Konfuzius hatte einst damit überrascht, daß er das erste, was er bei Angriff der Regierungsgeschäfte übernehmen wollte, die Richtigstellung der Begriffe wäre.
Alle reden von heute von al-qâ‘ida, und Peter Scholl-Latour spricht es in schöner Weise aus. Er kann Arabisch. Trotzdem scheint es im Gebrauch dieses Wortes eine gewisse Genanterie zu geben, eine Zögerlichkeit, die auf den ersten Blick verwundern muß. Näher besehen indes scheint es für sie einen guten Grund zu geben.
Denn nimmt man das Wort gerade auch in seinem etymologischen Umfeld einmal genauer in den Blick, ergeben sich ernsthafte Zweifel daran, daß ein muttersprachlicher Araber dieses Wort zur Kennzeichnung einer Terrororganisation verwendet haben könnte. Ein Blick in die Sprachfamilie um qa‘ada = »sich setzen«, »sich niedersetzen«; »sitzen«; »sitzen bleiben« läßt nämlich vielmehr gerade Bedeutungen hervortreten, die mit dem Anspruch einer solchen Organisation nicht nur nicht vereinbar sind, sondern ihm nachgerade widersprechen.
Neben der Affinität zum Abtritt, der Kloschüssel, dem Töpfchen gibt es Momente im Sprachgebrauch jenes berüchtigten Wortes – beispielsweise, daß qâ‘i neben »sitzend« auch »untätig«, »müßig«, »faul« bedeutet und qâ‘d ‘an al‘a-mal Leute bezeichnet, die nicht in den Krieg ziehen (qâ‘idûn), »Drückeberger«, wie das Wörterbuch verrät –, welche allesamt den Verdacht erhärten, da habe ein nicht gut arabisch Sprechender diesen ganz und gar unpassenden Namen erfunden. Vielleicht unterlief ihm ja dieses Mallheur, weil das Wort in Verbindung mit solchen des Krieges durchaus Martialisches, beispielsweise »Flottenstützpunkt« (qâ‘ida bahriyya) oder »Operationsbasis« (qâ‘ida harbiya) bedeuten kann, alleinstehend verwendet, aber jenen unheiligen Ort konnotiert.
Dem Einwand »Willst du sagen, daß es die damit bezeichneten Terroristen etwa nicht gäbe!« ist zu entgegnen, daß, wie Scherben einer am Boden zerschellten Porzellantasse sicher nicht mehr unter dem Begriff einer »Tasse« zum Objekt der Erkenntnis zu gewinnen sind – vieles ist nichts (Aristoteles) –, »al-Qâ‘ida« mit der Erfundenheit des Wortes überraschenderweise nun selbst insofern zur Fiktion wird, als es trotz der gar nicht bestrittenen Existenz verschiedener Terrorgrüppchen die sie zu einem Ganzen verbindende Einheit nicht zu geben scheint, das Wort von einem schlecht arabisch sprechenden Mitarbeiter der größten Terrororganisation der Welt, der C. I. A. vielmehr beispielsweise genau zu dem Zweck erfunden worden sein könnte, der divergierenden Vielfalt an Terrororganisationen endlich einen sie einigenden Namen zu geben und um die dringend gebrauchte Fiktion herum, dem Gegenstück zur C. I. A., endlich eine entsprechende Propaganda aufzubauen.
Daß es tatsächlich »al-Qâ‘ida«-Bekennerschreiben zu geben scheint, muß dem oben Ausgeführten gar nicht widersprechen, könnten versprengte Gruppen das schöne PR-Angebot inzwischen doch im Sinne von »Wir sind wieder wer!« dankbar nutzen.
Konfuzius’ Absicht, bei Aufnahme der Regierungsgeschäfte als erstes eine Neuordnung der Begriffe zu veranlassen, war gut und richtig gewesen, ganz gleich wie wunderschön später ein Peter Scholl-Latour das Wort al-qâ‘ida_ aussprechen würde.
Ebenso gut könnte es sein, das ein Afghane diesen Begriff geprägt hat, oder ein Iraner, Pakistaner oder Philipino. Salim, ich bitte dich, liefere doch diesem Verschwörungs-Wahn keine Steilvorlagen…
Warum, lieber Hamza – as-salamu alaikum -, denn so hektisch!! Allein, wenn es wahr ist, daß das Wort seines sprachlichen Eigensinnes wegen nicht von einem muttersprachlicen Araber zur Kennzeichnung einer Terrororganisation gewählt worden sein kann, ist das doch der Hammer! – Statt nun in vorauseilendem Gehorsam Wasser in die nahrhafte Suppe zu gießen und völlig voreilig abzuwiegeln, sollte man diesen Sachverhalt zunächst einmal ein wenig sacken lassen. – Welche Deutungen sich dann daran anschließen mögen, ist eine zweite Frage. Indes gilt vor dem Hintergrund der klassischen Bedeutung des »cui bono?«, daß der Verdacht zunächst auf solche fällt, die einen Vorteil davon haben. Wassalam, Salim.
Ich sehe bei Ihrer Interpretation der Begriffe nichts widersprüchliches zu den verbreiteten Übersetzungen: “solide Basis” und “die Sitzende”.
Sie schieben den Schwerpunkt nur auf andere Wortverwandschaften. Es ergibt sich aber kein harter Widerspruch.
Der Begriff “al-Qaida al-sulba” soll das erste Mal 1988 von Scheich Dr. Abdallah Yusuf Azzam in der Zeitschrift al-Dschihad benutzt worden sein.
Laut Wikipedia ist er im Westjordanland geboren und war ein palästinensischer islamistischer Theologe und Mentor von Osama bin Laden.
Deine Theorie, Salim; lautet in kurz also: CIA braucht drinngend einen greifbaren Feind, und “erdichtet” sich die al-Quaida. Die “Terrorgrüpchen”, die es schon gab haben das dankbar aufgegriffen, und bezeichneten sich von nun an so. Darum hat der CIA also die Terrorgruppen erschaffen…?
Klingt für mich nicht Logisch.
Bei aller Liebe zu einem Bruder, aber das hält nichtmal dem ersten Blick stand (geschweige den den folgenden, wie Leeza uns so eindrucksvoll demonstriert hat).
@ Hamza, was sagst du, das hielte weder dem ersten noch dem zweiten Blick statt, und was glaubst du, habe Leeza so “eindrucksvoll demonstriert”? – Meinst du ihren Verweis auf den Wikepedia-Eintrag? – Was ist daran eindrucksvoll? – du solltest besser aufpassen, daß du eine geöffnete Kursivierung auch wieder schließt, sonst bleibt diese Datei verdorben.
@ Leeza. Ich habe nicht gemeint, daß es einen “harten” Widerspruch in der Sippschaft der Familienähnlichkeiten in punkto Bedeutung gibt. Nein, der Witz ist ja gerade, daß es schon zwar so stimmt mit der “Liste”, daß aber die atmosphärische Umgebung im Umfelde – “Abtritt”, “Faulheit”, “nicht in den Krieg ziehen” – es einem muttersprachlichen Araber niemals erlaubt hätte, das Wort für eine Terrororganisation zu verwenden, die all das ja nicht sein darf. Ich sage nicht, daß das Wort völlig falsch ist. Nein. Es hat ja auch gute Gründe gegeben, daß man es zur Kennzeichnung einer Terrororganisation ausgewählt hatte. Die Sache ist nur die, daß jenes etymologische Bedeutungsumfeld ein Licht darauf wirft, wer es vermutlich war, der es gewählt hat bzw. nurmehr gewählt haben kann. Daß das einer gewesen sein muß, der nicht richtig Arabisch konnte. Ben Ladin uns sein Freund, den du erwähnst, waren zu der von dir erwähnten Zeit Söldner der C.I.A. gewesen.
Wie sie Hamza behandeln, wirft kein gutes Licht auf Sie, Salim. Sie sind von Stolz ja geradezu beherrscht. Ich bin mir sicher, das ihre Art und Weise sich zu überheben, nichts mit ihrem Glauben zu tun hat. Menschen, wie Sie erlebe ich auch im christlichen oder atheistischen Umfeld.
Aber zur Sache:
Sie halten sich mit einer Kleinigkeit auf und stecken wieder unglaublich viel Zeit und Energie in ein Thema, über das Sie sagen, das Sie gar keine Nähe zu ihm haben. Das die USA über den pakistanischen Geheimdienst auch die ersten Zellen der heutigen Taliban gegen die Sovjets unterstützten, ist kein Geheimnis. Aber da Scheich Dr. Abdallah Yusuf Azzam durchaus der arabischen Sprache fähig war und diesen Begriff zuerst benutzt hat, ist wohl nicht davon auszugehen, das er einfach so ein falsch diktiertes Wort übernehmen würde.
Ja, Leeza, Sie haben recht. Ich stecke viel zu viel Zeit darin, dieses neue islampress ein bißchen in Schwung zu bringen. Und was Hamza betrifft, bin ich sicher zu ungeduldig hochfahrend gewesen. – astaghfirullah! – Ich sehe, daß Sie wirklich einen scharfen Blick haben, mein Kompliment. Peinlich, peinlich für einen vom Stolz Beherrschten, so durchschaut zu werden!! Daß die Datei typographisch versaut ist, weil Hamza die Kursivierung nicht abgeschlossen hatte, ist natürlich blöd, hätte vom System aber, das ich auf textileTextformatierung umgestellt hatte, verhindert werden müssen.
Zur Sache: Wieso vertrauen Sie diesem Wiki-Eintrag? Daß Dr. Abdullah den Ausdruck “wahrscheinlich” (Wiki) zum ersten Mal gebraucht hätte, wird vermutet, aber nichts Genaues weiß man nicht. Ich halte es auch für sehr schwierig, so etwas zu rekonstruieren. Der Gebrauch von al-Qaida al-sulba durch ihn macht als Gesamtausdruck allerdings ebenso einen guten Sinn wie die im Artikel oben gebrauchten für »Flottenstützpunkt« (qâ‘ida bahriyya) oder »Operationsbasis« (qâ‘ida harbiya), während al-qâ‘ida, für sich allein stehend, sehr schnell von jenen Konnotationen eingeholt wird, die das Wort eigentlich untauglich machen, einer Terrororganisation den Namen zu geben. Andererseits könnte es sich zu einer Kurzform des ursprünglichen al-Qaida al-sulba entwickelt haben, so daß es, im Sinne der Lanform verstanden, wieder eher arabisch genießbar wurde. Andererseits muß das neue Wort ja mit dem alten Gebrauch nicht eigentlich etwas zu tun haben. Ich gebe zu, die Lage ist viel schwieriger, als ich zuerst gedacht hatte.
Sollte die Wiki-Geschichte stimmen bzw. daran anschließend wirklich ein Muttersprachler den Namen zum Firmennamen eines Terrornetzwerks gewählt haben, dann gäbe es – das wäre ja ein Trost – immer noch eine schöne Ironie dieses Namens in der Konnotation von Abtritt, Töpfchen und Faulheit, sie fände dann nur innerhalb dieses Clubs der Verrückten selber statt. Ich habe aber Zweifel an der Wiki-Geschichte, die mir doch zu glatt und legendenbildnerisch daherkommt.
Entschuldigung, was ist Kursivierung, und warum habe ich irgendwelche Daten versaut?
Ein wenig verunsichert bin ich schon, wo ich da jetzt reingetreten bin…hoffentlich niemandem auf die Füße…
Kursivierung? Waswiewieso? Was hab ich damit zu tun, ich beherrsche sowas nicht…Tut mir Leid, wenn das irgendwie Probleme macht.
Aber zur Sache, wie sich das Kind nun nennt, und wer es so gennant hat, ändert ja nichts an deren Irrleitung. Aber ganz abwegig ist der Gedanke nicht, daß das was sie tun, und wie sie es tun, ihnen von unser aller Lieblingsgeheimdienst beigebracht worden ist. Staatszersetzende Maßnahmen haben beim CIA ja gute, alte Tradition…
@ Leeza Danke für die Unterstützung, wir alle müßen uns in Demut üben, hamduIllah.
@ Salim Danke für die Einsicht, ich neige auch oft dazu aus der Haut zu fahren, wenn ich meine mein Gegenüber sei uneinsichtig…inshallah werden wir beide geduldiger.
Ich stecke viel zu viel Zeit darin, dieses neue islampress ein bißchen in Schwung zu bringen.
br> Vielleicht wäre es interessanter mehr Themen aus wirklich islamischer Sicht zu betrachten. Zum Beispiel wie der Islam das “westliche Denken” sieht und wie eine perfekte islamische Staatsform und Religionsausübung im Vergleich zur hierigen System aussehen würde. Das hätte erklärenden Charakter und die Menschen könnten verstehe, was sie bisher vielleicht nur vernebelt wahrnehmen.
Daß die Datei typographisch versaut ist, weil Hamza die Kursivierung nicht abgeschlossen hatte, ist natürlich blöd, hätte vom System aber, das ich auf textileTextformatierung umgestellt hatte, verhindert werden müssen.
Nein, Sie selbst haben am Ende ihres Beitrages vergessen Kursivierung abzuschließen ;)
Zur Sache: Wieso vertrauen Sie diesem Wiki-Eintrag? [...] Ich halte es auch für sehr schwierig, so etwas zu rekonstruieren.
Ich werde mir die Mühe mal machen und dem nachgehen.
Ich habe aber Zweifel an der Wiki-Geschichte, die mir doch zu glatt und legendenbildnerisch daherkommt.
Ich habe noch eine weitere Sache gefunden:
br> „Ich muss wirklich lachen, wenn ich das FBI über Al-Qaida als Organisation von Bin Ladin reden höre. Es ist eine ganz simple Geschichte: Wenn Bin Ladin Leute aus Saudi-Arabien oder Kuwait empfing, tat er dies im Gästehaus in Peschawar. Von dort zogen sie auf die Schlachtfelder und kehrten zurück, ohne Dokumentation. Es gab nur einen freundlichen Empfang, und dann gehst du dahin, und nimmst am Krieg teil – eine sehr einfache Organisation. Dann wurde er bedrängt von besorgten Familien, die nach ihren Söhnen fragten – und er wusste es nicht, weil es keine Aufzeichnungen gab. Also ließ er seine Leute in Peschawar Listen über jeden Araber führen, der unter seine Schirmherrschaft kam. Es wurde der Ankunftstag aufgezeichnet und wie lange sie blieben – manche nur für zwei oder drei Wochen, um dann wieder zu verschwinden. Diese Aufzeichnung, diese Dokumentation, wurde Al-Qaida genannt. Das ist Al-Qaida, überhaupt nichts Geheimnisvolles, keine Organisation wie eine Terroristenorganisation oder eine Untergrundgruppe. Für seine eigene Gruppe hat er meines Wissens nie diesen Namen benutzt. Wenn man sie benennen sollte, würde man „Bin-Ladin-Gruppe“ sagen – Al-Qaida ist nur die Liste all der Leute, die irgendwann in das Gästehaus in Peschawar kamen. Insgesamt bestimmt 20-30.000 Leute, die man unmöglich verfolgen kann.“
– Sa’ad al-Faqih: Interview mit Frontline (Quelle)
Bleibt noch zu prüfen, ob dieser Begriff nicht doch schon 1988 benutzt wurde. Alles in allem mag nach bisherigen Stand der Westen den Begriff vielleicht stärker verwendet haben, aber erfunden hat der Westen ihn nicht. Man müsste weiterforschen.
al-qa’ida hat nichts mit dem Wort qa’ada (“sitzen”) mit der Wortwurzel qaf-ayin-dal zu tun, sondern stammt von qâda (“leiten, führen, lenken”) mit der Wortwurzel qaf-waw-dal.
al-qa’id heißt “der Führer”, al-qa’ida heißt “die Führung”.