacht, Wunder, Liebe, Alles ringsum her! Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr!
Unsere Diskurs unter Muslimen im Muslim-Markt
Die Wortwurzel “quds” komm im Heiligen Qur’an 9 Mal vor (und weitere Male in abgewandelter Form). z.B. in 2:87 wo Musa (a.s.) gestärkt wird mit dem “ruh-il-quddus”, was hier allein schon aus dem grammatikalischen Kontext heraus nicht Gott sein kann, da Er der Stärkende ist. Die gleiche Stärkung erhält auch der Prophet Isa (a.s.) in 5:110. Und in 16:103 wird es sehr deutlich das der Heilige Geist es “mir-rabbika” herabsendet, also von seinem Herrn, und daher kann das “Heilige” hier, was immer es auch ist, nicht Gott selbst sein. Dennoch ist es klar, daß wir dieses nicht anbeten.
In Vers 59:23 und 62:1 wird eindeutig Allah als “der Heilige” bezeichnet. Aber so ein Name Allahs ist lediglich eine aus menschlicher Sicht unvollständige Beschreibung Gottes, die nur in Ihrer vollkommenen Art Gott selbst wiedergibt. Zahlreiche Namen Allahs werden als Eigenschaften auch Menschen zugesprochen, wie z.B. Barmherzigkeit usw. Daher wäre es keine Ausnahme, wenn die Heiligkeit auch anderen Wesen zugesprochen wird. Der Unterschied ist nur, dass nur Gott alle diese Eigenschaften in der vollständigen unbegrenzten und vollkommenen Art erfüllt, während andere Wesen sie nur in der jeweils begrenzten Art erfüllen können.
Heiligkeit bedeutet nicht die Anbetungswürdigkeit sondern eine Stufe des Wesens gegenüber dem Schöpfer, denn während Gott von sich aus Heilig ist, kann jedes andere Wesen nur von Gott geheiligt sein, wie z.B das Heilige Tal “Tuwa” (siehe 20:12 und 79:16), das von Gott geheiligt ist, wie viele andere Orte der Welt auch, wie z.B. das bait-ul-muqaddas.
Die Engel selbst “heiligen” Gott “nukaddis, weil Gott Ihnen die Erlaubnis dazu gegeben hat.
Wenn es also z.B. ein heiliges Land gibt, wie in 5:21 “al ardh muqaddisa” und wir gleichzeitig aber wissen, das der Prohet das höchste aller Geschöpfe ist, höher als alles andere geschaffene, so ist es aus Sicht der Religion überhaupt kein Problem, unseren Propheten “Heilig” zu nennen.
Im Deutsche Sprachgebrauch ist der Grund nicht eine genaue oder weniger genaue Übersetzung sondern die schlichte Tatsache, dass “edler Qur’an” oder “edler Prophet” usw. im Deutschen einfach “komisch” klingt.
Wir Muslime beten unseren Prophet Mohammad alayhi alsalatu wa alsalaam nicht an; wir beten nur ALLAH an. Muslime dürfen nichts anderes anbeten als Gott. Heilig aber bedeutet im Deutschen nicht unbedingt “anbetungswürdig”, wenn z.b. der Papst jemanden “heilig” spricht (obwohl er das sicher nicht tun sollte), dann beten die Katholiken diese Person nicht an. Und wenn von einem Heiligen Wallfahrtsort die Rede ist, so wird nicht der Ort angebetet.
Der Prophet ist der “seyyid un kainat”, das Höchste aller geschaffen Wesen. Wenn es irgendetwas anderes Geschaffenes auf Erden oder im Himmel gibt, was Heiig ist, dann ist unser Prophet (s.) mehr.
als erstes gilt wie so oft: “lakum dinukum wa liya din” mein bisheriges verständnis vom islam ist, dass es kein konzept des “heiligen” gibt wie es im christentum oder in anderen religionen (wie z.B dem hinduismus) gibt. von unserem prophet (sas) wurde dies nicht erwähnt und hat sich in der geschichte des islam kaum etabliert, al hamdulillah!
ich finde auch sehr gewagt zu behaupten “natürlich gibt es heilige im islam”. da fehlt meiner ansicht nach der zweite teil vom satz der lauten könnte: “wenn ich eine sehr gewagte rekonstruktion der wirklichkeit erstelle.” es ist so als würde man behaupten: “natürlich gibt es ein klerus im islam”. traurig finde ich in dieser diskussion dass sich mal wieder zeigt wer eine andere meinung vertritt als der autor gleich als “salafist” bezeichnet wird. das ewige problem mit den etiquetten die vergeben werden, gerade von anderen suchenden die selbst noch schüler sind im der schule des lebens. wer glaubt alles zu wissen oder glaubt sich besonders gut in eloquenter sprache auszudrücken, muss möglicherweise auch mal demut lernen und über den satz nachdenken: ” ich weiß, dass ich nichts weiß”. möge Allah uns rechtleiten und uns vor hochmut bewahren.
Heiligkeit bedeutet NICHT die Anbetungswürdigkeit, sondern eine Stufe des Wesens gegenüber dem Schöpfer
Dachte, dies wäre klar (ausgedrückt)!
Hier beim Thema geht es um:
- Wissen - Sprachverständnis - Gegensatz von Hochmut und Demut
Und wer meinen obigen Beitrag genau liest, wird ja feststellen, dass es durchaus CHRISTLICHES Verständnis ist, zu sagen “HEILIG ist nur ER (GOTT)”.
Womit allerdings die ANBETUNGSWÜRDIGKEIT gemeint ist. Dennoch gibt es im Christentum “HEILIGE”, die allerdings ebenfalls nur von den Geschwistern “Einfalt” angebetet werden. Allerdings wird “zu” den Heiligen gebetet, um Fürsprache bei Gott für den Bittenden einzulegen.
Aus dem Grunde dieser ständigen “Vermischung” von Begriffen und zugeordneten Inhalten und darausfolgender inkohärenter Glaubenspraxis – spricht man “von im Irrtum Verlorenen”.
Muslime müssen diesem WIRKLICH NICHT folgen.
Wenn es ein HEILIGES TAL (im Qur’an) gibt, warum bitte, sollte es dann nicht einen oder mehrere heilige Menschen geben?
Es gibt keine heiligen Menschen im Islam. Oder meinst du die Heiligen, zu denen in der Türkei oder Pakistan und Indien die Menschen ‘pilgern’? Wenn dies mit den Heiligen so wäre, warum kommt denn die Bezeichnnug fulan muqaddas nie vor?