Ya Wadud oder: Was treibt die Elektronen an?

23.06.2007 von Salim Spohr

Nachdem Scheich Nâzim eine Versammlung mit dem Anrufen des heiligen Namens »ya Wadûd«, eines Namens, der Allahs allumfassende Liebe nennt, beendet hatte, sagte er:

Es gibt kein Ding unter den Geschöpfen, das der Schöpfer haßt. Der Beweis dafür ist ihr Dasein. Wären sie dem Haß Allahs ausgesetzt, könnten sie nicht existieren. Denn alle Schöpfung erscheint kraft Seiner göttlichen Liebe. Er liebt die Geschöpfe, und sie erscheinen. Daher trägt alles Seiende göttliche Liebe in sich.

Wenn ich sage alles, dann ist damit auch alles gemeint. Alles, von den Atomen, den Bausteinen des Universums, bis zu den Menschen, trägt diese Gabe Gottes in sich. Wie ihr wißt, umkreisen die Elektronen den Atomkern mit ungeheurer Geschwindigkeit. Daran ist etwas Seltsames. Wie mir berichtet wurde, hat Albert Einstein einmal dazu bemerkt: »Ich habe vieles verstanden, aber eines ist mir nicht klar geworden. Was verleiht den Elektronen die Energie, den Kern mit solcher Geschwindigkeit zu umkreisen? Woher kommt diese Energie?«

Wir glauben, ja wissen bestimmt, daß alles Seiende lebt. Gemeinhin wird angenommen, daß die Dinge, Steine zum Beispiel, unbelebt sind. Leben wird erst den Pflanzen, Tieren und Menschen zuerkannt. Dies ist aber sehr oberflächlich. In Wirklichkeit nämlich sind selbst die Elektronen, die Herrn Einstein verblüfften, lebendig. Lebendig durch die göttliche Liebe, die ihr Herr in sie gegeben hat und die sie mit Lichtgeschwindigkeit kreisen läßt.

Wir verdanken der Wissenschaft wunderbare Entdeckungen von weitreichender Bedeutung. Sie hat sicherlich ungeahnte Höhen erklommen im Bereich des Beobachtbaren und des durch Experiment Beweisbaren. Aber selbst solch ein umfassender Bereich ist begrenzt, und nur innerhalb dieser Grenzen lassen sich verläßliche Schlüsse ziehen. Wenn ein Wissenschaftler nicht durch Stolz verblendet ist, wird er diese Grenzen anerkennen und somit zugeben, daß gewisse Dinge nicht durch Wissenschaft erklärbar sind.

Wer über die Wissenschaft hinausgelangt, weiß mit Sicherheit, daß es Allah, der Allmächtige, der Herr des Universums, ist, welcher mit Seinem heiligen Namen al-Wadûd (der Liebende) dem Universum Seine göttliche Liebe schenkt. Jene Elektronen umschwirren, trunken von göttlicher Liebe, den Kern. Es ist ihre Art, Allahs Liebe zu bekunden.

Die Wissenschaft vermag einer solchen Erklärung weder zuzustimmen noch sie abzulehnen, denn diese Erscheinung liegt außerhalb ihres Horizontes. Aber unsere Herzen können ihr zustimmen, weil jeder von uns sie in seinem Innern nachprüfen kann. Wir alle haben die Kraft dieser göttlichen Liebe in unseren Herzen. Sie wartet nur darauf, wachgerufen zu werden.

Es gibt in den westlichen Sprachen kein Wort, das die volle Bedeutung von al-Wadûd wiedergibt. Umschreibungen werden ihr nicht gerecht, und dennoch hält man sich in diesem Teil der Welt viel auf seine wissenschaftliche Überlegenheit zugute und sieht verächtlich auf alles Religiöse herab. Dieser heilige Name ist ein ausgezeichneter dikr (Anrufung Gottes), eine große Hilfe für alle, die sich ernsthaft bemühen, auf dem Weg zu Allah voranzukommen.

Sicher ist der Begriff der Liebe in der Kultur des Westens sehr geläufig, und gewiß glauben die meisten Menschen zu lieben, geliebt zu werden und die Bedeutung der Liebe zu kennen. Meist ist die Liebe sogar das Wichtigste in ihrem Leben. Doch was ist sie wirklich? Mit dem göttlichen Namen al-Wadûd meinen wir nicht die vergängliche, körperliche Liebe, die zu der einzigen dem heutigen Menschen bekannten geworden ist. Das ist die Liebe, die auch die Tiere im Zoo kennen. Wem also keine andere bekannt ist, der mag sich ihnen ruhig zugesellen.

Es gibt zwei Arten von Liebe, die eine tierhaft, vergänglich, und die andere unwandelbar, unvergänglich. Die Weisheit des Schöpfers hat beide in den Menschen gesetzt, aber die Erfüllung des menschlichen Daseins besteht in der Verwirklichung der göttlichen Liebe.

Du magst eine Frau ihrer Jugend wegen lieben, und wenn diese Jugend vergangen ist, ist dir auch alle Liebe vergangen. Ist das wirkliche Liebe? Gewiß, es gibt auch Situationen, in denen beide Arten von Liebe zusammen erscheinen. Aber zumeist übertrumpft die körperliche Liebe die spirituelle, und so bleibt letztere ohne Belang. Wer das Ziel allen menschlichen Lebens erreichen will, muß jedoch den Weg der unveränderlichen Liebe gehen. Und er kann diese nicht durch eigene Anstrengungen gewinnen, denn sie ist ein Geschenk des Herrn des Universums.

Wenn wir al-wadûd sagen, öffnen wir uns und bitten unseren Herrn, jene göttliche Liebe in uns zu erwecken, die keine Grenzen kennt in Raum und Zeit und sich auf alle Schöpfung erstreckt. Mir ist aufgetragen worden, die Menschen die Anrufung des Herrn durch ya wadûd zu lehren. Wer lauteren Herzens ist, wird durch diesen Namen die wirkliche Liebe empfangen und an alles in sich und um sich weitergeben. Wir müssen lernen, alles um der Liebe willen zu lieben, die der Schöpfer für Seine Schöpfung hegt. Es gibt kein wichtigeres Gebet in dieser Zeit als das Gebet um sie. Denn obwohl der Kern alles spirituellen Lebens aus ihr besteht, ist sie fast ausgestorben. Deshalb nehmen die Leiden, die Kämpfe, die Krisen und die Erschütterungen in dieser Welt ständig zu.

Was heutzutage für menschliche Liebe ausgegeben wird, hat mit wirklicher menschlicher Liebe nicht das geringste gemein. Meist klammern sich die Leute an das, was sie ihre Liebe nennen, für zwei oder drei Monate, dann haben sie genug davon und werfen sie weg. Der eine sagt, »Du, meine Göttin«, und diese sagt, »Du, mein Gott«, aber wer nach zwei oder drei Monaten noch einmal hinschaut, wird sehen, was aus jener wahren Hingabe und jenen tiefen Gefühlen geworden ist. Das ist die Ursache für das Elend in unserer Zeit. Ich weiß nicht, warum sich diese Epoche für zivilisiert hält, wo doch alles auf die Zerstörung von Zivilisation hinweist und in jeder Minute Gewalt und Leiden zunehmen.

Eine Gesellschaft verdient erst dann, zivilisiert genannt zu werden, wenn sie den Menschen die Umgebung schafft, in der sie ohne Mühe einander unvergängliche Liebe schenken können. Woher nehmen die Leute heute nur den Stolz auf dieses zwanzigste Jahrhundert? Wenn ich hierherkomme, stehen mir die Haare zu Berge bei dem, was ich sehe. Diese Wildheit! Dieser völlige Mangel an Vertrauen! Jeder beäugt den anderen mit Angst und Mißtrauen. Und wenn ich so etwas sage, dann sind die Leute verärgert, fühlen sich in die Enge gedrängt und schlagen zurück: »Wenn das Ihre Meinung ist, warum kommen Sie dann hierher? Was wollen Sie dann im Westen?«

Ich antworte: »Wenn ein Arzt ins Krankenhaus eilt, dann hat das nichts mit Gefallen oder Mißfallen zu tun; er geht dorthin, um seinen Beruf auszuüben. Ich wurde ausgebildet, um spirituelle Leiden mit einer Methode zu heilen, die hier nicht bekannt ist. Das heißt, ich wurde von spirituellen Zentren beauftragt, mich um die Länder des Westens zu kümmern.«

Die kleinste Verbesserung in der spirituellen Gesundheit der westlichen Gesellschaften bedeutet eine Erleichterung für die ganze Welt, denn alle anderen Nationen haben ihre Traditionen über Bord geworfen und laufen dem Westen nach. Deshalb werden die Krankheiten des Westens schnell zu Weltkrankheiten, und dementsprechend ist jede Verbesserung des spirituellen Klimas im Westen eine Verbesserung des Weltklimas.

In der gegenwärtigen gefährlichen Situation müssen wir vor allem danach trachten, bleibende Liebe zu erwecken. Religiöse Praktiken und Regeln allein sind jetzt völlig nutzlos. Solange die Herzen mit wirklicher Liebe nicht in Berührung kommen, bemächtigt sich das Ich unserer Gebete und unseres religiösen Lebens insgesamt und behängt sich mit den Titeln der Religion. Hören wir auf, unserer Eitelkeit zu dienen, und streben wir nach wirklicher Liebe!

Wo damit beginnen? Jeder hat einen Kreis von Freunden und Bekannten. Beginnt mit denen, die euch am nächsten stehen, mit euren Männern, mit euren Frauen, mit euren Eltern, euren Kindern, euren Brüdern und Schwestern, und seid großzügig mit eurer Liebe. Wenn wir die Stufe der Liebe erreichen, die unser geringstes Maß ist, dann werden die Gerichtshöfe der Welt wegen mangelnder Aufträge geschlossen bleiben: keine Beschwerden, keine Schei- dungsklagen, keine Anfeindungen, kein Streit.

Bleibende Liebe zu schenken, ist in unserer Zeit die wichtigste spirituelle Praktik. Niemand soll sagen, »Ich brauche das nicht zu praktizieren«. Davon sind weder die Zuhörer noch dieser Sprecher ausgeschlossen. Man erzähle mir nicht, der so und so ist auf der und der spirituellen Stufe, wenn ich sehe, daß er mit seiner wirklichen Liebe geizt und sie selbst denen vorenthält, die ihm am nächsten stehen.

Das niedere Selbst des Menschen, das selbstische Ich, will niemand anderem dauerhafte Liebe schenken als sich selbst. Ich glaube nicht, daß wir Menschen um solch schäbiger Selbstliebe willen geschaffen worden sind. Vielmehr sind wir geschaffen, alle Geschöpfe zu lieben. Der Mensch ist der Stellvertreter Gottes auf Erden, und der größte Schatz göttlicher Liebe liegt in ihm. Ihm ist aufgetragen, die göttliche Liebe in dieser Welt zu verwirklichen, als ein Brunnen der Liebe, aus dem jedes Geschöpf trinken kann.

Meine Rede folgt keinem vorbereiteten Text. Sie ist ein kleiner Tropfen aus den Meeren der Liebe Gottes, eben so klein wie nötig, euren spirituellen Durst zu stillen.

wa min allâh at-tawfîq

[Aus: Sheikh Nâzim Adl al-Haqqâni, Der Weg der Weggefährten, Bonndorf im Schwarzwald 1991, S. 13 ff.] – Höre zum selben Thema den aktuellen Podcast des Sheikhs!

Kommentare

  1. WissenschaftlerJune 24, 2007 @ 11:02 AM
    Warum halten sich religioese Menschen nicht einfach aus der Wissenschaft raus. Es ist doch immer wieder laecherlich, dass dieses Unwissenden von Sachen reden von denen sie ganz offensichtlich keine Ahnung haben. Und in ihrer Arroganz wollen sie diesen Gebieten dann auch noch die Grenzen aufzeigen.
  2. GottJune 24, 2007 @ 03:52 PM
    Vielleicht liegt es an der DNA von religioesen Menschen.
  3. GlobetrotterJune 24, 2007 @ 04:50 PM
    Viel zu abstrakt. Warum wollen die Religionen die Liebe eines Menschen immer nur auf die körperliche Liebe reduzieren? Ich liebe zum Beispiel meinen Hund, meine Katze. Ich habe Oma und Opa geliebt, wildfremde Menschen in Not bekommen Hilfe von mir … und so weiter und so fort, Was alles hat das mit der Sexuellen Anziehungskraft zu tun? Religiöse Leute können offensichtlich einfach nicht anders als alles was sich nicht mit ihrem Glauben vereinbaren läst schlecht zu machen. Können sie nicht einfach das Leben so nehmen wie es ist, von mir aus auch, wie es gegeben wurde, dass Beste daraus zu machen, anstatt immer wieder irgendwelche nutzlose Klimmzüge vorschreiben zu wollen?
  4. AtheistJune 24, 2007 @ 06:12 PM
    Jene Elektronen umschwirren, trunken von göttlicher Liebe, den Kern. Realsatire?
  5. BertholdJune 25, 2007 @ 11:21 AM
    Zitat:"Wer über die Wissenschaft hinausgelangt, weiß mit Sicherheit, daß es Allah, der Allmächtige, der Herr des Universums, ist, welcher mit Seinem heiligen Namen al-Wadûd (der Liebende) dem Universum Seine göttliche Liebe schenkt. Jene Elektronen umschwirren, trunken von göttlicher Liebe, den Kern. Es ist ihre Art, Allahs Liebe zu bekunden." Also Scheich Nâzim WEISS es. Er glaubt oder vermutet es nicht, er weiß es. Etwas 100% wissen kann doch aber nur, wer auch den 100%-igen Überblick hat. Also derjenige, der alles weiß. Da Scheich Nâzim es weiß und nicht glaubt, hat er scheinbar den 100%-igen Überblick und damit weiß er scheinbar alles. Folglich muss Scheich Nâzim Allah sein, oder? schöne Grüße Berthold
  6. JungheldJune 25, 2007 @ 09:03 PM
    Hat sich einer mal gefragt, welche wissenschaftliche Theorie es dazu gibt? Woher kommt eigentlich diese Energie, die die Elektronen unnachgiebig Kreisen lässt?
  7. BertholdJune 25, 2007 @ 09:26 PM
    @Jungheld: Die Elektronen benötigen nur die Anfangsenergie (Urknall !?). Für das ständige Kreisen wird keine Energie benötigt, da sie auf der Kreisbahn auf dem gleichen energetischen Potential bleiben. Wo allerdings die Anfangsenergie herkommt, weiß soweit mir bekannt, niemand. Die These von Scheich Nazim ist auch nur eine von vielen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist es nicht mal eine These. Eigentlich sind es nur ein paar Worte. "Die Energie kommt von Gott/Allah" sind ein paar Worte, die keinen Erkenntnisgewinn für die Meschheit bringen, aber auf manche Menschen wirken diese Worte beruhigend und sie fühlen sich nicht mehr ganz so hilflos. Viel mehr würde ich von diesen Worten aber nicht erwarten ;)
  8. BertholdJune 25, 2007 @ 09:38 PM
    Nachtrag - Der Scheich hat es ja nicht so steril ausgedrückt wie ich. Er sagte ja nicht "Die Energie kommt von Gott" (wie platt) sondern "Jene Elektronen umschwirren, trunken von göttlicher Liebe, den Kern." Und das finde ich so süß, ich könnte den Scheich dafür knuddeln.
  9. JungheldJune 25, 2007 @ 11:23 PM
    @ Berthold: letzendlich muss der Urknall ja aus dem Nichts, bzw. einer nicht näher definierbaren Anfangssingularität entstanden sein. Womit wir wieder bei der Frage nach Gott wären. Aber das mit dem knuddeln ist schön formuliert von Dir ;)
  10. ReshadJune 26, 2007 @ 03:05 AM
    Dear Abbu Lichtblick! Mehr als Inständig hoffte ich auf Deine Einsicht, aber meine schlimmsten Befürchtungen wurden übertroffen: mit welchem Recht stellst Du Maulanas Worte hier wohlfeil zur Debatte? Sollen Kreti und Pleti ihren Senf dazu geben, damit es auch hübsch demokratisch zugeht? Ist das eine billige Ware für jedermann? Schande über Dich! Viemehr, ich bedaure Dich, weil Dich offensichtlich der Grössenwahn gepackt hat. Möge Dich der Zorn der Heiligen verschonen. Reshad
  11. BertholdJune 26, 2007 @ 06:58 AM
    @Jungheld: Ich bin dann nicht zwangsläufig bei der Frage nach Gott. Weil dann geht die Fragerei ja wieder weiter. Wo kommt Gott her? Die Religionen sagen dann er sei unerschaffen. Das gleiche könnte ich auch sagen, wenn ich behaupten würde, das Universum stammt aus einer Art Keim. Dieser Keim ist unererschaffen und hat schon immer existiert. Der Unterschied zur Behauptung der religiösen Menschen ist dann lediglich, dass mein Keim eine Sache/Ding ist, ohne Bewußtsein, während der Gott der Religionen ein Bewußtsein hat und zu alledem ist er auch noch allmächtig und allwissend. Aus meiner Sicht stehen beide Behauptungen absolut gleichwertig nebeneinander.
  12. BertholdJune 26, 2007 @ 07:03 AM
    @ Reshad: Aus deinen Worten schließe ich, dass alles was Scheich Nazim sagt nicht zur Diskussion steht. Folglich müsstest du meine erste Schlussfolgerung/Frage hier "Folglich muss Scheich Nâzim Allah sein, oder?" mit JA beantworten, oder?
  13. AbhaJune 26, 2007 @ 07:46 AM
    Salam aleikum! und danke für diesen schönen Artikel! In der Kabbalah wird das selbe gelehrt! Und keine Sorge, der Liebe tut es keinen Abbruch wenn über sie hergezogen wird! Shalom !
  14. PheromoniaJune 26, 2007 @ 08:32 AM
    Wissenschaft und Glaube sind zwei völlig verschiedene Methoden zum Erlangen von Wissen. Sie sind völlig unvereinbar. Von daher ist die komplette Diskussion und der Artikel überflüssig.
  15. EngelJune 26, 2007 @ 11:09 AM
    @Pheromonia: "Wissenschaft und Glaube [...] sind völlig unvereinbar" ist eine interessante Aussage. Hat Dir Gott das selbst so gesagt? Wenn ja, dann wird es stimmen. Oder sagst Du vor Gott, daß Du es nicht weißt? :-)
  16. PheromoniaJune 26, 2007 @ 03:53 PM
    @Engel: Unzulässige Kürzung meiner Aussage. Ich habe nicht geschrieben, dass "Wissenschaft und Glaube unvereinbar" sind, sondern zwei völlig verschiedene Methoden zum Erlangen von Wissen sind. Man kann demnach bei einer wissenschaftlichen Argumentation nicht den Glauben zu Rate ziehen und genausowenig umgekehrt. Es ist per Definition des Begriffs Wissenschaft und Glaube schlichtweg Unsinn. Und diese Begriffe wurden nicht von einem "Gott" festgelegt, sondern sind rein irdisch. Gottlob. ;-)
  17. BlackbirdJune 27, 2007 @ 02:13 PM
    @Pheromonia : Falsch , Wissenschaft ist eine Methode zum erlangen von Wissen, Glaube ist eine Methode um (wenn man es den braucht) Halt zu finden in einer "unerklärlichen" Welt. Irgendwann verwechseln viele Glaube mit Wissen , dann kommt so ein Text heraus. Typisch menschliches Verhalten , leider trotzdem nicht sinnvoller.
  18. Pheromonia June 27, 2007 @ 09:53 PM
    @Blackbird: Falsch? Das Glaube nicht Quelle von Wissen sein kann ist anmaßend.
  19. soeren onezJune 29, 2007 @ 10:14 AM
    Wenn ihr schon von Wissenschaftlichkeit reden, dann benutzt doch auch eine wissenschaftliche Definition von Glaube und Wissen. Beide sind Unterkategorien der Meinung und unterscheiden sich nur in der Rechtfertigung. Wissen ist definiert als wahre, gerechtfertigte Meinung. Etwas, an das ich glaube kann wahr sin, es ist aber nicht gerechtfertigt. ich kann keine intersubjektiv anerkannte Gründe liefern, es kann jedoch wahr sein. Somit kann Glaube richtig sein, aber nicht Quell von Wissen sein, denn wenn Glaub gerechtfertigt ist, dann ist es kein Glaube mehr, sondern Wissen. Eine andere frage ist, wie wir zu wissen gelangen oder ob es überhaupt möglich ist. Die Theorie, dass Gott oder sonstwer Elektronen angestoßen hat, ist keine Theorie, denn sie ist nicht belegbar. Das heißt aber nicht, dass sie falsch sein muss. Was allerdings richtig ist und in einem Kommentar geschrieben wurde, ist, dass es keinerlei Erkenntnisgewinn bringt Gott anzunehmen, als Anstubser der Elektronen. Es ist für uns nicht nachprüfbar, also auch der Erkenntnis entzogen.
  20. QalandarJune 30, 2007 @ 04:02 AM
    Salam wunderbare Sohbet, alhamdulillah, - und dann aber dann : bei den Kommentaren, bis auf einige Ausnahmen nichts als geballte Doofheit, die sich, dem Trend des "Zeitgeistes" folgend, auch noch für besonders intelligent und "aufgeklärt" hält, und schlichter trauriger Müll, von Menschen, die ihren Aberglauben an eine nahezu unfehlbare Wissenschaft mit Objektivität verwechseln. Einstein würde sich wohl im Grabe rumdrehen. Ya Haqq Qalandar
  21. QalandarJune 30, 2007 @ 04:44 AM
    Salam Nachtrag : Was ich oben vergaß zu erwähnen : Ich meine, daß man - mindestens bei solchen Texten wie dem Sohbet - die erscheinenden Kommentare selektieren oder sogar die Kommentare ganz weglassen sollte. Was da oben erschienen ist, spricht ja eine deutliche Sprache. Und ist auf jeden Fall durchaus entbehrlich Meint Qalandar
  22. BertholdJune 30, 2007 @ 05:15 AM
    @soeren onez: Finde ich sehr gut und klar ausgedrückt, was du schreibst. Nur eine Anmerkung: Es hat hier bis jetzt keiner geschrieben, die Behauptung "Gott hat die Elektronen angeschubst" sei eine Theorie. Ich hatte "These" geschrieben und Jungheld hatte gefragt ob es eine Theorie dazu gibt. Den Definitionswirrwar von Glaube und Wissen hast du aber finde ich sehr gut entwirrt. schöne Grüße Berthold
  23. BertholdJune 30, 2007 @ 05:44 AM
    @ Qalandar: Finde ich nicht gut was du schreibst. Du titulierst andere Kommentare als "Doofheit", lieferst aber keine Begründung zu deiner Meinung. Und wenn du zudem die Meinungen anderer überhaupt nicht hören willst, empfinde ich das als respektlos. Und dann würde ich noch gerne etwas zu dem weitverbreiteten Missverständnis schreiben, dass du auch erwähnst. Du schreibst: "... die ihren Aberglauben an eine nahezu unfehlbare Wissenschaft mit Objektivität verwechseln." Die Theorie ist in der Wissenschaft als die höchste Form der Erkenntnis definiert. Und das vergessen viele (passiert mir auch oft), dass alles was wir für gesichertes Wissen halten, letztendlich nur einer Theorie ist. --- Aber ob sich Einstein bei den Kommentaren im Grabe umdrehen würde, wage ich zu bezweifeln. Scheich Nazim bezeichnet seinen persönlichen Glauben einmal mit "wissen bestimmt" und ein anderes Mal mit "weiß mit Sicherheit". Ich denke bei solchen Aussagen würde sich Einstein im Grabe umdrehen. schöne Grüße Berthold
  24. Salim SpohrJune 30, 2007 @ 12:06 PM
    Grafik

    Also, liebe Leute, hier eine kurze Bemerkung:

    Erstens besteht überhaupt kein Grund, übertrieben stolz auf die "Wissenschaft" zu sein. Denn wie der Wissenschaftshistoriker Thomas S. Kuhn in seiner berühmten Schrift "The Structure of Scientific Discovery" herausgefunden hatte, liegen die Gründe für Paradigmenwechsel (wissenschaftliche Neuorientierungen) nicht in einem guten Argument, sondern "den Kräften des Sozialspieles". Das heißt, daß die here Disziplin sich in ihrer Geschichte als korrupt erwiesen hat. Hier könnte man auch auf die Geschichte Immanuel Velikovskys verweisen.

    Zweitens muß erkenntnis- bzw. wissenschaftstheoretisch einmal klargestellt werden, daß es keine genuinen Erkenntnisse - doxai (Platon), kataphaseis (Aristoteles), iudicia (Leibniz, Descartes), Urteile (Kant), Sätze (Wittgenstein) oder, modern gesprochen: "propositions" -, keinen Sondertyp von Urteilen gibt, die "wissenschaftlich" wären. Es gibt keinen genuinen Unterschie zwischen "wissenschaftlichen" und "nichtwissenschaftlichen" Erkenntnissen. Beide müssen falsch sein können. Das Prädikat des Wissenschaftlichen kann sich nicht auf die Erkenntnis selbst beziehen, sondern nur auf die soziale Umgebung (mehrer Leute mit demselben Ziel, gleicher Terminologie usw.), innerhalb derer sie gewonnen wird.

    Dittens Auch die so häufig in dem Zusammenhang dieser Frage hochgepriesene Heilige Kuh der Logik, erweist sich nicht als tertium comparationis. Denn sie ist - da, was sich selbst widerspricht, zwar falsch, was sich selbst nicht widerspricht, aber noch lange nicht wahr ist, vielmehr selbst auch falsch sein kann - als bloß negatives Wahrheitskriterium, wie Sheikh Immanuel Kant einmal meinte, vom geringen Nutzen der Vermeidung dessen, daß man sich bloß selbst widerspricht.

    Schließlich gibt es neben dem sich in Form von Urteilen im genannten Sinne artikulierenden prophanen Wissen auch noch eine andere Form von Wissen, das sich von Herz zu Herz verbreitet. Die Geschichte der Philosophie ist wesentlich eine Geschichte der Suche nach Gewißheit im Sinne einer Erkenntnis, deren Wahrheit notwendig ist. Diese Suche ist gescheitert, ja als in sich unsinnig verstehbar, wenn auch die dahinterliegende Sehnsucht sicher nicht unehrenhaft war. Sie scheint sich in einer Form von Weisheit zu erfüllen, die nicht disjunktiv in Form von Sätzenauftritt, die wahr oder falsch sind. Hier wird auch nicht diskutiert. Bei Sohbets beispielsweise ist es so: Der Scheikh spricht. Die Schüler hören zu, und ein Segen kommt auf die Versammlung. Es war ein Fehler von mir, in Anschluß einer solchen Art heiliger Ansprache überhaupt eine Diskussion möglich gemacht zu haben. Künftig sollen diese Arten von Ansprachen von der Diskussion ausgenommen werden. - Ich schließe hiermit auch die Kommentarlinie.